Gemeindefinanzen
Das Glück von Attelwil währt nur kurz

Die Attelwiler haben nach Oberwil-Lieli am meisten Vermögen auf der hohen Kante. Aber nicht mehr lange.

Mathias Küng
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Roger Lehner: «Attelwil ist nicht mit Oberwil-Lieli vergleichbar.» Chris Iseli

Roger Lehner: «Attelwil ist nicht mit Oberwil-Lieli vergleichbar.» Chris Iseli

Chris Iseli

Im Finanzvergleich der Aargauer Gemeinden ist und bleibt der Vermögenskrösus Oberwil-Lieli im Bezirk Bremgarten. Die Situation dieser Gemeinde wurde an dieser Stelle schon mehrfach dargelegt. Diesmal konzentrieren wir uns auf die zweitplatzierte Gemeinde. Die ist hochinteressant.

Es ist Attelwil im Bezirk Zofingen, dem einzigen Aargauer Bezirk, dessen Gemeinden unter dem Strich mehr Schulden als Vermögen haben. Attelwil sticht da mit einem Vermögen von 10 579 Franken pro Kopf der Bevölkerung umso mehr heraus. Die Gemeinde wurde eben erst in der Diskussion über den neuen Finanzausgleich bekannt, da sie davon am stärksten negativ betroffen ist.

Die aktuelle Finanzlage sei gut, bestätigt Gemeindeammann Roger Lehner die Zahlen der Gemeindestatistik. Zu verdanken sei dies dem Umstand, dass man keine grossen Sozialfälle habe, jüngst relativ wenig investieren musste, keine abgelegenen Weiler habe, die infrastrukturell angebunden werden müssen, und bisher vom Finanzausgleich profitierte, sagt Lehner. Die Einwohner- und die Ortsbürgergemeinde seien gut aufgestellt, so Lehner.

Mit Oberwil-Lieli sei die Situation gleichwohl nicht vergleichbar, habe man doch nicht Millionäre im Dorf wie die reiche Mutschellengemeinde. Zudem werde die gute Vermögenslage durch die unterdurchschnittliche Steuerkraft in Attelwil stark relativiert. Mit etwa 1800 Franken pro Einwohner ist die Steuerkraft in Attelwil nämlich unterdurchschnittlich. Zum Vergleich: Im Aargau beträgt sie durchschnittlich 2605 Franken.

Vermögen wird schwinden

Doch wie geht es jetzt weiter? Schliesslich verliert Attelwil mit dem neuen Finanzausgleich ab 2018 massiv Geld. Man gehe jetzt die Finanzplanung für 2018 an und sei auch in Diskussion mit der Nachbargemeinde Reitnau für ein Fusionsprojekt. Lehner: «Wir sind zwei kleine Gemeinden und wären selbst trotz allfälliger Fusion vermutlich von Ergänzungsleistungen des Kantons abhängig.» Denn so oder anders werde man den Steuerfussdeckel (keine Gemeinde soll mehr als 25 Prozent über dem durchschnittlichen Steuerfuss sein) erreichen, und das Vermögen werde langsam schwinden, sagt der Gemeindeammann.

Wie den Schock abfedern?

Während vier Jahren werde es allerdings noch Übergangsbeiträge geben. Jetzt diskutiere man mögliche Optionen: Soll man den Steuerfuss gestaffelt anheben oder 2018 noch bei 98 Prozent belassen und dafür später umso stärker hinaufgehen? Soll man erst das Vermögen aufzehren oder absenken, um den Schock des neuen Finanzausgleichs abzufedern? Solche Fragen diskutiert man derzeit in Attelwil. Etwas ganz Neues wäre ein hoher Steuerfuss für die Gemeinde nicht, so Lehner. Früher habe man schon einmal einen Steuerfuss von 121 gehabt, konnte den dann aber stark senken. «Jetzt kehren wir zu diesen früheren Zeiten zurück», seufzt Lehner.