Wie sicher ist das Jugendheim Aarburg? Schon wieder sind drei Jugendliche aus der geschlossenen Abteilung der Einrichtung getürmt – einer der Ausreisser bereits zum dritten Mal.

Einer, der es wissen muss, ist Marco Lavada. Er war als Jugendlicher selbst im Jugendheim auf der Festung untergebracht. Dass einige Bewohner erneut abgehauen sind, erstaunt ihn nicht im geringsten. «Im Gegenteil», sagt er gegenüber Tele M1. «Es gibt so viele Fluchtwege. Nach einer Weile kennt man sie alle.»

Vor zehn Jahren kam der heute 26-Jährige ins Jugendheim und verbrachte dort zwei Jahre. Heute hat er seinen Weg gefunden und betreibt erfolgreich eine eigene T-Shirt-Druckerei.

Erfahrener Ausbrecher

Auch Lavada unternahm zu seiner Zeit mehrere erfolgreiche Fluchtversuche. Einmal seilte er sich aus dem Küchenfenster ab, bei anderer Gelegenheit überwältigte er gemeinsam mit anderen Bewohnern eine Betreuerin. «Wir hatten keinen Zugang zum Pausenraum», schildert er. Unter einem Vorwand lockten die Jugendlichen die Betreuerin nach unten und brachten sie in ihre Gewalt. «Wir sagten zu ihr: 'Wir gehen jetzt. Besser, du wehrst dich nicht!'. Dann sind wir abgehauen.» 

Die drei Jugendlichen, die am Montag ausgebrochen sind, benutzten eine ähnliche Masche. Sie überwältigten ihre Betreuer und sperrten sie in die Toilette ein. 

«Kein Ferienlager»

Für die frischgewählte Aarburger SVP-Grossrätin Martina Bircher sind die wiederholten Ausbrüche ein Ärgernis. «Das ist ein Heim für schwer erziehbare Jugendliche und kein Ferienlager», betont Bircher. Der Kanton sei verpflichtet, die Sicherheit zu gewährleisten.

Heimdirektor Hans Peter Neuenschwander erkennt hingegen keine gravierenden Sicherheitsmängel in seiner Institution. «Wir versuchen solche Ereignisse mit allen Mitteln zu verhindern», versichert Neuenschwander. Aber man sei schliesslich kein Hochsicherheitsgefängnis. Das Sicherheitskonzept werde jedes Jahr überprüft. «Aus solchen Ereignissen lernen wir hinzu», so der Jugendheimdirektor.