Anklage
Anwalt Padrutt: «Den Verfahren sehe ich mit Gelassenheit entgegen»

Die Aargauer Staatsanwaltschaft hat gegen den 55-jährigen Rechtsanwalt Roland Padrutt Anklage erhoben. Sie wirft ihm vor, Gelder seiner Kunden veruntreut zu haben. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Freiheitsstrafe von 4 Jahren.

Adrian Hunziker
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Villa Malaga, an der Schützenmattstrasse 7 in Lenzburg. Hier befindet sich das Büro des angeklagten Anwalts Padrutt. Chris Iseli

Villa Malaga, an der Schützenmattstrasse 7 in Lenzburg. Hier befindet sich das Büro des angeklagten Anwalts Padrutt. Chris Iseli

Die Aargauer Staatsanwaltschaft klagt einen 55-jährigen Schweizer wegen mehrfacher qualifizierter Veruntreuung, mehrfacher qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung, Urkundenfälschung und Geldwäscherei an, wie sie am Freitag mitteilte.

Auf Anfrage der Aargauer Zeitung sagt Elisabeth Strebel, Sprecherin der Aargauer Staatsanwaltschaft: «Ich kann bestätigen, dass es sich bei dem Angeklagten um Rechtsanwalt Roland Padrutt handelt.»

Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, in seiner Funktion als Willensvollstrecker und Liegenschaftsverwalter die ihm anvertrauten Gelder für eigene Zwecke verwendet zu haben.

Im Laufe der umfangreichen Untersuchungen haben sich rund 30 Parteien als Privatkläger am Verfahren beteiligt (siehe Kasten).

Die Gesamtdeliktsumme beträgt 1,5 Millionen Franken. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Freiheitsstrafe von vier Jahren. Bis zu einer allfälligen rechtskräftigen Verurteilung gilt für den angeklagten Anwalt die Unschuldsvermutung.

Padrutt war zum Zeitpunkt des Tatgeschehens im Kanton Aargau als Anwalt, Treuhänder und Liegenschaftsverwalter tätig.

Eingeleitet wurde das Strafverfahren gestützt auf eine Anzeige, die Ende 2010 eingereicht wurde. Die Anklage ist am Bezirksgericht Lenzburg hängig.

Fall Padrutt

Ein einziger Prozess: Die rund 30 Parteien fordern von Padrutt Schadenersatz. Sie müssen ihre Zivilforderungen bis zu Beginn der Hauptverhandlung beim Bezirksgericht Lenzburg eingegeben haben. Das Gericht entscheidet dann sowohl über das Strafmass gegen Padrutt wie auch über die Zivilforderungen. Es handelt sich hier um einen Adhäsionsprozess. Dabei werden straf- und zivilrechtliche Forderungen in einem Verfahren abgehandelt. (ahu)

Untersuchungshaft abgelehnt

Zu Beginn der Untersuchungen befand sich Padrutt in Haft. «Die Staatsanwaltschaft beantragte für ihn Untersuchungshaft. Der Antrag wurde vom Zwangsmassnahmegericht aber nicht bewilligt», sagt Strebel.

Im Nachhinein sei dies aber unnötig gewesen. Padrutt sei zu jeder Einvernahme erschienen und habe jeweils kooperiert, bestätigt Strebel.

Padrutt war erstaunt über Anklageerhebung

Padrutt nahm zur Anklage am Freitagabend auf Anfrage der Aargauer Zeitung per Mail Stellung. Die Anklageschrift liege ihm noch nicht vor, deshalb könne er keine konkreten Fragen beantworten, schrieb Padrutt. Ohnehin habe er erst «über die Presse» von der Klage erfahren.

Padrutt zeigt sich in seinem Mail erstaunt über die Anklageerhebung. Ihm sei «weder umfassende Akteneinsicht gewährt worden, noch sind die entsprechenden Fristen für die Beweismittelergänzung abgewartet worden».

Padrutt kündigt zudem an, am Montag gegen die zuständige Staatsanwältin eine Aufsichtsbeschwerde einzureichen - «verbunden mit einer umfassenden Strafanzeige wegen Amtsmissbrauch, Amtspflichtverletzungen, Amtsgeheimnisverletzungen etc.».

Ausserdem schreibt Padrutt: «Den weiteren Verfahren sehen mein Anwalt und ich mit grösster Gelassenheit entgegen.»

Padrutts Anwalt Wilhelm Boner schreibt auf Anfrage, er könne keine Aussage zur Anklage machen, weil ihm diese noch nicht vorliege.

Beim Aargauischen Anwaltsverband hiess es gestern, Padrutt habe seinen Austritt aus dem Anwaltsverband gegeben und sich aus dem Anwaltsregister löschen lassen.

Somit könne er zwar seinen Beruf noch ausüben, dürfe aber nicht mehr vor Gericht als Anwalt auftreten. Damit habe sich auch das Thema eines vorsorglichen Berufsverbots erledigt.

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