Wahlen 2020

Werner Erni ist noch nicht lange im Parlament – dafür kämpferisch unterwegs

Werner Erni sitzt für die SP seit Mai 2019 im Grossen Rat.

Werner Erni sitzt für die SP seit Mai 2019 im Grossen Rat.

Der Möhliner SP-Grossrat hat sich in seinen ersten neun Monaten im Aargauer Kantonsparlament gut eingelebt. Im Herbst tritt er bei den Wahlen wieder an.

Die Frage erübrigt sich bei ihm eigentlich: Natürlich will Werner Erni, 55, als Grossrat weitermachen und tritt im Herbst bei den Wahlen wieder an – der SP-Politiker sitzt ja auch erst seit gut neun Monaten im Grossen Rat. Erni rutschte im letzten Frühling für Peter Koller nach und hat so grosse Fussstapfen auszufüllen.

Erni hat sich inzwischen gut im Grossen Rat eingelebt und ist «als frisch Nachgerückter motiviert, für eine ganze Legislatur anzutreten». Der Möhliner ist dabei durchaus (klassen-)kämpferisch unterwegs. «Abbauvorhaben werden oft als Sparmassnahmen getarnt und den Menschen so untergejubelt», zieht er Bilanz über die laufende Legislatur, die noch bis Ende Jahr dauert.

Die bürgerliche Mehrheit im Rat habe viele Umbauten angerissen und Probleme hinterlassen, ist er überzeugt, sieht aber durchaus auch positive Entwicklungen: «Das Verständnis für Nachhaltigkeit ist dafür bei fast allen Fraktionen gewachsen.»

Als Grossrat will Erni dazu beitragen, den Aargau mit guten Projekten und Problemlösungen statt Abbaumassnahmen weiterzubringen. Das «Abwehren von schädlichen Forderungen» sieht er als eine der zentralen Aufgaben an. «Dafür brauchen wir auch im Grossen Rat als zweitgrösste Kraft mehr Unterstützung durch die Bevölkerung.»

Die verkrusteten Strukturen der bürgerlichen Parteien müssten endlich aufgebrochen werden, fordert Erni, der bedauert, dass in sozialen und gesellschaftlichen Fragen auch von den Mitteparteien häufig keine Unterstützung mehr zu erwarten sei. «Diese Tendenz zu Konservativem und einseitig Wirtschaftsliberalem behindert den gesellschaftlichen Fortschritt immer mehr», findet er. Gerade in Wirtschaftsfragen und Nachhaltigkeit «versagen die herkömmlichen Rezepte». Da brauche es unbedingt Reformen, um die Arbeitswelt für alle Menschen «mindestens verträglich zu halten».

Wächst die Region mehr quantitativ als qualitativ?

Das Fricktal sieht Werner Erni nach wie vor als Wachstumsregion, «allerdings oft nur in der Menge statt Qualität». Grosse Diskussionen entstehen im Fricktal – wie auch in anderen Regionen – immer wieder in der Schulraumfrage.

«Das Finanzierungsmodell durch die Gemeinden ist zwangsläufig geprägt von Eigeninteressen statt im Sinn einer regionalen Koordination», sagt Erni. Als Erfolg wertet der SP-Grossrat den Entscheid für eine Fricktaler Mittelschule, der nötig wurde, weil die Basler Nachbarkantone Eigenbedarf bei ihren Gymnasien angemeldet haben.

Gute Zusammenarbeit unter Fricktaler Grossräten

Wie seine Fricktaler Ratskollegen beurteilt auch Erni die Zusammenarbeit der Grossräte aus den Bezirken Laufenburg und Rheinfelden in regionalen Fragen als gut. «Viele Fricktaler Fragen werden aber nicht von allen getragen», ergänzt er und bezeichnet die Position einiger Grossräte zum geplanten Nagra-Atommülllager und dessen Zusammenhang mit dem Grundwasser im Fricktal als «unklar». «Einig ist man sich dafür beim Ausbau des öffentlichen Verkehrs, namentlich der SBB-Verbindungen.»

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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