Mehrwertsteuer
Wird Einkaufen in Deutschland teurer? – «Eine Änderung in der Gesetzgebung ist bitter nötig»

Gewerbe-Vertreter aus dem Fricktal äussern sich zur Idee, dass Einkaufstouristen in der Schweiz Mehrwertsteuer zahlen sollen.

Marc Fischer
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Stempeln, bitte! Wer seinen Einkauf an der Grenze abstempeln lässt, bekommt im Geschäft die 7 respektive 19 Prozent Mehrwertsteuer zurück. Archiv

Stempeln, bitte! Wer seinen Einkauf an der Grenze abstempeln lässt, bekommt im Geschäft die 7 respektive 19 Prozent Mehrwertsteuer zurück. Archiv

Nicole Nars-Zimmer niz

Schweizer, die in Deutschland einkaufen, lassen in der Regel am deutschen Zoll den Ausfuhrschein abstempeln, um sich später die Mehrwertsteuer zurückerstatten zu lassen. Geht es nach den vier führenden Schweizer Detailhändlern, soll dies künftig nur noch erlaubt sein, wenn die Kunden dafür in der Schweiz Mehrwertsteuer bezahlen. Dies geht aus einem internen Arbeitspapier der Interessengemeinschaft Detailhandel Schweiz (IGDHS) hervor, das von der «Schweiz am Wochenende» publik gemacht wurde.

«Das ist eine gute Idee, denn es wäre eine faire Lösung», sagt dazu Daniel Müller, Vorsitzender der Kommission Verkauf und Dienstleistungen des Gewerbes Region Frick-Laufenburg. Er ist damit auf einer Linie mit dem Arbeitspapier der IGDHS. Dort beklagt man, dass ein immer grösserer Teil des Konsums nicht besteuert werde und betont, die Idee bewirke «Fairness bei der Mehrwertsteuer».

Eine Änderung in der Gesetzgebung sei «bitter nötig», so Müller weiter. Die vorgeschlagene Idee würde aus seiner Sicht «den Einkaufstourismus etwas bremsen». Müller könnte sich aber durchaus auch eine weitergehende Anpassung vorstellen. «Ein weiterer Ansatz wäre es, die Freigrenze auf 150 Franken zu senken.» Derzeit können Einkäufe bis zu 300 Franken pro Person zollfrei in die Schweiz eingeführt werden.

Marco Veronesi, Präsident des Vereins Rheinfelden Pro Altstadt, sieht die Idee der grossen Schweizer Detailhändler dagegen kritischer. «Diese Anpassung würde wohl in Sachen Einkaufstourismus nicht wahnsinnig viel bringen», so Veronesi. Er befürchtet zudem einen grossen administrativen Aufwand. Bei der IGDHS geht man dagegen gemäss «Schweiz am Wochenende» davon aus, dass sich der Kontrollaufwand am Zoll in Grenzen halten würde. So sei denkbar, dass am Zoll Formulare aufgelegt werden, die von den Einkaufstouristen ausgefüllt und eingeschickt werden. Die Schweizer Mehrwertsteuer-Rechnung käme dann per Post.

Bagatellgrenze einführen?

Marco Veronesi ist viel mehr ein Dorn im Auge, dass Deutschland keine sogenannte Bagatellgrenze kennt. Einkaufstouristen können – anders als etwa in Frankreich oder Österreich – die Mehrwertsteuer selbst dann zurückverlangen, wenn sie nur für wenige Euro einkaufen. «Das kann doch nicht sein», ärgert sich Veronesi und fordert eine Untergrenze. Allerdings: Diese Bagatellgrenze müsste die deutsche Politik einführen.

Sowohl Müller als auch Veronesi sind überzeugt, dass das Fricktaler Gewerbe durchaus konkurrenzfähig ist. «Wir müssen uns gut positionieren, flexibel und beweglich bleiben und ein attraktives Angebot bieten», benennt er die Anforderungen. Vor allem mit gutem Service könnten die lokalen Anbieter punkten, ist er überzeugt. Dass dies vielen Fachgeschäften bereits gelingt, weiss auch Müller. «Dennoch müssen wir den Kunden immer wieder in Erinnerung rufen, dass durch Einkaufstourismus Arbeitsplätze und Lehrstellen gefährdet werden.»

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