Leserwandern
Das Leserwandern fand dort statt, wo der Hausrotschwanz rastet

Wie der Regen die Familienwanderung des az-Leserwanderns ab Gänsbrunnen (SO) noch gemütlicher gemacht hat. Nicht für alle war das Wetter das grösste Problem – sondern die Jahreszeit.

Stefan Schmid
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Kleine Pause im alten Schulhaus von Gänsbrunnen.
15 Bilder
Richard Bolli (l.) und Stefan Schmid begrüssen die Wanderer.
Mittagspause auf dem Erlebnisbauernhof.
Neugierige Pferde heissen die Wanderer willkommen.
Das Leserwandern fand dort statt, wo der Hausrotschwanz rastet (18. Etappe ab Gänsbrunnen (SO)).
Der junge Wandersmann freut sich auf den Zwergliweg.
Spiel und Spass beim Erlebnisbauernhof Montpelon.

Kleine Pause im alten Schulhaus von Gänsbrunnen.

Stefan Schmid

Wir sollten unbedingt im September wiederkommen, sagt Wanderleiter Richard Bolli, als er am Bahnhof Gänsbrunnen die 37 Unentwegten begrüsst.

Galgenhumor? Für uns war eher das Wetter und nicht die Jahreszeit das Problem. «Doch, doch», fährt der Leiter des Naturparks Thal fort: «Im Herbst fliegen zahlreiche Zugvögel auf ihrem Weg in den Süden durch das schmale Juratal – darunter auch der Hausrotschwanz, ein schöner Singvogel aus der Familie der Fliegenschnäpper. In der Vogelberingungsstation Subigerberg oben im Tal seien letztes Jahr etwa 350 dieser Insektenfresser ins Netz gegangen. Dort würden sie jeweils fachmännisch auf Herz und Nieren geprüft – Gewicht, Geschlecht, Gefieder – , ehe sie weiterfliegen dürfen.

Apero bei der Präsidentin

Der Hausrotschwanz mache gerne Rast im Naturpark, erklärt Bolli, der die Wandervögel in der Folge immer wieder mit kurzweiligen Informationshäppchen versorgt. Das sei der speziellen Topographie und den insektenreichen Waldlichtungen geschuldet. «Zugvögel brauchen offene Landschaften, damit sie genügend Nahrung finden», sagt der Biologe, der den Naturpark Thal seit 1. Oktober 2013 leitet.

Auf der Familienwanderung wird nicht nur unsere Wissbegier gestillt, sondern auch Hunger und Durst. Gemeindepräsidentin Rosmarie Heiniger serviert beim alten Schulhaus, das 1970 mangels Nachwuchs ausser Betrieb genommen wurde, Holundersirup – gespritzt mit Weisswein und Mineralwasser. Was für ein Genuss. Und was für eine Motivationsspritze vor dem glitschigen Waldweg hinauf zum Erlebnisbauernhof Montpelon. Dort legen wir die mitgebrachten Cervelats und Bratwürste, vor Regen und Nebel geschützt, sofort auf den Grill von Elsbeth und Ernst Lanz, die 2012 mit dem Solothurner Tourismuspreis ausgezeichnet worden sind.

Wer schon immer mal im Stroh schlafen wollte, findet auf ihrem Hof eine ideale Gelegenheit. Die ausführliche Mittagspause verdanken wir übrigens Wanderleiter Bolli und seiner kurzfristigen Verkürzung der Wanderroute. Der Regen ist tatsächlich nicht unser Problem. Eher schlägt uns die Jahreszeit ein Schnippchen. Der Hausrotschwanz verbringt den Sommer nämlich weiter nördlich. Wer ihn und andere Zugvögel beobachten will, muss unbedingt im September nochmals kommen.

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