Oeschgen

Zirkusdirektorin Alexandra Nock über die Saison-Vorbereitung: «Es herrscht ein gewaltiger Druck»

Zirkusdirektorin Alexandra Nock entwirft derzeit im Winterquartier das Programmheft für die anstehende Saison. Archiv/Dennis Kalt

Zirkusdirektorin Alexandra Nock entwirft derzeit im Winterquartier das Programmheft für die anstehende Saison. Archiv/Dennis Kalt

Im Gespräch mit der Aargauer Zeitung erklärt Zirkusdirektorin Alexandra Nock, warum nur eine perfekte und temporeiche Show das Zirkuszelt füllt.

Bis die Lichter in der Manege strahlen, Akrobaten durch die Luft wirbeln und der Applaus im Zirkuszelt ertönt, werden noch rund sieben Wochen vergehen. Derzeit befindet sich das Team vom Circus Nock in Oeschgen im Winterquartier. Winterschlaf herrscht dort aber keiner: «Wir entwerfen gerade das Programmheft für die neue Saison», sagt Zirkusdirektorin Alexandra Nock, die während der Winterpause eifrig mit Büroarbeiten beschäftigt ist.

Zeit für Langeweile gibt es nicht, im Gegenteil: «Es ist schön, wenn man, im Gegensatz zur laufenden Saison, am Wochenende frei hat und auch mal ausspannen kann. Die Winterpause könnte ruhig einen Monat länger sein», sagt sie.

Bereits während der letzten Saison war ihre Schwester, Franziska Nock, damit beschäftigt, nach neuen Akrobaten für das Programm 2017 zu suchen. Hierzu besuchte sie Zirkus-Shows im In- und Ausland. «Die Artisten bewerben sich, indem sie uns Links von Youtube-Videos mit ihren Auftritten schicken, oder wir lassen unsere Kontakte spielen», sagt Alexandra Nock und schiebt nach: «Es ist schon ein gewaltiger Druck, das ganze Programm jede Saison auszuwechseln zu müssen.»

Mongolen auf dem Schleuderbrett

Dies ist jedoch notwendig, denn sie weiss, dass sich das Publikum Jahr für Jahr nach dem Neuen, dem Einzigartigen sehnt. So hofft Nock, das Publikum dieses Jahr unter anderem mit einer mongolischen Truppe, die auf dem Schleuderbrett waghalsige Sprünge zeigt, begeistern zu können. Überhaupt sei es in den letzten Jahrzehnten schwieriger geworden, die Menschen in den Zirkus zu bringen: «Die Zahl an Freizeitangeboten, mit denen wir konkurrieren, ist gestiegen», sagt sie.

Je näher die Premiere im März heranrückt, umso mehr intensiviert sich der Betrieb im Zirkus Nock. Rund zehn Tage vor der ersten Vorstellung stossen die Artisten aus der Schweiz und aus dem Ausland zum Zirkus und beginnen, ihre Nummern zu proben. «In diesen zehn Tagen steigen die Anspannung und der Druck», sagt Alexandra Nock.

Impressionen vom aufwändigen Betrieb des Zirkus Nock:

So muss das Programm der Artisten aufeinander abgestimmt werden, damit kein Leerlauf entsteht. Die Musik muss den Bewegungen der Künstler angepasst und die Lichter optimiert werden. «Nur eine Show mit Top-Nummern, welche die Choreografien, Musik und Lichteffekte miteinander vereint, kann noch den hohen Ansprüchen einer jungen und handygeprägten Gesellschaft gerecht werden», sagt Alexandra Nock.

Kostendruck nimmt stetig zu

Trotz der alljährlichen Belastung, eine unterhaltsame Show auf die Beine stellen zu müssen, ist für Alexandra Nock ein Leben fernab des Zirkus unvorstellbar. Zu gerne geht sie auf Wanderschaft, lernt neue Orte und Menschen kennen und blickt in die strahlenden Gesichter nach einer gelungenen Show. Sauer stösst ihr allerdings der Kostendruck auf: «Platzmieten, Anschlussgebühren für Strom und Wasser – alles wird teurer.»

Für die Zukunft wünscht sie sich, dass die öffentliche Hand dem seit 1860 existierenden Circus Nock entgegenkommt: «Wir sind schliesslich ein Kulturgut und bringen Unterhaltung zu den Gemeinden. Das sollte schon etwas wert sein», sagt sie.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1