Logistik
Cargo Sous Terrain macht vorwärts: Planungsphase beginnt ein Jahr früher

Ein Komitee aus Politik und Wirtschaft unterstützt das unterirdische Logistikprojekt und Investoren wollen bereits jetzt Geld zur Verfügung stellen.

Jocelyn Daloz
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Eine Rohrpost für Güter soll bis 2045 entstehen.

Eine Rohrpost für Güter soll bis 2045 entstehen.

Zur Verfügung gestellt

Ware mit autonomen Fahrzeugen unterirdisch von Basel nach Luzern, von St.Gallen nach Genf befördern: Das Projekt einer «Rohrpost für Güter» nimmt immer konkretere Züge an.

Um ein Jahr vorgeschoben

Das Unternehmen Cargo Sous Terrain hat heute bekannt gegeben, dass die Baubewilligungsphase bereits 2021 startet und nicht erst 2022, wie ursprünglich geplant.

«Wir wollen sicher gehen, dass wir den Zeitplan einhalten können», erklärt Verwaltungsratspräsident Peter Sutterlüti. Denn bereits 2026 soll der Spatenstich für die Teilstrecke zwischen Härkingen/Niederbipp und Zürich erfolgen, ab 2031 sollen erste Fahrzeuge die zwei Logistikzentren verbinden. Der Rest des Netzwerkes soll 2045 fertiggestellt werden.

Nicht erst auf das Gesetz warten

Ausschlaggebend für das Vorpreschen sei der Rückenwind der Politik und von Investoren, den das Unternehmen verspürt: Im Herbst veröffentlichte der Bundesrat einen Gesetzesentwurf, der vom Parlament verfeinert und im Verlauf des nächsten Jahres beraten werden soll. Auf dieses Vertrauensvotum der Regierung hatte Sutterlüti gewartet:

Das Dossier hat sich beim UVEK mit der Übergabe des Departements an Frau Sommaruga etwas verlangsamt. Nun spüren wir aber eine stärkere Unterstützung des Departements.
Peter Sutterlüti, Verwaltungsratspräsident von Cargo Sous Terrain

Peter Sutterlüti, Verwaltungsratspräsident von Cargo Sous Terrain

Zur Verfügung gestellt

Darüber hinaus bekennt sich seit heute ein Komitee zum Projekt; dort dabei sind Politiker aus verschiedenen Parteien wie etwa der Nidwaldner Ständerat Hans Wicki (FDP), die Basler Nationalrätin Katja Christ (glp) oder Waadtländer Nationalrat Roger Nordmann (SP).

Investoren schütten jetzt schon Geld aus

Diese Unterstützung hat gemäss Medienmitteilung neue und bestehende Investoren dazu bewogen, die nötigen Mittel für die Baubewilligungsphase bereits jetzt bereitzustellen. 100 Millionen Franken sollen ab nächstes Jahr für die Planungsphase eingesetzt werden.

Was ist die Baubewilligungsphase?

Die Planungsphase wird Hand in Hand mit dem Bund und Kanton voranschreiten; denn das Vorhaben ist gigantisch: Bis 2050 soll ein 500-Kilometer-Tunnelsystem die grossen Logistikzentren des Mittellands verbinden, vom Boden- bis zum Genfersee, mit Abstechern nach Thun, Luzern, Basel.

  • Die Güter werden in «Hubs» an strategischen Logistikzentren eingeladen und mit Stromkraft befördert. «Dafür braucht es eine komplexe Planung zum Erarbeiten der Spezifikationen: Wo die Tunnels durchgehen, wo diese Hubs genau sein werden», erklärt Sutterlüti.
  • Die Hubs müssen ausserdem standortspezifisch konzipiert werden, je nach Begebenheit und Verkehrsvolumen.
  • Die Planungsphase reicht bis hin zum Design der Fahrzeuge und dem Bestimmen der Tunneldurchmesser. «Unsere Ingenieure und Geologen werden diese Fragen ausarbeiten», sagt Sutterlüti.
  • Parallel dazu muss das Projekt in kantonale Richtpläne eingebettet werden und auf Gemeindeebene müssen dann Baubewilligungen eingereicht werden.

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Mögliche Hürde: Kantonale Richtpläne und Bewilligungen

«Wir hoffen darauf, dass das Bundesgesetz bezüglich kantonalen Richtpläne verfeinert wird», sagt der Verwaltungsratspräsident. Denn für die erste Teilstrecke müssen die Kantone Solothurn, Aargau und Zürich ihre Pläne anpassen. «Das Gesetz soll den Kantonen einen klaren Auftrag geben, dies zu tun, damit es nicht zu Verzögerungen kommt», ruft Sutterlüti auf.

Zu Verzögerungen könnte es auch kommen, wenn auf kommunaler Ebene Einsprachen wegen dem möglichen verursachten Mehrverkehr erhoben werden. «Wir haben diese Verfahren mit einbezogen und rechnen damit, dass die viereinhalb Jahre vor dem Spatenstich ausreichen werden», bekräftigt Sutterlüti weiter.

Wie soll Cargo Sous Terrain funktionieren?

Die Logistikrevolution in den Städten?

Der letzte Aspekt dieser Planungsphase betrifft die «Citylogistik»: Das Projekt, in urbanen Ballungszentren die Verteilung von Waren besser zu steuern und zu bündeln. «Es sollen stets volle Fahrzeuge statt halbleere fahren» ist das Motto. Dies soll durch eine vertiefte Digitalisierung der Logistikbranche und der Zusammenarbeit unter den Logistikern ermöglicht werden. Die erste Testphase wird in Zürich beginnen.