Die Ursachen für den sogenannten Dryouts sind identifiziert. Ein solcher wurde bei einer Routineuntersuchung, die am 2. August 2016 anstand, bei Brennstäben des Kernkraftwerks Leibstadt festgestellt. Weil erst die Ursache geklärt werden musste, blieb das Kraftwerk vom Stromnetz genommen. Bis heute.

Das Ensi, das eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat, erteilte der Betreiberfirma heute Donnerstag die Freigabe. Ab sofort darf das Kernkraftwerk wieder in Betrieb genommen werden und ans Stromnetz angeschlossen werden, wie das Ensi auf seiner Internetseite schreibt

Die Krux mit dem Dryout

Beim Dryout handelt es ich um eine Reaktion der Brennstäbe mit Sauerstoff. Das Ensi erklärt den Sachverhalt auf seiner Internetseite folgendermassen: Im Atomreaktor wird durch die Kernspaltung im Brennstoff in den Brennstäben Wärme erzeugt. Diese wird über das Kühlmittel (Wasser) abgeführt. Um eine optimale Kühlung der Brennstäbe zu gewährleisten, müssen die Hüllrohre immer mit einem Wasserfilm bedeckt sein. Sollten sie dennoch an einzelnen Stellen nicht vollständig mit Wasser bedeckt sein, sprechen Experten von «Dryout» – also Austrocknung.

Ralph Schulz, Leiter des Fachbereichs Sicherheitsanalysen erklärt: "Der sichere Betrieb des Kernkraftwerks Leibstadt ist gewährleistet und die Anlage erfüllt die Sicherheitsanforderungen des Gesetzgebers." Es gebe aus Sicht der Aufsichtsbehörde deshalb keinen Grund, warum das Kernkraftwerk Leibstadt seinen Betrieb nicht wieder aufnehmen könne.

Die Betreiber des Kernkraftwerks hatten Ende 2016 beim Ensi einen Freigabeantrag eingereicht. Diesem hat das Ensi nun entsprochen. 

Atomkraftgegner forderten im Gegensatz dazu am Donnerstagnachmittag vor dem Ensi in Brugg die Abschaltung von Beznau und Leibstadt.

Atomkraftgegner forderten im Gegensatz dazu am Donnerstagnachmittag vor dem Ensi in Brugg die Abschaltung von Beznau und Leibstadt.

Sie übergaben dazu eine Petition mit 16'244 Unterschriften.

Ursache wurde gefunden

Das Kernkraftwerk hat an über 200 Brennelementen "ein umfangreiches und systematisches Inspektionsprogramm" durchgeführt. «Die Ursachenforschung zeigt ein klares und plausibles Muster bei den relevanten Einflussgrössen», erklärt Ralph Schulz vom Ensi. Das Kernkraftwerk habe darauf reagiert und Massnahmen ableiten können, die ein erneutes Auftreten eines Dryouts verhindern sollen. Konkret heisst dies: "Die Auslegung und der Betrieb des Reaktorkerns sind nun so gestaltet, dass die Bedingungen, die in den letzten Zyklen zu lokalen Dryoutbefunden geführt haben, nicht mehr auftreten."

Das Ensi hat den Befund und Massnahmen für gut befunden. Zum selben Schluss sind auch die Experten des Paul Scherrer Instituts PSI und der Sten Lundberg Consulting SLC gekommen, die das Ensi zu Rate gezogen hat.

Zusätzliche Überwachung

Es seien auch zusätzliche Überwachungs- und Sicherheitsmassnahmen angeordnet worden, teilte das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) auf seiner Website mit. Ein sicherer Betrieb ohne Gefährdung von Mensch und Umwelt sei gewährleistet.

Um kritische Siedezustände (Dryouts) künftig zu verhindern, ordnete das ENSI eine Leistungabsenkung an. Die thermische Leistung des Reaktors in Leibstadt werde zu Beginn des Betriebszyklus bei maximal 95 Prozent liegen und bis zum Zyklusende Mitte September auf rund 88 Prozent sinken.

Auflagen an die Betreiber

Die Betriebsbewilligung wurde unter der Auflage erteilt, dass das Kernkraftwerk sofort abgestellt werden muss, wenn die Radioaktivität bei den Abgasen steigen sollte. Diese würden auf einen Brennstabschaden hinweisen, und zwar unabhängig davon, was die Ursache ist.

Alle Brennelemente, die im Kern sind, müssten gemäss Ensi dann auf Dichtheit überprüft werden. Normalerweise werde ein KKW wegen der geringfügigen sicherheitstechnischen Bedeutung nicht wegen eines Brennstabschadens abgefahren. 

Keine Gefahr

Das Ensi werde sich darüber hinaus regelmässig vom Kernkraftwerk Leibstadt über weitere Fortschritte bei der Detailanalyse der beteiligten physikalischen Mechanismen berichten lassen. Weiter werde das KKL in der nächsten Jahresrevision wieder eine erweiterte Inspektion der Brennelemente durchführen.

Das Ensi betont, dass Mensch und Umwelt in den letzten Monaten nie in Gefahr waren. 

Irritation

Erst heute Morgen hatte es Irritationen um das Kernkraftwerk gegeben, genauer um den Dampf, der aus dem Kühlturm aufstieg. Wenn das AKW Leibstadt nicht am Netz ist, kann nämlich trotzdem Dampf aufsteigen, wie die Betreiber auf Anfrage erklärten.

Das AKW Leibstadt werde "in den nächsten Tagen" nach erfolgreicher Durchführung aller Sicherheitstests den Leistungsbetrieb wieder aufnehmen, teilte die Kernkraftwerk Leibstadt AG mit.