Gleichstellung
50 Jahre Frauenstimmrecht sind kein Grund zum Feiern: Das zeigt Arbeit Aargau in einer Strassenaktion

Am Montag ist internationaler Weltfrauentag. Zudem feiert die Schweiz 50 Jahre Frauenstimmrecht: Für die Arbeitnehmerorganisation ArbeitAargau kein Anlass, sich auf den Lorbeeren auszuruhen.

Zara Zatti
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Mehr Frauen in der Politik: Die Forderung prangert am Regierungsgebäude in Aarau.
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Gerade in der Finanzbranche würden Frauen im Schnitt 30 Prozent weniger verdienen als Männer.
Die Fassade der Credit Suisse in Wohlen ziert eine feministische Leuchtschrift.
Der Regen verwischte die Symbole auf dem Bus. Die Botschaft war dennoch klar.
Frauen im Gesundheitssystem sollen anständig entlöhnt werden, fordert der Verband.
«Systemrelevante Arbeit wird zu 80 Prozent von Frauen geleistet», sagt AarbeitAargau.

Mehr Frauen in der Politik: Die Forderung prangert am Regierungsgebäude in Aarau.

AarbeitAargau

Die zum Kampf geballte Hand – bekannt vom Frauenstreik – ziert das Regierungsgebäude in Aarau. Darüber prangert die Forderung: «Mehr Frauen in der Politik und in Führungspositionen.» Die nächtliche Projektion ist Teil einer Aktion von ArbeitAargau, dem Dachverband von 17 Arbeitnehmendenverbänden im Kanton. Auch an Filialen von UBS und Credit Suisse in Wohlen und an der Fassade vom Kantonsspital Baden wurden am Donnerstagabend Leuchtschriften projiziert.

Zusammen mit dem Team von Towerbus war ArbeitAargau am Donnerstag im Kanton für Gleichstellung unterwegs.

ArbeitAargau

Mit der Aktion will der Verband daran erinnern, dass auch nach 50 Jahren Frauenstimmrecht in der Schweiz noch nicht alles erreicht ist: «Wir haben in Sachen Gleichstellung noch wahnsinnig viel zu tun», sagt Selina Egger, Geschäftsführerin von ArbeitAargau. Der Verband sieht keinen Anlass, sich auf den Lorbeeren des Frauenstimmrechts auszuruhen und das Jubiläum zu feiern. Viel mehr will er aufzeigen, was in Arbeitswelt und Gesellschaft noch zu tun ist.

Frauenberufe werden schlechter bezahlt

«Wir fordern gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Leider ist es immer noch notwendig, das zu betonen», sagt Egger. Noch immer seien typische Frauenberufe schlecht bezahlt: «Das ist kein Zufall, sondern ein systemimmanentes Problem.» Gerade das vergangene Jahr habe gezeigt, dass Pflegerinnen systemrelevante Arbeit leisten, und diese würde zu 80 Prozent von Frauen geleistet. Mit der Aktion beim Kantonsspital Baden macht ArbeitAargau auf die Forderung nach höheren Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen im Gesundheitssystem aufmerksam.

Auch die anderen Standorte der Aktion sind symbolträchtig: Denn gerade in der Finanzbranche würden Frauen schlechtere Löhne bezahlt als Männern: 30 Prozent beträgt der Unterschied laut ArbeitAargau. Und auch in der Politik müsse sich noch einiges tun: Kritisiert wird etwa der rein männliche Aargauer Regierungsrat und der tiefe Frauenanteil im Kantonsparlament. Dieser beträgt aktuell gerade einmal 32 Prozent. «Wir müssen Frauen in der Politik stärker fördern. Zwar können Frauen seit 50 Jahren gewählt werden, aber sie werden es noch zu wenig.»