Aargauer Gewerbeverbands-Präsident
Benjamin Giezendanner: «Wenn ich daran denke, wie viel das kosten wird, wird mir übel»

Die Läden bleiben bis Ende Februar zu, das gilt zudem ab jetzt für die ganze Schweiz. Gleichzeitig wurde der Zugang zu den Hilfsgeldern vereinfacht. Das sei immerhin etwas, sagt Gewerbeverbandspräsident Benjamin Giezendanner. Der Entscheid sei trotzdem falsch.

Raphael Karpf
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Präsident des Gewerbeverbands Aargau Benjamin Giezendanner.

Präsident des Gewerbeverbands Aargau Benjamin Giezendanner.

Chris Iseli

Wie ist Ihre erste Reaktion auf die neuen Massnahmen des Bundes?

Insgesamt negativ. Unser Ziel war es, dass die Läden wieder öffnen und Geld verdienen können. Jeden Tag, den die Läden geschlossen haben, verlieren sie Geld. Selbst mit Kurzarbeit müssen immer noch die vollen Sozialversicherungen bezahlt werden. Je länger die Schliessung dauert, desto stärker wird sich jeder Gewerbler überlegen, ob er nicht Personal abbaut. Das wird enorme Konsequenzen auf den Arbeitsmarkt haben.

Gleichzeitig wurde die Unterstützung verstärkt. Geld bekommt, wer 40 Tage zumachen musste, egal wie viel Umsatzverlust er hatte. Und auch die zu Verfügung stehenden Mittel werden erhöht.

Das lindert den Schmerz etwas. Die Gewerbler im Aargau haben schon 30 Tage gelitten. Dadurch werden nun viel mehr Menschen Anspruch auf Unterstützung haben. Und auch, dass neu 20 Prozent des Umsatzes à fonds perdu ausbezahlt werden, ist zu befürworten. Mit diesem Betrag sind wir sicher etwas näher bei der Realität. Ob das reichen wird, wird sich zeigen.

Härtefall-Gesuche wurden im Kanton schon gestellt, auf das Geld warten aber viele noch. Bis wann muss es fliessen?

Die Geschwindigkeit, in der Gesuche bearbeitet werden, sehe ich kritisch. Gehen wir davon aus, dass jetzt um die 6000 Gesuche auf den Kanton zukommen: Da sehe ich keine Chance, wie die mit den aktuellen Strukturen schnell bearbeitet werden können. Hier muss der neue Volkswirtschaftsdirektor Dieter Egli einen Schnellstart hinlegen. Das Geld muss jetzt schnell fliessen.

Läden müssen jetzt in der ganzen Schweiz schliessen und nicht nur im Aargau. Hilft oder schadet das dem Aargau?

Der Entscheid, Läden zu schliessen, ist falsch. In den Läden passieren kaum Ansteckungen. Aber auch wenn der Entscheid falsch ist, so gilt jetzt immerhin für alle dasselbe. Alles zuvor war eine drakonische Strafe fürs Aargauer Gewerbe. Aber noch aus einem anderen Grund sollten die Läden schnellstmöglich wieder öffnen: All die Massnahmen, egal ob Kurzarbeit oder Härtefall-Gelder, kosten extrem viel Geld, Wenn ich daran denke, wie viel, wird mir übel. Wir werden lange brauchen, um dieses Geld zurückzuzahlen.