Ecopop-Streit
Andreas Thommen wirft Grünen «stalinistische Parteidiktatur» vor

Nach dem deutlichen Nein der Schweizer Bevölkerung zur Ecopop-Initiative wollen die Jungen Grünen Ecopop-Kämpfer Andreas Thommen nicht mehr in der Partei haben. Nun geht das Hickhack in die nächste Runde.

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Andreas Thommen

Andreas Thommen

Keystone

Nach dem Abstimmungssonntag forderte die kantonale Jungpartei, die «Rolle von Ecopop-Befürwortern innerhalb der Grünen verstärkt zu diskutieren» – und damit quasi den Rauswurf von Andreas Thommen, der Ecopop-Geschäftsführer und Mitglied der Grünen ist.

Jetzt schlägt der Mann, der Ecopop ein Gesicht gab, zurück. «Die Sache nimmt wirklich Formen einer Parteidiktatur an», sagt Thommen, früher selber Co-Präsident der Grünen Aargau. «Der Parteiausschluss wäre dann noch die logische, stalinistische Konsequenz.»

Thommen und seine Ecopop-Gefährten wurden schon vor der Abstimmung in die rechte Ecke gestellt und unter anderem als «Birkenstock-Rassisten» bezeichnet. Dass dies auch viele «Parteifreunde» tun, schmerzt den Gemeindeammann aus Effingen besonders.

Andreas Thommen über das Nein zu Ecopop:

Keine Abgrenzung mehr zur SP

«Die Grünen haben ein linkes Brett vor dem Kopf und argumentieren rein ideologisch», kritisiert Thommen. «Mit dem Kampf gegen Ecopop haben sie sich definitiv als Melonengrüne geoutet.» Das sei wahlstrategisch völlig falsch und lasse keine Abgrenzung mehr zur SP zu. Weiter nennt Thommen seine Parteikollegen «nützliche Idioten und Wasserträger eines Systems, das nur die Maxime des Wachstums auf Kosten der Umwelt kenne».

Itamar Piller, Präsident der Jungen Grünen, der die Diskussion um Thommens Rauswurf angestossen hat, sagte schon Anfang Woche dazu: «Es braucht in der Partei eine gewisse Vereinheitlichung, Auswüchse wie Ecopop schaden den Grünen sehr.» Zu den jetzigen Vorwürfen Thommens sagt Piller: «Die Ecopop-Vorlage hatte nichts mit echtem Umweltschutz zu tun, sie ist menschenfeindlich. Thommen und Co. haben sich zu sehr auf Ausländer konzentriert und bessere Massnahmen ignoriert.»

Das Tuch zwischen den Grünen und Thommen scheint zerschnitten. Zwar will der Ecopop-Initiant der Partei nicht freiwillig den Rücken kehren. Aber er konzentriert sich vorläufig auf die Lokalpolitik in Effingen. (roc)

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