Elektronik-Show
Ein Aargauer erobert mit seiner Settop-Box die USA

Schweizer Firmen mischen in einigen IT-Bereichen vorne mit. Sie zeigen sich aber an der Elektronik-Show in Las Vegas nicht. Eine kleine Ausnahme ist das Aargauer Unternehmen Reycom von Pascal Rey.

Matthias Niklowitz, Las Vegas
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Aargauer in Vegas: Pascal Rey.

Aargauer in Vegas: Pascal Rey.

AZ

Pascal Rey ist gut gelaunt in Las Vegas. Er hat allen Grund dazu. Sein Unternehmen Reycom mit Sitz in Aarau hat soeben einen US-Grosskunden für seine neue Settop-Box gewonnen. Diese neue Box kommt mit unterschiedlichen Standards für digitale Rechte klar und ist laut Rey «extrem leistungsfähig, aber sehr stromsparend». Die kleine, handliche Box kommt dank der Low-Power-Technologie ohne Ventilator aus. Im Innern steckt die Technologie des US-Chipherstellers Texas Instruments.

«Schauen Sie: Aussen kein Plastik, sondern solides Metall – eben typisch schweizerisch», erklärt Rey und fügt an: «Schweizerische Qualität ist immer noch sehr gefragt in den USA.» Das Image schweizerischer Produkte und das der Schweiz sei allgemein immer noch sehr gut im Ausland, findet der Unternehmer.

Rey arbeitet übers Internet mit Spezialisten zusammen, die sich über die ganze Welt verteilen. Er begibt sich so auf einen Markt, auf dem sich sonst nur Unternehmen mit Milliardenumsätzen tummeln. Immerhin wird er dank dem neuen Kunden in diesem Jahr einen geschätzten Umsatz im tiefen zweistelligen Millionenbereich einspielen. Zahlen publiziert das privat gehaltene Unternehmen nicht.

Die Leute sind da

Oft entwickelt Rey Settop-Boxen mit den Kunden, den grossen Kabelnetzbetreibern, zusammen. «Das geht mit US-Kunden oft rascher als mit Kunden aus Europa», fasst Rey seine Erfahrungen zusammen. Las Vegas ist für Rey ein Pflichttermin. Auch das Geschäft mit der neuen Box hat er hier vor einem Jahr eingefädelt. 12 bis 18 Monate dauert es bis zur Auslieferung und der Serienproduktion. «Hier in Vegas treffe ich oft die Kunden noch für letzte Gespräche, die Detailarbeiten werden vorher oder nachher erledigt», beschreibt Rey das Vorgehen.

Hier trifft er sich auch mit Vertretern von Microsoft und Google. Beide Firmen stellen zwar nicht selber aus, aber beide haben ihre Experten geschickt. Die Standards dieser beiden Konzerne, die im Bereich des Internet-TV eine überaus wichtige Rolle spielen, beherrscht Reys Settop-Boxen. Befürchtungen, dass das Geschäftsmodell mit den Settop-Boxen bald wegen Internet-fähigen Smart-TVs überflüssig werden könnte, hat Rey nicht. Dazu seien die Produktezyklen zu lang. Settop-Boxen erlauben neben Apps erheblich mehr neue Dienste und Angebote. «Und in den USA ist sehr viel Dynamik im Fernsehbereich, denn die Netzbetreiber benötigen die Settop-Boxen für ihre Markenpflege und um im hart umkämpften Markt bestehen zu können.»

Für Menschen mit Platzangst ist die Computer Electronic Show (CES) nicht empfehlenswert: Auch wenn das Messegelände sehr weitläufig ist und sich auf zwei weitere grosse Hotelkomplexe ausgeweitet hat – eine Viertelmillion Besucher bedeutet immer auch viel Gedränge. Etliche Firmen wie Logitech oder Kudelski ziehen deshalb eine diskrete Präsenz in einem Sitzungszimmer eines Hotels vor.

Hier können die Firmenvertreter in aller Ruhe mit ihren Kunden diskutieren. Dennoch nutzen beide Firmen die CES, um Neuigkeiten unter das Publikum zu bringen. Die Kudelski-Tochter Nagra erweitert ihre Partnerschaft mit dem deutschen Unternehmen HD Plus um ein Internet-Fernsehangebot. HD Plus kombiniert seinen Mediathekendienst für rund 3 Millionen Haushalte in Deutschland mit dem Inhaltschutz von Nagra.

Kommunizieren ohne Leute

Und der Computer-Peripheriegeräte-Hersteller Logitech schloss sich als treibende Kraft mit zehn anderen Firmen zum «Internet-of-Things»-Konsortium zusammen. Gemeinsam mit weiteren Anbietern möchten die Lausanner Standards für die automatische Kommunikation zwischen Geräten entwickeln – beispielsweise zwischen Autos und den Servicecomputern der Hersteller. Damit reagiert Logitech frühzeitig auf einen neuen Trend. Laut Marktforschern wird spätestens 2020 die Kommunikation zwischen Geräten und Maschinen untereinander die von Menschen zahlenmässig überflügeln.

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