Swiss Startup Challenge
Aargauer Start-Up startet mit Glühweinmix durch: «Es war nie unsere Ambition, von dieser Idee leben zu können»

10'000 Franken Preisgeld und keine Zeit zum Feiern: Die Gewinner der Swiss Startup Challenge träumen vom Glühwein-Export.

Sébastian Lavoyer
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Aurel Hess, Vivienne Widmer und Mirko Hess sind die Gewinner der Swiss Startup Challenge 2019.
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Die drei Jungunternehmer entwickelten Glühweinrezepturen mit Gewürzen aus Indonesien.
Vivienne Widmer und Mirko Hess im Chalet in Brugg.
Aargauer Startup startet mit Glühwein durch

Aurel Hess, Vivienne Widmer und Mirko Hess sind die Gewinner der Swiss Startup Challenge 2019.

Michael Würtenberg

Diese Worte überraschen, umso mehr, weil sie aus dem Mund eines preisgekrönten Jungunternehmers kommen: «Es war nie unsere Ambition, von dieser Idee leben zu können.» Der Mann, der das sagt, ist Mirko Hess. Die Idee, von der er spricht, hat vor knapp zwei Wochen die Swiss Startup Challenge für sich entschieden und damit 10'000 Franken Preisgeld abgeräumt. In ihrer Einfachheit ist die Idee bestechend: Glühweinwerk verkauft Fertigmischungen für Glühwein. Dabei kombinieren sie Fairtrade (Direktimport) mit sozialem Engagement (Verpackung und Versand in der Stiftung Faro in Windisch) und treffen damit den Nerv der Zeit.

Drei Liter Wein ankochen, eine der drei Mischungen beigeben und fertig ist der selbstgemachte Glühwein. Die Zutaten findet man bei jedem einigermassen sortierten Detailhändler. «Was wir machen, ist keine Hexerei», sagt Mirko. Und sein Bruder nebenan schmunzelt. Wir sitzen im warmen improvisierten Chalet bei der Eisbahn neben der Fachhochschule Nordwestschweiz in Brugg-Windisch. Draussen giesst es aus Kübeln. Die Idee hatte Mirko vor zwei Jahren im Pool seines Grossonkels. Letzterer lebt schon seit über 20 Jahren in Indonesien. Man kam auf die Gewürze zu sprechen, den schlechten Glühwein. So hat es angefangen.

Unterdessen sind sie zu dritt, Vivienne Widmer ist kurz nach der Gründung zum Brüder-Team gestossen. Während sich Mirko um das Wirtschaftliche kümmert und Aurel das Erscheinungsbild prägte, lässt Vivienne die Welt wissen, wer sie sind. Öffentlichkeitsarbeit, soziale Medien – das ist ihr Reich. Sie war es denn auch, die auf die Startup Challenge (siehe Box) aufmerksam wurde.

Das Habsburger Start-up "gluehweinwerk.ch" will mit Premium-Glühwein-Mischungen durchstarten
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Mirko und Aurel Hess (v.l) mit den Gewürzlieferanten Valina (erste von rechts) und Gede (m.), die im Bergdorf Bedugul (Bali) ein Gewürzgeschäft in Familienbesitz führen. Peter (zweiter von rechts) ist der Grossonkel der Brüder Hess und wohnt seit 25 Jahren in Bali und funktioniert für das gluehweinwerk.ch als Intermediär in der Gewürzbeschaffung.
Erhältlich sind die Mischungen klassisch, intensiv und süsslich.
Das Habsburger Start-up "gluehweinwerk.ch" will mit Premium-Glühwein-Mischungen durchstarten.
Besuch einer Nelkenplantage in Munduk, Bali, Indonesien.
Eine Muskatnuss von einer Plantage in Munduk, Bali, Indonesien.
Aurel und Mirko Hess (v.r.) besuchen eine Zimtplantage in Lempur, Sumatra, Indonesien.
Mirko Hess bei einem Besuch auf einer Zimtplantage in Lempur, Sumatra, Indonesien.
Aurel und Mirko Hess (v.r.) besuchen eine Zimtplantage in Lempur, Sumatra, Indonesien.
Mirko Hess im Gespräch mit einem Arbeiter auf einer Nelkenplantage in Munduk, Bali, Indonesien.
 Aurel Hess bei einem Besuch auf einer Nelkenplantage in Munduk, Bali, Indonesien.

Das Habsburger Start-up "gluehweinwerk.ch" will mit Premium-Glühwein-Mischungen durchstarten

Sandra Ardizzone

Mit dem Absatz wachsen die Ambitionen

Im August reichten sie ein A4-Blatt ein, auf dem sie ihre Geschäftsidee skizzierten. Vier Monate, mehrere Workshops und Coachings später standen sie als Sieger fest. Noch steht die Feier aus. Zu gedrängt ist ihr Terminplan. Studium, Verkaufsaktionen, Startup Challenge und Glüh-Raves – es fehlte schlicht die Zeit.

Bis sie von ihren Glühweinmixen leben könnten, fehlt indes noch einiges. 2019 verkauften sie beachtliche 7000 Päckli (Preis zwischen 5.90 und 6.90 Franken). Das gibt höchstens einen kleinen Zustupf zum Studium. Doch die Erfahrungen, die sie auf diesem Weg sammeln, sind unbezahlbar. Der Ehrgeiz wenigstens ist geweckt. Sie wollen bekannter werden in der Schweiz. Und irgendwann Deutschland und Österreich erobern. Der Markt für Glühwein ist gar nicht so klein.

Swiss Startup Challenge

Der Start-up-Wettbewerb «Swiss Startup Challenge» wird von der Standortförderung Aargau und der Fachhochschule Nordwestschweiz organisiert. Den Hauptpreis von 10000 Franken sponsert die UBS (Gewinner: Glühweinwerk). SmartBreed (Zucht-
box für Heuschrecken; Platz 2; 3000 Franken) und Mycrobez (Plastikalternative aus Pilzen; Platz 3; 2000 Franken) komplettierten das Podest. Wer die erste von drei Runden überstand, konnte kostenlos an Kursen, Coachings und Netzwerk-Anlässen teilnehmen. (sel)

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