Weihnachts-Sammelaktion
15 Schulhäuser und dankbare Schüler: Das passiert mit den Spenden in Ruanda

Dank der grosszügigen Unterstützung aus der Schweiz können neue Schulhäuser gebaut und Kinder mit Schulgeld unterstützt werden.

Regula Gloor*
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Tanzend und singend freuen sich die Kinder in Ruanda über das neue Schulhaus.

Tanzend und singend freuen sich die Kinder in Ruanda über das neue Schulhaus.

CH Media

Eine Schulhauseinweihung in Ruanda ist ein ganz spezielles Erlebnis. Es gibt dabei zwar auch Reden der Bezirksvorsteherin, der Schulleitung sowie der Elternvertreter – aber vor allem gibt es über 500 tanzende und singende Kinder, die so ihre Dankbarkeit und Freude über ihr neues Schulhaus ausdrücken. Die Lehrerlöhne werden in Ruanda vom Staat bezahlt, aber Bau und Unterhalt der Schulhäuser werden den lokalen Gemeinden überlassen. Deshalb bleibt der Bau eines neuen Schulhauses, auch wenn dieses dringend benötigt wird, häufig ein Wunschtraum, wenn nicht eine Hilfsorganisation wie die Stiftung Margrit Fuchs die Baukosten übernimmt.

Schulhäuser für 80'000 Franken

Die Stiftung konnte mittlerweile aus Legaten und freien Spenden über 15 Schulhäuser bauen. Das Vorgehen ist dabei meistens dasselbe: Die Gemeinde stellt dem Hilfswerk ein Gesuch um einen Schulhausbau, stellt den Bauplatz zur Verfügung und die lokale Bevölkerung rodet und planiert in Gemeinschaftsarbeit den Bauplatz. Danach kommt der Baumeister unseres Hilfswerks, Théogène, zum Einsatz. Meistens heuert er die gleiche kleine Equipe aus bewährten Handwerkern an, ergänzt durch 20 bis 30 Männer und Frauen, die er vor Ort für den Schulhausneubau rekrutiert.

Danach geht es für unsere Begriffe unheimlich schnell: In zwei bis drei Monaten werden das Fundament und der Fussboden gelegt, die Mauern hochgezogen, die Fenster und Türen eingesetzt und das Dach aufgesetzt. Während der Bauphase arbeiten 30 bis 40 Personen permanent auf der Baustelle unter dem strengen Blick von Théogène, der alles überwacht. Wenn es keine besonderen Vorkommnisse gibt, wie zum Beispiel sturzflutartige Regenfälle, dann steht das Schulhaus nach drei Monaten zum Bezug bereit.

Bis zu 600 Kinder im gleichen Schulhaus

Diese Schulhäuser sind einstöckige Gebäude, bestehend aus sechs grossen Klassenzimmern, einem Lehrerzimmer, einem Zimmer für die Schulleitung und den sanitären Einrichtungen. Wenn es in der Gegend keine Elektrizität gibt, so wird auf dem Dach eine kleine Solaranlage installiert, damit die Schule über Licht verfügt und die Räume auch am Abend benutzt werden können. Die Ausstattung der Klassenzimmer ist bescheiden: auf beiden Seiten zwei grosse Wandtafeln, für die Schüler und Lehrer Pulte und Bänke, die in unserer eigenen Schreinerei gezimmert wurden.

Die Schülerzahl pro Klasse beträgt zwischen 30 und 50 Buben und Mädchen. Da es in den meisten Gegenden zu wenig Schulen gibt, wird meistens zweischichtig unterrichtet: Die eine Hälfte geht am Morgen zur Schule, die andere Hälfte am Nachmittag. So dient ein neues Schulhaus häufig 500 bis 600 Kindern. Obwohl in Ruanda im Prinzip Schulpflicht herrscht, wird vielen Kindern erst durch den Bau eines nahe gelegenen Schulhauses der Besuch einer Schule ermöglicht. Vor allem für kleine und häufig unterernährte Kinder ist ein Schulweg von mehreren Kilometern und mit zum Teil steilen Aufstiegen auf die Hügel nicht zu bewältigen, deshalb bleiben sie häufig zu Hause.

