Corona-Massnahmen
Aargauer Gastro-Präsident: «Bis 19 Uhr offen bringt gar nichts, wir könnten ebenso gut um 14 Uhr schliessen»

Nun ist es definitiv. Restaurants müssen um sieben Uhr abends schliessen. Ein klein wenig ist der Bund der Gastro-Branche aber entgegengekommen. Das helfe indes nicht, sagt Bruno Lustenberger.

Raphael Karpf
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Bruno Lustenberger bei einer Medienkonferenz im Oktober 2020.

Bruno Lustenberger bei einer Medienkonferenz im Oktober 2020.

Michael Würtenberg

Um sieben Uhr abends müssen Sie schliessen. Wie ist Ihre erste Reaktion?

Bruno Lustenberger: Es ist schlimm. Vor allem die Dauer: Bis am 22. Januar 2021 gelten diese Massnahmen.

An Sonntagen können sie offenbleiben. Hilft das etwas?

Es gibt sicher Bereiche, in denen das hilft. Etwa Restaurants in Tourismusgebieten. Aber verallgemeinern kann man das nicht. Die Menschen feiern am 24. und 31. Dezember. Ob sie dann am 27. Dezember oder 3. Januar (das sind Sonntage, Anm. der Redaktion) auswärts essen gehen wollen? Ich weiss es nicht.

Auch die Hilfsgelder werden massiv aufgestockt. Hilft das der Gastro-Branche?

Das ist aktuell schwer zu beurteilen. Erste Gesuche wurden eingereicht. Ob das Geld auch später noch reichen wird, werden wir sehen. Die Auflagen, um überhaupt an das Geld zu kommen, sind aber viel zu hoch. Ein Restaurant muss 40 Prozent Umsatzeinbussen haben, um Unterstützung zu bekommen. Wir arbeiten mit Gewinnmargen von etwa vier Prozent. Hat ein Betrieb derart hohe Ausfälle, ist er bereits ruiniert. Dann hilft auch das Geld nichts mehr. Ausserdem muss man sehen: Wirte stellen zwar die Gesuche, der Kanton entscheidet dann aber, ob es Geld gibt, wie viel, und ob es à Fonds perdu Beiträge oder Kredite sind. Kredite bringen der Gastro-Branche nichts mehr. Wir werden das Geld nicht zurückzahlen können.

Jedes Restaurant muss aktuell ein eigenes Gesuch stellen. Braucht es eine Branchenlösung?

Unbedingt. Und die muss vom Bund kommen. Es braucht eine einfache, einheitliche Lösung. Denn man muss sehen: Es ist aktuell kompliziert, ein solches Gesuch zu stellen. Viele Dokumente müssen mit eingereicht werden. Manche Wirte sind damit überfordert und stellen allein schon aus diesem Grund kein Gesuch.

Kantone mit weniger Ansteckungen können die Öffnungszeiten bis 23 Uhr verlängern. Machen sie nun Druck auf den Kanton, dass er strengere Massnahmen einführt, damit sie möglichst schnell wieder bis 23 Uhr öffnen können?

Wir als Branche können da sowieso nur wenig beitragen. Das muss der Kanton entscheiden. Aber wo könnte er die Schraube noch anziehen? Egal, wo er es tut: Es wird für andere Branchen schwierig. Ausserdem muss man sehen: In der Westschweiz werden sie nun für ihre strengen Massnahmen belohnt. Aber auch dafür, dass sie in der Zwischensaison waren. Es waren sowieso nicht ganz so viele Menschen unterwegs. Restaurants können nun wieder Reservationen entgegennehmen. Aber: Wie sieht es in einer Woche aus? Jetzt beginnt die Hauptsaison. Stellen Sie sich vor, wie es bald in Zermatt aussehen wird. Es kann schnell gehen, die Zahlen steigen, und auch diese Kantone müssen wieder um sieben Uhr schliessen. Und die Restaurants sitzen dann auf ihren Reservationen. Es hilft sicher, länger offen zu halten. Aber es fehlt jegliche Sicherheit. Wir können überhaupt nicht planen. In Deutschland sind die Restaurants wochenlang zu. Auch das ist schlimm. Aber sie wissen zumindest, woran sie sind. Und sie werden unterstützt.

Dann wünschten sie sich, dass die Restaurants lieber ganz geschlossen würden, sie dafür stärker unterstützt würden?

Das wäre die fairere Lösung. Bis sieben Uhr offen zu halten, bringt gar nichts. Wir könnten ebenso gut um 14 Uhr schliessen. Restaurants haben aktuell nur noch etwa zu 50 Prozent der sonstigen Öffnungszeiten offen. Was hier komplett vergessen geht sind die Lehrlinge. Die muss man doch beschäftigen. Aber wie? Es geht schlicht nicht mehr. Seit Monaten versagt hier der Bund. Die Lehrlinge werden komplett vergessen.