Wildernde Hunde

Jagdaufseher besorgt über «Hunde-Tourismus»

Ein Hündeler mit seinen Vierbeinern.

Ein Hündeler mit seinen Vierbeinern.

Aargauer fliehen in das Limmattal, um ihren Hund frei laufen zu lassen. Dabei können die Hunde ins Visier von Jägern geraten.

«Die meisten Hundehalter haben ihre Tiere unter Kontrolle», sagt Jakob Bucher. «Doch die wenigen, bei denen dies nicht der Fall ist, bereiten uns immer wieder einmal Sorgen.»

Der Jagdaufseher der Jagdgesellschaft Birmensdorf weiss, wovon er spricht. Anfang Jahr wurden in der Region Birmensdorf innerhalb von wenigen Monaten ein Rehkitz und ein Rehbock von wildernden Hunden verbissen und arg zugerichtet. Ein verantwortlicher Hundebesitzer wurde zwar gefunden und von der Jagdgesellschaft Urdorf verzeigt. Doch seither ist in der Nähe gemäss Bucher wieder ein Reh gerissen worden.

Das Problem: Nicht immer können die fehlbaren Hundehalter ausfindig gemacht werden. «Wenn wir den betreffenden Hundehalter erwischen, wird er erstmals verwarnt», erklärt Bucher. «Wenn es wieder vorkommt, wird er verzeigt. In der Regel gibt das eine teure Sache.»

Dies bestätigt Adrian Leimgrübler, Statthalter des Bezirks Dietikon. Für ein gerissenes Reh müsse ein Hundehalter mit einer Busse zwischen 700 und 1000 Franken sowie mit Gebühren rechnen (siehe Kasten).

Ab und zu ein schwarzes Schaf

Jagdaufseher Bucher ist aufgefallen, dass die Möglichkeit, den Hund frei im Wald rennen zu lassen, von gewissen Haltern gesucht wird – und sie dafür eine Reise auf sich nehmen: «Viele Aargauer Hundehalter kommen mit dem Auto über die Kantonsgrenze zu uns, damit sie ihren Hund hier frei laufen lassen können.» Denn: Im Kanton Aargau gilt seit diesem Jahr für die Zeit vom 1.April bis 31.Juli im Wald und am Waldrand die Leinenpflicht.

Den «Hündeler-Tourismus» aus dem Aargau hat auch Martin Peter, Jagdaufseher der Jagdgesellschaften Oetwil und Weiningen/Geroldswil, bemerkt: «Das ist tatsächlich der Fall.» Einige der Aargauer Hundehalter sagten sogar deutlich, dass sie in den Kanton Zürich kämen, um ihren Hund ohne Leine laufen zu lassen. Für Peter kein Problem, solange sich die Hundehalter an die Regeln hielten. Doch dürfe man nicht vergessen, dass jeder Hund einen Jagdtrieb habe und aus nächster Nähe beaufsichtigt werden müsse. Da dies nicht immer geschehe, werde leider immer wieder mal ein Reh gerissen.

Auch in Urdorf kommt dies vor, aber «zum guten Glück nur selten», wie Jagdaufseher Urs Hilfiker sagt: «Ab und zu gibt es halt ein schwarzes Schaf unter den Hundehaltern.» Dass gewisse von etwas weiter her kommen, sehe man vor allem auf dem Parkplatz beim Reppischhof, so Hilfiker: «Dieser wird sehr stark von Hundehaltern frequentiert.»

Da man keine Leine vorschreiben könne, setzt Hilfiker auf Kommunikation: Wenn er Hundehalter bitte, sein Tier nicht streunen zu lassen, stosse er oft auf Verständnis. «Nur im Wiederholungsfall oder wenn jemand wirklich uneinsichtig ist, gibt es eine Verzeigung.» Anders sieht es aus, wenn ihn jemand auf einen fehlbaren Hundehalter aufmerksam macht und die Aussage vor der Polizei wiederholen würde. «Dann muss ich von Amtes wegen reagieren», so Hilfiker. Im Wiederholungsfall könne der Hund dem Veterinäramt gemeldet werden.

«Dann hat er den Trieb»

Wieso das ab und zu nötig ist, weiss Ruedi Vogel von der Jagdgesellschaft Heitersberg, zu der Bergdietikon gehört. «Wenn ein Hund einmal Wild gerissen hat, hat er nachher den Trieb», sagt er. Dieses Jahr habe man nur einen Vorfall registriert, doch im letzten Jahr seien es mindestens drei oder vier gewesen. Die Leinenpflicht zur Schonzeit findet Vogel eine gute Sache, doch die Kontrolle sei nicht so einfach. «Man will ja mit niemandem Krach», sagt er.

Dass es ab und zu doch zu Auseinandersetzungen kommt, musste Jagdaufseher Bucher erfahren. So sei ein Hinweisschild mit den Worten «Wildruhezone: Bitte nicht betreten» zuerst ganz entfernt und dann so überschrieben worden, dass es «Wildabschusszone: Bitte betreten» hiess. Nachdem er die Schmiererei entfernt habe, sei das Schild wieder verunstaltet worden. «Schade», sagt Bucher, «es sind halt nicht alle gleicher Meinung. Aber damit muss man leben.»

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