Gastronomie

Aargauer Wirte-Präsident: «Lasst uns nicht hängen»

Bruno Lustenberger

Bruno Lustenberger

Seit Mitternacht steht die Gastronomie im Kanton Aargau und dem Rest der Schweiz weitgehend still. 1200 Betriebe mussten bis zum 19. April ihre Tore schliessen. Für Gastro-Aargau-Präsident Bruno Lustenberger ist klar: Die Wirte können das Problem nicht selber lösen.

Um Mitternacht war Schluss. Dann mussten die rund 1200 Gastronomie-Betriebe im Kanton schliessen – mindestens bis zum 19 April. Rund 200 bis 300 Millionen Franken Umsatz wird den Restaurants und Bars in dieser Zeit entgehen, schätzt Bruno Lustenberger, Präsident vom Verband Gastro Aargau. Ohne finanzielle Unterstützung würde das für 10 bis 20 Prozent aller Beizen das Ende bedeuten, befürchtet er.

Manche Wirte versuchen sich in Selbsthilfe. Sie haben einen Take-away oder Lieferdienst eingeführt. Beides wird weiterhin erlaubt sein. So zum Beispiel der Aarauer Gasthof zum Schützen. Über 100 Mahlzeiten würden mittlerweile täglich abgeholt werden, sagt Wirt Peter Schneider. Er überlegt sich, das Angebot noch weiter auszubauen. Etwa ältere Menschen mit Mahlzeiten zu beliefern. Doch all diese Massnahmen werden nicht reichen. «Wir machen damit wenige Prozent von unserem normalen Umsatz», sagt Schneider. Immerhin etwas, meint er. Trotzdem: Für sämtliche Mitarbeiter musste er Kurzarbeit beantragen.

Auch Gastro-Aargau-Präsident Bruno Lustenberger sieht in der Einführung von noch mehr Lieferdiensten nicht unbedingt die Lösung: Das müsse jeder selber entscheiden, doch gerade in den Städten sei dieser Markt bereits jetzt gut besetzt. Da wäre es für die Betriebe möglicherweise günstiger, direkt Kurzarbeit anzumelden.

Für Lustenberger ist klar: Die Wirte können das Problem nicht selber lösen. «Es braucht jetzt schnell finanzielle Unterstützung.» Der Kanton hat erste Schritte eingeleitet, nämlich den Zugang zu Kurzarbeit vereinfacht. Ein wichtiger Schritt, findet Lustenberger. Doch das reiche noch nicht. Geschäftsführer von Betrieben dürfen für sich selber keine Kurzarbeit beantragen – auch im Gastrogewerbe nicht. Und viele Beizen im Kanton sind Kleinbetriebe, geführt etwa von einem Wirtepaar, das noch ein oder zwei Angestellte beschäftigt. Diesen würden die aktuellen Bestimmungen nicht helfen. «Auch die Wirte sollen Kurzarbeit anmelden dürfen», fordert deshalb Lustenberger.

Um sämtliche Beizen am Leben zu erhalten, wird es darüber hinaus wohl auch noch direkte finanzielle Unterstützung brauchen. Entsprechende Gespräche mit dem Kanton sind im Gange. Schliesslich hofft Lustenberger auch auf die Unterstützung der Bevölkerung: «Lasst uns nicht hängen.» Wichtig sei, dass die Menschen nach der Zwangspause die Restaurants unterstützten, indem sie etwa abgesagte Bankette – für GVs oder Hochzeiten – nachholen würden. «Denn wenn der Konsum danach nicht wieder zunimmt, dann wird es schwierig.»

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