Grosser Rat

Weiblicher, jünger, regionaler – die Wahlen im Fricktal

Carole Binder zieht neu in den Grossen Rat ein – und sorgt dafür, dass der Frauenanteil im Bezirk Rheinfelden auf 50 Prozent steigt.

Carole Binder zieht neu in den Grossen Rat ein – und sorgt dafür, dass der Frauenanteil im Bezirk Rheinfelden auf 50 Prozent steigt.

Sitzverschiebungen blieben im Fricktal zwar aus. Dennoch hat sich einiges geändert. Die AZ hat sieben spannende Fakten zusammengetragen.

Aus den Grossratswahlen gehen im Fricktal, wie im ganzen Kanton, die Grünen und die Grün­liberalen gestärkt hervor. Zu Sitzverschiebungen kam es am Sonntag nicht. Noch nicht? Die «Aargauer Zeitung» hat sieben Fakten zusammengetragen.

1. Frauenanteil im Grossen Rat

Mehr Frauen im unteren, weniger im oberen Fricktal. Den SVP-Sitz, der nach dem Rücktritt von Tanja Primault-Suter frei wurde, hat ihr Bruder Emanuel Suter erobert. Da alle anderen wiedergewählt wurden, sinkt der Frauenanteil im Bezirk. Er ist mit 42,9 Prozent – 3 von 7 Sitzen sind künftig in Frauenhänden – aber immer noch klar höher als im Kanton, wo er bei 31,4 Prozent liegt.

Auf 50 Prozent steigen wird der Frauenanteil im Bezirk Rheinfelden. Das sind satte 20 Prozent mehr als am Anfang der letzten Legislatur. Der Erfolg kam in zwei Schritten: Im Frühjahr stieg der Frauenanteil nach dem Rücktritt von Roland Agustoni (GLP) von 30 auf 40 Prozent; Béa Bieber rückte nach und wurde am Sonntag mit einem sehr guten Resultat bestätigt. Bei den Wahlen am Sonntag wurde zudem Werner Erni abgewählt; sein Sitz übernimmt Carole Binder-Meury, womit künftig die Hälfte der Grossräte im Bezirk Rheinfelden Frauen sind.

2. Das Alter der Mitglieder

Die Fricktaler Grossratsdelegation wird jünger. Die drei neuen Ratsmitglieder sind zusammen 28 Jahre jünger als die drei, die sie ersetzen. Im Bezirk Laufenburg liegt der Altersschnitt künftig bei 48,3 Jahren, wobei Emanuel Suter mit 35 Jahren der jüngste Grossrat ist, Werner Müller (CVP) mit 61 Jahren der älteste. Gut fünf Jahre höher liegt der Altersdurchschnitt im unteren Fricktal (53,8 Jahre). Die jüngste Grossrätin ist dabei Désirée Stutz (SVP) mit 39 Jahren, der älteste Grossrat Bernhard Scholl (FDP) mit 69 Jahren.

3. Die regionale Verteilung der Sitze

Die regionale Verteilung der Sitze wird ausgewogener. Das stimmt für den Bezirk Rheinfelden. Hier gibt es zwei Veränderungen: Möhlin verliert mit der Abwahl von Werner Erni einen seiner vier Sitze. Dieser wandert nach Magden zu Carole Binder. Der FDP-Sitz des Rheinfelder Stadtammanns Franco Mazzi geht zu Beat Käser nach Stein; Rheinfelden stellt aber mit Béa Bieber (GLP) und Claudia Rohrer (SP) auch künftig zwei Grossrätinnen. Dass Stein nach vier Jahren Unterbruch wieder im Grossen Rat vertreten ist, ist gerade auch im Hinblick auf die künftige Entwicklung des Sisslerfeldes – ein noch unerschlossenes Industriegebiet erster Güte – gut.

Keine Verschiebungen gibt es dagegen im oberen Fricktal, da der einzige neue Grossrat – Emanuel Suter (SVP) – in der gleichen Gemeinde wohnt wie seine Vorgängerin und Schwester, Tanja Primault-Suter.

Damit geht die Region Laufenburg einmal mehr leer aus. Das kann insofern ein Nachteil sein, als dass die Grossräte – auch wenn sie primär kantonal agieren (sollten) – doch auch Fragen und Probleme aus der Region ins Parlament einbringen können. Zudem haben sie meist einen direkteren Draht zur Verwaltung und Regierung, als dies Nicht-Grossräte haben.

Allerdings dürfte sich die Nicht-Vertretung spätestens in vier Jahren ändern; die Region Laufenburg hat mehrere talentierte (Jung-)Politiker in petto, so Daniele Mezzi (CVP), der bei der CVP mit einem sehr guten Resultat auf dem ersten Ersatzplatz gelandet ist. Mit Rolf Schmid (SP) hat zudem ein gebürtiger Mettauertaler, der heute in Frick wohnt, die Chance, bei einer Vakanz nachzurutschen.