Ein Schulhaus in der Nähe ermöglicht somit die Chance auf Bildung auch für diese Kinder. Die Kosten für die Errichtung eines Schulhauses inklusive Ausstattung liegen zwischen 75'000 und 80'000 Franken. Für die lokale Bevölkerung sind dies unerschwingliche Beträge. Somit ist die Dankbarkeit der Bevölkerung und der Behörden wie auch der Kinder für diese Hilfe aus der Schweiz ausgesprochen gross.

«Wie meine zweiten Eltern»

Dieselbe grosse Dankbarkeit herrscht bei jenen Schülern und Schülerinnen, die von der Stiftung mit Schulgeld unterstützt werden. Die Dankesbriefe der Kinder sind berührend und zeigen alle das gleiche Bild: Ohne Hilfe von aussen wäre ihnen der weiterführende Schulbesuch verwehrt und somit auch die Chance, einmal das Auskommen nicht nur in der Bewirtschaftung eines kleinen Stückes Land zu finden.

So schreibt Jean d’Amour: «Die Stiftung ist wie meine zweiten Eltern, weil sie gibt mir, was mir meine Eltern nicht geben können, das Schulgeld und das Schulmaterial. Ich bin so froh, dass ich keine Angst mehr haben muss, dass ich die Schule abbrechen muss, sondern dass die Stiftung bis zum Ende meiner Schulzeit für mich sorgen wird. Wenn alle reichen Leute für andere sorgen würden, wäre es eine bessere Welt.»

In den Kantinen erhalten die Kinder dreimal in der Woche eine Mahlzeit, werden aber auch mit Kleidern und anderem Nötigen ausgestattet und von freiwilligen Müttern betreut.
8 Bilder
Die Armut auf dem Land ist nach wie vor erschütternd. In solchen und ähnlichen Hütten leben viele Familien.
Armselig wie die völlig verrauchte Hütte ist auch dieses Bett, in welchem zwei Kinder jeweils schlafen.
Vom Hilfswerk betreute Waisenkinder.
Die Zahl der betreuten Waisen- und Strassenkinder wird nächstes Jahr von heute 750 auf 1500 verdoppelt.
Das Hilfswerk ermöglicht über 2000 Kindern dank der Schulgeldzahlung den Schulbesuch.
In Ateliers und Werkstätten können Jugendliche einen Beruf erlernen; im Bild angehende Schneiderinnen.
Kühe werden für die Verteilung an arme Familien angeliefert.

In den Kantinen erhalten die Kinder dreimal in der Woche eine Mahlzeit, werden aber auch mit Kleidern und anderem Nötigen ausgestattet und von freiwilligen Müttern betreut.

Regula Gloor

Oder Marie Rose: «Obwohl ich sehr gute Noten hatte, musste ich die Schule verlassen, da meine Mutter für das Schulgeld nicht aufkommen konnte. Es war wie ein Wunder, dass die Stiftung für mein Schulgeld aufkommt. Ich gebe mir jetzt noch mehr Mühe, um die Schule gut abzuschliessen, damit ich eine gute Stelle finde und dann auch anderen Kindern helfen kann, wie die Stiftung heute mir hilft.»

Oder Jeanne: «Ich bin der Stiftung so dankbar, dass sie mir meinen Traum von einer guten Ausbildung erfüllt. Ich würde deshalb auch gerne der Stiftung helfen, wenn sie meine Hilfe brauchen kann. Sie können mich Tag oder Nacht anrufen – ich komme sofort.»

Wir hoffen sehr, dass wir mit Hilfe der Spenderinnen und Spender dieser Weihnachtsaktion vielen Kindern in Ruanda den Traum von einer guten Ausbildung ermöglichen können.

*Regula Gloor ist Präsidentin des Stiftungsrates Hilfswerk Margrit Fuchs Ruanda.