Archäologie
Der Legionärspfad interessiert bis nach Bhutan

Wie archäologische Denkmäler publikumsgerecht präsentiert werden können, erfuhr eine Delegation aus Bhutan beim Besuch des Legionärpfads in Windisch.

Jörg Meier
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Auf dem Legionärspfad: Kantonsarchäologe Georg Matter, Dasho Karma Weezir (Kulturminister von Bhutan), Rahel Göldi (Leiterin Römerlager), Karma Tenzin (Leiter Archäologie Bhutan), Archäologe Christian Bader (von links).

Auf dem Legionärspfad: Kantonsarchäologe Georg Matter, Dasho Karma Weezir (Kulturminister von Bhutan), Rahel Göldi (Leiterin Römerlager), Karma Tenzin (Leiter Archäologie Bhutan), Archäologe Christian Bader (von links).

Sandra Ardizzone

Bhutan liegt in Südasien und grenzt im Norden an Tibet. Über 80 Prozent des Landes befinden sich auf über 2000 Metern über Meer. Der höchste Berg des Landes ist der 7570 m hohe Gangkhar Puensum – es ist der weltweit höchste Berg, der noch nie von einem Menschen bestiegen wurde. Bhutan zählt rund 800 000 Einwohner. Immerhin: Eine Gemeinsamkeit mit der Schweiz ist, dass beide Länder flächenmässig ungefähr gleich gross sind.

Da verwundert es doch ein wenig, wenn plötzlich eine zweiköpfige Delegation aus Bhutan durch den Aargau reist und sich von kantonalen Fachleuten erklären lässt, wie man hier Archäologie betreibt und die Ergebnisse erfolgreich unter die Leute bringt.

Wie geht Archäologie?

Organisiert wird der Besuch von der Schweizerisch-Liechtensteinischen Stiftung für Archäologie. Die Stiftung unterstützt auch ein Projekt zur Institutionalisierung und Stärkung der Archäologie im Königreich Bhutan, wo diese noch in den Kinderschuhen steckt. Entsprechend beeindruckt zeigen sich denn auch der bhutanische Kulturminister und der Chef-Archäologe über den Stand der Archäologie im Aargau, aber auch über die Art und Weise, wie das römische Leben den Heutigen vermittelt wird. Sie geniessen das Spiel mit der Zeitmaschine, besichtigen das Lager mit der Offiziersküche und das Amphitheater. Relativ unbeeindruckt sind die Gäste aus Bhutan hingegen von den Contubernia, den nachgebauten Legionärsunterkünften. «Kein Wunder», erklärt Christian Bader, der als Schweizer Archäologe regelmässig Ausgrabungen in Bhutan begleitet, «dort sind solche einfachen Unterkünfte auch heute noch die Regel.»

Dann will der bhutanische Kulturminister von Rahel Göldi, der Leiterin des Römerlagers Vindonissa, wissen, wie viele Besucher pro Tag kommen. Im Schnitt seien es rund 200, sagt sie. Und ob das alles gratis sei für die Besucher? Rahel Göldi erklärt, dass man leider Eintritt verlangen müsse, doch die Preise seien familienfreundlich gestaltet.

Mittagessen auf der Habsburg

Die Zeit drängt. Die Reise führt auf die Habsburg, wo die Gäste nach dem Mittagessen per Audioinstallation den Königsweg begehen und dabei erfahren, wie hier eine der mächtigsten Dynastien ihren Anfang nahm; auch wenn der Name «Habsburg» in Bhutan kaum jemand kennen dürfte. Aber es geht ja eben nicht um Inhalte, sondern um die Art und Weise, wie sie einfach und attraktiv vermittelt werden können.

Schliesslich führt die archäologische Tour durch den Aargau auf den Kestenberg. Dort wird die bronzezeitliche Fundstelle besichtigt; das kann individuell geschehen, indem jeder sich die Erklärungen samt 360-Grad-Ansicht von damals aufs Handy laden kann.

Bis man in Bhutan so weit ist, wird es noch einige Zeit dauern. Aber der Leiter der nationalen Archäologie ist höchst zufrieden, dass er weiter auf die Unterstützung aus der Schweiz rechnen darf und nun selber schon über ein vierköpfiges Team verfügt.

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