Wölflinswil/Oberhof

Zu windig: Höhenfeuer gerät ausser Kontrolle und fackelt Feld ab – Polizei klärt ab

Starke Winde setzten in Wölflinswil ein Stoppelfeld in Brand. Man hätte bei der Trockenheit verzichten müssen, findet der Landbesitzer.

Das Höhenfeuer in Wölflinswil/Oberhof hat ein Nachspiel. Denn heftige Winde sorgten am 1. August dafür, dass das Feuer beim alten Scheibenstand in Wölflinswil ausser Kontrolle geriet und das angrenzende Rapsstoppelfeld in Brand setzte. Besitzer des Landes ist Martin Fricker. Er ärgert sich. Gewaltig. Weniger über den finanziellen Schaden, der lasse sich regeln. Aber darüber, dass sich niemand bei ihm gemeldet und entschuldigt hat. «Das ist schlechter Stil.»

Organisiert wird das 1. August-Höhenfeuer, das es seit 1986 gibt, jedes Jahr durch den jeweiligen Rekrutierungsjahrgang. Diesmal waren 19 Frauen und Männer dafür verantwortlich. Zum Vorwurf, sich nicht entschuldigt zu haben, sagt Feuerchef Lukas Kretz, sie hätten nicht gewusst, wer der Landbesitzer sei. Er will nun die Kontaktdaten bei der Gemeinde besorgen und sich bei ihm melden.

Feuer Trotz Waldbrandgefahr gezündet

Ein zweiter Vorwurf, den Martin Fricker den Veranstaltern macht, ist, dass sie das Feuer trotz der Trockenheit und der Waldbrandgefahrenstufe 4 angezündet haben. «Dass man da nicht sagt, man verzichte dieses Jahr, verstehe ich nicht.» Lukas Kretz verweist auf die Bewilligung und darauf, das man die Abstände eingehalten habe. «Wir haben rund um die Feuerstelle in einem Umkreis von 30 Metern gemulcht, das Laub entfernt und gewässert», erklärt er das Vorgehen.

Als man das Feuer um 21.45 Uhr angezündet habe, war der Wind noch kein Thema. Um 22 Uhr frischte er böenartig auf. «Der Wind war so stark, dass die Funken über die 30-Meter-Distanz hinausflogen und das Rapsstoppelfeld in Brand steckten», so Kretz. Man habe den Brand mit einem Druckfass bekämpft, bis die Feuerwehr eingetroffen sei. Diese konnte den Brand schnell löschen.

Martin Fricker, der das Land verpachtet hat, stört noch ein Drittes. «Lange hielten sich nur die Jahrgänger beim Feuer auf. Seit einigen Jahren aber kommen auch andere und zum Teil sogar von auswärts.» Seiner Ansicht nach nimmt der Brauch Formen an, die zu weit gehen. Er will deshalb das Gespräch mit den Gemeinden suchen. «So geht das nicht weiter», sagt er. Es brauche künftig stärkere Auflagen oder dann müsse das Feuer an einem anderen Ort gezündet werden.

Gemeindeammann Oberhof: «Ein Restrisiko gibt es immer»

Die beiden Gemeinden Oberhof und Wölflinswil wechseln sich bei den 1. August-Feierlichkeiten ab. Zuständig war dieses Mal Oberhof. Gemeindeammann Roger Fricker hat das Feuer von zu Hause aus beobachtet. Den Vorwurf, man hätte das Feuer nicht entzünden dürfen, weist er zurück. «Das Problem war nicht die Trockenheit, sondern starke Winde, die so nicht vorhersehbar waren.»  Die Organisatoren treffe keine Schuld, sagt Roger Fricker, bei einem Funkenwurf «kann man nichts machen». Der Gemeindeammann ist froh, dass nicht mehr passiert ist. Und: Ein Restrisiko gebe es bei allem, was man tue.

Die hypothetische Frage, ob die Gemeinde das Feuer nochmals bewilligen würde, beantwortet der Ammann mit einem «hypothetischen Ja». Es seien alle Abstände eingehalten und die nötigen Vorsichtsmassnahmen ergriffen worden. «Dass der Wind kurzzeitig derart auffrischt, war nicht erwartbar.»

Zudem sei in all den Jahren, in denen das Höhenfeuer bis auf eine Ausnahme immer beim alten Scheibenstand gezündet worden ist, noch nie etwas passiert. «Es war Pech», sagt Roger Fricker.
Laut Bernhard Graser, Sprecher der Kantonspolizei, sind derzeit Abklärungen wegen möglicher Verstösse gegen das Brandschutzgesetz im Gang. Martin Fricker behält sich zudem zivilrechtliche Schritte gegen die Verantwortlichen vor.

Verwandtes Thema:

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

Meistgesehen

Artboard 1