Oftringen

Die Aargauer Behörden ziehen Konsequenzen aus Tierquälerfall

Die Analyse zum bekannt gewordenen Tierschutzfall in Oftringen hat laut den Behörden Handlungsbedarf im kantonalen Veterinärdienst aufgezeigt. Die Massnahmen vor Ort wären jedoch der jeweiligen Situation angemessen gewesen.

Das Vorgehen des Veterinärdienstes im Tierschutzfall in Oftringen sei eingehend aufgearbeitet worden, wie das Departement Gesundheit und Soziales (DGS) am Freitag mitteilt.

Die Analyse habe ergeben, dass Umfang und Intensität der Kontrollen vor Ort grundsätzlich der jeweiligen Situation angemessen waren. Das gelte auch für die angeordneten Massnahmen. Die insgesamt acht unangemeldeten Kontrollen hätten keine Rückschlüsse darauf zugelassen, dass auf dem Gelände Tierkadaver versteckt worden waren. 

Allerdings räumt das DGS ein, dass der Kanton beim Tierhalter zu wenig stark durchgegriffen habe. Der Gesamtbetrachtung der Situation beim Tierhalter sei zu wenig Beachtung geschenkt worden. 

Aus diesen Gründen habe das Veterinäramt nicht früher umfassendere Massnahmen zur Sicherstellung des Tierwohls angeordnet. Das DGS nennt als Beispiel explizit ein Tierhalteverbot.

Der Tierhalter war dem Veterinärdienst seit Jahren bekannt

Auf einer Patrouillenfahrt hatte die Kantonspolizei Aargau Anfang Februar ein totes Schaf auf einer Weide in Oftringen entdeckt. Nach einer näheren Kontrolle wurde festgestellt, dass dort mehrere Tiere unter miserablen Zuständen gehalten wurden. Das Veterinäramt erteilte dem Tierhalter, einem 57-jährigen Schweizer aus Oftringen, am 7. Februar ein Tierhalteverbot.

Bereits Ende des vergangenen Jahres berichtete Tele M1 über ein totes Lamm, das laut Anwohnern tagelang auf der Weide gelegen hatte. Offenbar sei dies kein Einzelfall gewesen. Zwei Nachbarinnen erzählten damals von unhaltbaren Zuständen,  hinkenden Schafen und Tieren, die auf dem Misthaufen nach Nahrung suchen.

Wie das DGS bestätigte, war der Tierhalter bereits seit 2015 wegen Verstössen gegen das Tierschutz- und Tierseuchengesetz bekannt. Bei insgesamt acht Kontrollen wurden zwar wiederholt Mängel festgestellt, sie wurden jedoch als Ausnahmen eingestuft. Dementsprechend verordnete die Behörde bis zum 7. Februar auch kein Tierhalteverbot an.

Neues Kontrollkonzept und Schulung des Kontrollpersonals

Künftig sollen laut Mitteilung des Kantons von heute Freitag Kontrollen des Veterinärdienstes anhand eines Kontrollkonzepts erfolgen, das die Vorgeschichte beim jeweiligen Tierhaltenden angemessen berücksichtigt.

Das Kontrollpersonal solle zudem regelmässig über Aufgaben und Kompetenzen im Vollzug geschult und sensibilisiert werden. Zusätzlich würden auffällige Tierhaltende neu von einem interdisziplinären Team überwacht. Damit sollen tragische Vorfälle künftig vermieden werden.

4.2.2020: Die Kantonspolizei Aargau findet auf einem Hof in Oftringen dutzende tote und verweste Tiere.

4.2.2020: Die Kantonspolizei Aargau findet auf einem Hof in Oftringen dutzende tote und verweste Tiere.

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