Sulz

Wegen Frauenstimmrecht oder der Mode – als der Pfarrer die Frauen warnte

Gaby Weiss, Maria Obrist, Caroline Schraner, Jasmin Meier und Erika Schraner (v.l.) bilden derzeit den Vorstand des Frauenbunds.

Gaby Weiss, Maria Obrist, Caroline Schraner, Jasmin Meier und Erika Schraner (v.l.) bilden derzeit den Vorstand des Frauenbunds.

Der katholische Frauenbund Sulz feiert an diesem Wochenende sein 100-Jahr-Jubiläum.

Erika Schraner muss lachen, als sie davon erzählt. Sie ist Vize­präsidentin des katholischen Frauenbunds Sulz, der am ­kommenden Sonntag sein 100-Jahr-Jubiläum feiert. Anlässlich des runden Geburtstags hat Schraner etwas in den Analen des Vereins gestöbert – und ist dabei auf einige Müsterchen gestossen, die das damalige Frauenbild deutlich machen.

«Das Frauenstimmrecht bedeutet nichts Gutes, es liegt nicht im Sinne des katholischen Geistes. Der Platz der katholischen Frau ist in der Familie», sagte etwa der damalige Pfarrer anlässlich einer Generalversammlung im Jahr 1946. Und das ist nur eines von mehreren Beispielen. In einem anderen Referat ging es etwa darum, dass sich eine «verständige Frau nicht dem Modestaat hingeben» solle.

«Heute können wir darüber schmunzeln. Aber natürlich regt das auch zum Nachdenken an», sagt Schraner. Nachdenken darüber, was sich in den vergangenen 100 Jahren alles verändert hat. Nicht nur, was das Frauenbild angeht.

Die Frauen halfen sich in einer schwierigen Zeit

Gegründet wurde der katholische Frauenbund in Sulz am 8. Dezember 1919, einem Sonntag, in der damals neu gebauten Turnhalle. Gegen 200 Frauen trafen sich an der Gründungsversammlung, 182 Anwesende trugen sich schliesslich als Gründungsmitglieder ein. Eine Zahl, die Schraner erstaunt.

Aber: «Das zeigt, wie gross das Bedürfnis nach einem Frauenbund damals war», sagt sie. In den ersten Jahren ging es vor allem darum, «füreinander da zu sein und einander zu unterstützen», sagt Schraner. «Es war gerade in den ländlichen Regionen eine schwierige Zeit kurz nach dem Ersten Weltkrieg.» Die Mit­glieder griffen einander unter die Arme, teilten auch mal ­Esswaren, wenn diese in einer Familie knapp waren.

In der Gründungszeit stand ausserdem die Bildung der Frauen im Vordergrund. «Regelmässig wurden etwa Koch-, Flick- und Nähkurse angeboten oder Tipps zur chemischen Reinigung gegeben», sagt Schraner. Eine wichtige Rolle im Frauenbund spielten aber auch die Dorfgeistlichen, die Pfarrer und Seelsorger. Sie hielten jeweils an den Generalversammlungen Referate – durchaus auch mit ­tadelndem Inhalt, wie die Beispiele mit dem Frauenstimmrecht oder der Mode zeigen.

Die Zeiten, in denen der örtliche Seelsorger im Frauenbund den Gang der Dinge bestimmte, sind mittlerweile allerdings vorbei. «Wir arbeiten aber natürlich mit der Kirche zusammen», sagt Erika Schraner. Oder vielmehr: Der Frauenbund nimmt im Leben der katholischen Kirch­gemeinde eine wichtige Rolle ein. So gestaltet er Gottesdienste und Andachten, organisiert Ausflüge mit besinnlichen Feiern oder Spaghetti-Essen. Der Erlös geht an karikative Zwecke.

Neue Mitglieder zu finden, ist eine Herausforderung

Rund 100 Mitglieder zählt der Frauenbund aktuell. Eine «schöne Zahl», wie Schraner findet. Allerdings: Neue Mitglieder zu finden, sei eine der Herausforderungen. Der Frauenbund zeigt sich offen: «Wir wären bereit, zum Beispiel neue Punkte ins Jahresprogramm aufzunehmen, falls Interesse besteht», sagt Schraner.

Anlässlich der letzten Generalversammlung wurden ausserdem erstmals auch Frauen aus Laufenburg aufgenommen. «Wir hoffen, dass vielleicht noch mehr dazu kommen», so Schraner.

Gelegenheit, Werbung für den Frauenbund zu machen, gibt es am Sonntag. Dann nämlich feiert der Frauenbund seinen Geburtstag – auf den Tag genau 100 Jahre nach der Gründung. Geplant ist ab 10.30 Uhr ein Gottesdienst, anschliessend gibt es in der Turnhalle «Hörnli und Ghackets» sowie musikalische Unterhaltung und Ansprachen von Gästen, etwa Stadtammann Herbert Weiss.

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