Es ist auch beim Tempo eine Frage des Tempos: Nachdem die Gemeinde Frick 2012 mit einer grossräumigen Tempo-30-Zone an der Urne deutlich Schiffbruch erlitten hatte, stellte sie das Vorgehen um. Eingeführt wird Tempo 30 seither dort, wo es ein Anliegen der Quartierbewohner ist. Dieses Vorgehen zeigt Wirkung: Inzwischen zählt die Gemeinde bereits sieben Tempo-30-Zonen, eine achte, jene am Frickberg, wird im nächsten Jahr umgesetzt.

Eine, die aufgrund der Vorgeschichte und der Lage unter besonderer Beobachtung steht, ist jene am Gänsacker und am Königsweg. Denn diese Strassen werden von Ortskundigen im Stossverkehr gerne als Umfahrung der dann jeweils verstopften Geissgasse benutzt. In diesem Rayon wehrte sich einst auch die Quartierbevölkerung gegen Tempo 30, schwenkte später allerdings um – unter der Bedingung, dass die sieben Baumbuchten, die den Verkehr beruhigen sollten und bisweilen das Gegenteil bewirkten, wegkommen.

Sie kamen weg – und Tempo 30 kam. Das war vor gut eineinhalb Jahren. Auf bauliche Massnahmen zur Verkehrsberuhigung verzichtete der Gemeinderat damals explizit – unter dem Vorbehalt, dass die Nachmessung nach gut einem Jahr keine massiven Geschwindigkeitsexzesse ergebe. Denn der Kanton schreibt vor, dass in einer Tempo-30-Zone eine Geschwindigkeit von 38 km/h von 85 Prozent der Verkehrsteilnehmenden nicht überschritten werden darf. Kann dieser Wert nicht eingehalten werden, müssen bauliche Massnahmen ergriffen werden.

Sollwerte werden eingehalten

Die Gemeinde hat die Nachmessungen inzwischen vorgenommen, wie sie gestern mitteilte. Danach fahren 85 Prozent des motorisierten Verkehrs im Gebiet Gänsacker in Richtung Hauptstrasse mit 37 km/h oder langsamer sowie in Richtung Königsweg 36 km/h oder langsamer. Auf dem Königsweg lagen die gleichen Werte in Richtung Gänsacker bei 38 km/h und in Richtung Kirchmattweg bei 37 km/h. Mit anderen Worten: Die Sollwerte werden, wenn zum Teil auch knapp, eingehalten. Weitere Massnahmen sind somit nicht nötig – und werden auch nicht ergriffen, wie Gemeindeschreiber Michael Widmer auf Anfrage der AZ sagt.

Für die Gemeinde sind die Resultate keine Überraschung; hier rechnete man damit, dass die Sollwerte eingehalten werden. «Auch aufgrund des eingeholten Verkehrsgutachtens konnten wir davon ausgehen, dass die Vorgaben erfüllt werden können», sagt Widmer. «Die Werte zeigen, dass die neuen Geschwindigkeitsvorgaben von den Automobilisten gut aufgenommen und in der Regel eingehalten werden.» Die Akzeptanz der Tempo-30-Zone sei hoch.

Rückmeldungen zu der wohl heissesten Tempo-30-Zone in Frick gab es bei der Gemeinde keine – auch nicht aus dem betroffenen Quartier. «Daher gehen wir davon aus, dass die Quartier-Bewohner mit der neuen Höchstgeschwindigkeit zufrieden sind», sagt Widmer. Dies hänge wohl auch damit zusammen, dass sowohl die Einführung von Tempo 30 als auch der konkreten Einzelmassnahmen in direkter Absprache mit einer Delegation der Quartierbewohner erfolgt sei.

Der vom Kanton vorgegebene Sollwert wurde allerdings eher knapp eingehalten. Bei der Gemeinde geht man aber nicht davon aus, dass sich die Tempo-Disziplin verschlechtern wird. «Erfahrungsgemäss ist nicht damit zu rechnen, dass sich das Geschwindigkeitsniveau später erhöht, im Gegenteil», sagt Widmer.

Es wird geblitzt

Untätig wird die Gemeinde trotzdem nicht bleiben: Der Gemeinderat hat laut Widmer vor, weiterhin periodisch das Anzeige- und Geschwindigkeitsmessgerät «Speedy» an gut sichtbarer Stelle aufzuhängen, um die Automobilisten zu sensibilisieren.

Aus Messungen mit dem «Speedy» weiss die Gemeinde auch, dass es – «wie überall» – auch im Gänsacker-Königsweg-Quartier vereinzelte Automobilisten gibt, die deutlich zu schnell fahren. «Aus diesem Grund ist geplant, auch künftig ‹scharfe› Radarkontrollen durchzuführen, die Bussen und, je nach gefahrener Geschwindigkeit, auch Administrativmassnahmen zur Folge haben können», so Widmer. Was dann gerade in Tempo-30-Zonen schnell heisst: tschüss Ausweis.