Wegenstetten

Willy Schmid tritt als Gemeindeammann zurück – eine Rückblick auf seine Amtszeit

Nach 22 Jahren tritt Willy Schmid Ende Jahr aus dem Gemeinderat von Wegenstetten (im Hintergrund) aus.

Nach 22 Jahren tritt Willy Schmid Ende Jahr aus dem Gemeinderat von Wegenstetten (im Hintergrund) aus.

Der 64-jährige Schmid war 22 Jahre lang im Gemeinderat von Wegenstetten. Ende Jahr ist Schluss.

Willy Schmid, 64, gehört zu einer Spezies von Menschen, die in der Schweiz immer seltener werden: zu den Politdinosauriern, also jenen Menschen, die sich nicht nur ein oder zwei Jahre für die Gemeinde oder in einem Verein engagieren, sondern Jahrzehnte.

Bei Schmid sind es 22 Jahre, in denen er zuerst als Gemeinderat, dann als Vizeammann und seit 2010 als Ammann für die Gemeinde in die Hosen stieg. Er tat es stets gerne, wie er der AZ Mitte Jahr in einem Interview nach seiner Rücktrittsankündigung auf Ende Jahr sagte, habe aber nach 22 Jahren auch eine gewisse Abnützung gemerkt.

Politik ist – und war es schon immer – ein ebenso spannendes wie intensives Geschäft. Die Ämter fordern, geben aber auch viel zurück. Einfacher ist das Leiten einer Gemeinde in den letzten Jahren nicht geworden, daraus machte Schmid beim Interview keinen Hehl. «Vieles ist komplizierter geworden, und der Spielraum wird gerade für kleinere Gemeinden immer enger.»

Ein Rückblick auf 22 Jahre Gemeinderat in 11 Stichworten.

Mein Dorf

«Ich erlebe Wegenstetten als ein lebendiges, aufgeschlossenes Dorf», sagt Schmid. Zum guten Zusammenhalt der Bevölkerung seien die Vereine ein wichtiger Bestandteil.

«Meine» Einwohner

Dass eine hohe Wertschätzung zwischen Schmid und «seinen» Einwohnern besteht und dass diese gegenseitig ist, spürt man, wenn man mit Wegenstettern redet: Man hört nur Gutes. Auch Schmid zieht eine positive Bilanz: «Meine Einwohner habe ich während meiner 22 Jahre im Gemeinderat schätzengelernt», sagt er und dankt ihnen für das Vertrauen und die Unterstützung, die sie ihm entgegengebracht haben.

Mein schönstes Erlebnis als Gemeindeammann

Das war für Schmid die Wahlfeier von Patricia Schreiber zur Grossratspräsidentin. Was für ihn aber am meisten zählt, «ist die Superzusammenarbeit mit meinen Gemeinderatskolleginnen und -kollegen sowie mit unserer Verwaltung».

Mein lustigstes Erlebnis als Gemeindeammann

Für Schmid sind das die vielen schönen Ausflüge und Feste mit den Ratskollegen und dem Personal.

Mein schwierigster Moment als Gemeindeammann

Die Gemeinden im Wegenstettertal kämpfen um den Erhalt ihrer Oberstufe. Seit Möhlin den Schulvertrag gekündigt hat, sind die Talgemeinden auf der Suche nach einer Lösung – damit die Schule im Tal bleibt. Aktuell klären die Talgemeinden mit Gipf-Oberfrick ab, ob ein Anschluss an die dortige Oberstufe möglich ist.

Die Schule in Wegenstetten würde so zum Aussenstandort von Gipf-Oberfrick. Eine Arbeitsgruppe klärt in den nächsten Monaten ab, ob und unter welchen Prämissen die Idee umsetzbar ist. Als seinen schwierigsten Moment (mit anhaltenden Folgen) als Gemeindeammann bezeichnet Schmid denn auch jenen Moment, als Möhlin den Schulvertrag mit dem Wegenstettertal gekündigt hat.

«Ich habe während rund zwei Jahren, mit meiner Ammann-Kollegin Kathrin Hasler von Hellikon, für den Erhalt unserer Oberstufe gekämpft», sagt Schmid. Er hofft, «unsere Bemühungen werden mit einer zukünftigen Zusammenarbeit mit Gipf-Oberfrick belohnt».

Meine grösste Herausforderung als Gemeindeammann

Eine explizite grösste Herausforderung als Gemeindeammann mag Schmid nicht hervorheben. «Für mich war die Arbeit als Gemeindeammann immer wieder eine Herausforderung», sagt er auf die Frage.

Mein grösster Erfolg

Als grössten Erfolg sieht Schmid die über fünf Jahre dauernde Revision der Nutzungsplanung, die an der Sommergemeinde 2019 zum Abschluss gebracht werden konnte.

Mein Eindruck vom (politischen) Fricktal

Das Fricktal ist in den letzten Jahren näher zusammengerückt. Das zeigt die Vielzahl an Projekten, die gemeinsam realisiert werden. Das zeigen auch die 17 Fricktaler Grossräte, die sich oft mit geeinter Stimme für die Region starkmachen.

«Durch den Zusammenschluss der Regionalplanungsgruppen Oberes und Unteres Fricktal zum Planungsverband Fricktal Regio sind die Gemeinden näher zusammengerückt», hat auch Schmid beobachtet. Für ihn ist das Fricktal politisch gut aufgestellt, «und geht in eine gute Zukunft».

Mein Wunsch für unsere Gemeinde

Schmid hofft erstens, dass Wegenstetten durch ein moderates Wachstum in eine gute Zukunft geht. Zweitens, «dass durch den Bau von Wohnungen für unsere ältere und jüngere Generation die Möglichkeit besteht, in Wegenstetten zu bleiben». Und drittens, dass der Zusammenhalt durch das geplante Dorffest im August 2021 noch stärker wird.

Mein Wunsch an meinen Nachfolger

Felix Wendelspiess wünscht Schmid, dass er die gleiche Unterstützung und das Vertrauen der Bevölkerung erhält. «Dass seine Entscheide gerecht, aber immer mit gesundem Menschenverstand gefällt werden. Er wird ein würdiger Nachfolger sein, davon bin ich überzeugt.»

Mein letzter Tag als Gemeindeammann

Es werde ein spezieller Moment in seinem Leben sein, sagt Schmid. «Meine Ratskolleginnen und -kollegen sowie meine langjährigen Mitarbeiterinnen von der Verwaltung werde ich vermissen.» Gleichzeitig freut sich Schmid auf mehr Freizeit mit seiner Familie. «Machet’s guet!»

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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