Die Aargauer Firma Dubler stellt keine Schaumköpfe her und keine Schaumküsse, wie Migros, Coop oder Lidl. Die Firma aus Waltenschwil stellt explizit Mohrenköpfe her. Und dies seit 1946. Der geschwungene Schriftzug Dubler ist Liebhabern dieser Süssspeise ein Begriff, der ihnen höchsten Genuss verspricht.

Doch die Schaumköpfe, wie die mit Schokolade umhüllten Schaumbällchen heutzutage meist genannt werden, heissen bei Dubler eben: "Mohrenköpfe". Und bei diesem Wort zuckt der eine oder die andere zusammen. Darf man in Zeiten politischer Korrektheit sein Produkt noch so nennen? Die Firma Dubler weiss um die Brisanz. Auf ihrer Internetseite mohrenkopf.com hält sie fest: "Zu diesem Thema existieren diverse Meinungen und Gerüchte." Mehr gibt es zum Thema offenbar nicht zu sagen.

"Gewalttätige Süssigkeiten"

Eine solche Meinung hat das "Komitee gegen gewalttätige Süssigkeiten". Vor zwei Wochen startete es eine Onlinepetition auf change.org, um die Firma Dubler zu einem Namenswechsel zu bewegen. Der Grund: "Mohr war also ganz eindeutig von Beginn weg eine rassistische Bezeichnung: dumm und Schwarz", so das Komitee. Mohr ist ein alter Begriff für einen dunkelhäutigen Mann. Und weiter fragen sich die Komiteemitglieder: "Warum will die Schweiz ihr Dessert gerne exotisch, sprich rassistisch, kolonialistisch halten?" Man könne es drehen und wenden, wie man will: Die Bezeichnung Mohrenkopf sei rassistisch.

In zwei Wochen kamen knapp 600 Unterschriften zusammen. Das ist im Internetzeitalter nicht gerade viel. Margrit Stucki aus Zürich hat unterschrieben, "weil Tradition keinen Rassismus rechtfertigen kann". Rosmarie Wydler aus Basel findet: "Es sind so viele Namen möglich - aber niemals rassistische oder sexistische".

Dublers Reaktion

Firmeninhaber Robert Dubler, der das Unternehmen von seinem Vater übernommen hat, reagiert gelassen: "Wir haben ja nicht viel anderes, über das wir uns aufregen können", sagte er am Mittwoch im Interview mit 20min. Und weiter: "Im Zusammenhang mit der Süssigkeit ist der Begriff doch nicht rassistisch, sondern sogar positiv besetzt."

Es ist nicht das erste Mal, wo der Firma Dubler AG wegen ihres Produktnamens Rassismus vorgeworfen wird. Reagiert hat sie deshalb nicht. 

Unterstützung von der Genderforscherin

Die Basler Genderforscherin Franziska Schutzbach von der Universität Basel kann mit Robert Dublers Argumentation nichts anfangen und unterstützt das Anliegen des Komitees: «Wenn wir nicht bereit sind, Sprache zu dekolonisieren, werden auch weiterhin Geflüchtete ertrinken.»  

Keine Namensänderung

Eine Änderung des Produktnamens kommt für Robert Dubler entgegen aller Kritik nicht in Frage. Man ändere ein erfolgreiches Produkt nicht. Die Firma würde ihr Alleinstellungsmerkmal verlieren. Dubler-Mohrenköpfe wären dann wie jene von Coop und Migros: austauschbar.

Verstand, nicht Verbote

Mit einer Sprachpolizei kann auch Journalist Ronnie Grob nichts anfangen: "Erstens ändert Sprachkosmetik nichts an den realen Verhältnissen. Und zweitens besteht das Problem der Sprachpolizei ganz grundsätzlich darin, dass ihr Kampf für eine angeblich politisch korrekte Sprache nie ein Ende finden wird", schreibt er in der NZZ, die das Thema als erste aufgegriffen hat. "Es werden sich immer neue Begriffe finden, von denen sich jemand verletzt fühlt oder von denen jemand glaubt, jemand könnte sich davon verletzt fühlen."

Sprachlicher Ausdruck bedürfe des Verstandes, nicht des Verbotes, so Grob.