4. Fricktal wird grüner

Das Fricktal wird grüner. Die grüne Welle schwappt auch über das Fricktal, insbesondere den Bezirk Rheinfelden. Hier legen die Grünen satte 3,6 Prozent zu und sind damit klare Wahl­sieger. Die Steigerung liegt sogar über dem kantonalen Schnitt, wo die Grünen 2,96 Prozent zulegen können.

Verhaltener fällt der Anstieg im oberen Fricktal aus, wo die Grünen 0,54 Prozent zulegen können. Eine Ursache dafür dürfte das Erstarken der SP sein; entgegen dem kantonalen Trend, wo die SP 2,37 Prozent Wähleranteil einbüsst, legt sie im oberen Fricktal um ein Prozent zu und kommt neu auf 19,9 Prozent.

Gewählte Grossräte Bezirk Laufenburg 2020:

Eine zweite Ursache könnte die Diskussion um die Oberstufe in Gipf-Oberfrick sein, wo sich insbesondere Wittnau gegen einen Zusammenschluss mit der Oberstufe im Wegen­stettertal wehrte. Dies dürfte die grüne Grossrätin Gertrud Häseli, die zugleich Gemeinderätin in Wittnau ist, doch einige Stimmen gekostet haben.

5. GLP ist die klare Wahlsiegerin

Das GLP-Hoch zieht auch im Fricktal auf. Über beide Bezirke gesehen ist die GLP klare Wahlsiegerin. Im oberen Fricktal legt die Partei um 2,42 Prozent zu. Für einen Sitz reicht es nicht – noch nicht. Hält der Trend an, müssen sich insbesondere die Grünen warm anziehen. Die GLP liegt neu nur noch 1,9 Prozent hinter den Grünen. In der Pole-Position bei der GLP ist dabei Bernhard Stöckli. Der 37-jährige Unternehmer aus Frick hat das Talent und auch den Biss für eine politische Karriere.

Im unteren Fricktal, wo die GLP seit dem Wechsel von Roland Agustoni von der SP zur GLP einen Grossrat stellt, legt sie 2,33 Prozent zu. Sie kommt auf 10,97 Prozent und liegt damit zum einen über dem kantonalen Schnitt von 9,23 Prozent, zum anderen fast 0,6 Prozent vor den Grünen.

6. CVP geht gestärkt hervor

Die Mitte geht gestärkt aus den Wahlen hervor. Das stimmt – insbesondere für den Bezirk Rheinfelden. Hier folgt die CVP dem kantonalen Trend und legt zu. Sogar noch deutlich stärker als kantonal, wo das Plus bei 0,7 Prozent liegt. Im unteren Fricktal kommt die CVP auf ein sattes Plus von 1,86 Prozent und liegt neu bei 13,49 Prozent.

Gewählte Grossräte Bezirk Rheinfelden 2020:

Dies ist nicht zuletzt der Verdienst von Grossrat und Fraktionschef Alfons P. Kaufmann, der mit seiner brückenbauenden Art weit über die Parteigrenzen hinaus Stimmen holte. Er erzielte hinter den drei SVP-Grossräten das viertbeste Bezirksresultat. Ein Zukunftsversprechen ist zudem Alina Spuhler. Die jüngste Grossratskandidatin im Kanton legte einen erfrischenden Wahlkampf hin und hat, so sie will, gute Chancen, in einigen Jahren ein politisches Amt in der Exekutive oder Legislative zu übernehmen.

Im oberen Fricktal dagegen büsste die CVP weiter Terrain ein und sackt mit einem Minus von 1,7 Prozent erstmals unter die 20-Prozent-Marke. Das ist zwar im kantonalen Vergleich immer noch viel – hier kommt die CVP auf 12,8 Prozent, angesichts der einstigen Dominanz muss dies der Parteileitung aber zu denken geben.

7. Wahlbeteiligung ist tief

Die Wahlbeteiligung ist im Fricktal tief. Das stimmt für den Bezirk Rheinfelden. Hier lag die Stimmbeteiligung bei 27,15 Prozent und damit fast sechs Prozent unter dem kantonalen Schnitt. Es ist die niedrigste Beteiligung aller elf Bezirke. Die kantonsweit zweitniedrigste Wahlbeteiligung hat dabei Mumpf mit 18,2 Prozent.

Die Beteiligung im Bezirk Laufenburg lag mit 35,3 Prozent hingegen über dem kantonalen Schnitt vom 33 Prozent. Die höchste Stimmbeteiligung im Fricktal hatte Gansingen mit 45,15 Prozent.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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