Laufenburg
Vorwürfe nach Brand im «Schützen»: Sind die Beistände überlastet?

Nach dem Brand im ehemaligen Gasthof Schützen in Laufenburg wird Kritik am Kindes- und Erwachsenenschutzdienst laut. Dieser habe den Täter nicht gut genug betreut. Werner Müller räumt Probleme ein – betont aber gleichzeitig, diese seien nun behoben.

Marc Fischer
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Seit Dezember befindet sich der Kindes- und Erwachsenenschutzdienst im Zentrum Hinterer Wasen in Laufenburg und soll nun von der neuen Verbandsstruktur profitieren.

Seit Dezember befindet sich der Kindes- und Erwachsenenschutzdienst im Zentrum Hinterer Wasen in Laufenburg und soll nun von der neuen Verbandsstruktur profitieren.

Mira Güntert

Der Brand im ehemaligen Gasthof Schützen in Laufenburg ist vielen Fricktalern noch präsent. Ein 24-jähriger Schweizer hat mutmasslich die Liegenschaft in Brand gesetzt. Der Brand, der Mitte Januar sieben Verletzte forderte, erhitzt die Gemüter auch jetzt noch. Der mutmassliche Täter sei vom Kindes- und Erwachsenenschutzdienst (KESD), der vom Gemeindeverband Bezirk Laufenburg angeboten wird, «nicht mehr ausreichend betreut worden», was zu grosser Frustration geführt habe, heisst es in einem anonymen Brief an die Redaktion. Eine zweite Quelle bestätigt, dass der 24-Jährige mit dem KESD zu tun hatte und dort drei Tage vor dem Brand polizeilich weggewiesen wurde.

Werner Müller, Präsident des Gemeindeverbands Bezirk Laufenburg, kann aus Datenschutzgründen weder bestätigen noch dementieren, dass der 24-Jährige Klient des KESD ist.

Der Brand scheint allerdings nur der sichtbare Ausdruck eines tieferliegenden Problems zu sein. Zwei Quellen sprechen von einer kompletten Überlastung der Mitarbeiter des KESD. Drei von vier Berufsbeiständen seien innerhalb von zehn Monaten an einer Erschöpfungsdepression erkrankt und nicht mehr in der Lage, den Beruf auszuüben. Im Brief heisst es zudem, andere Mitarbeiter würden deswegen «mit immer neuen Aufgaben und Verantwortlichkeiten eingedeckt» und «die fehlenden Fachkräfte zum Teil mit temporären Mitarbeitern ersetzt».

Angesprochen auf diese Vorwürfe, gibt Werner Müller zu: «Wir haben seit längerer Zeit eine schwierige Situation. Es gab in den letzten Jahren viele Wechsel im KESD und wir hatten krankheitsbedingte Ausfälle.» Deshalb stand in den letzten Monaten neben den festangestellten Berufsbeiständen auch ein pensionierter Berufsbeistand im Einsatz. «Und wir haben seit Anfang 2018 ein externes Büro beigezogen», so Müller. Auf diese Weise seien die im Stellenplan vorgesehenen 320 Stellenprozente knapp abgedeckt worden.

Neue Stellenleiterin hat angefangen

Müller betont aber: «Wenn wir die Anzahl der Fälle pro Berufsbeistand anschauen, ist der KESD Bezirk Laufenburg nicht überlastet.» Die Zahl liege nämlich unter den vom Kanton empfohlenen 80 Fällen pro Beistand und auch tiefer als in anderen Bezirken. Aufgrund der vielen Wechsel sei der KESD Bezirk Laufenburg aber in den letzten Jahren «nie zur Ruhe gekommen».

Dies soll sich nun ändern: Seit Anfang dieses Monats ist eine neue Stellenleiterin im Amt, Mitte März wird eine weitere Berufsbeiständin ihre Stelle antreten. Ihr pensionierter Kollege steht dem KESD weiterhin zur Verfügung. «Aber das externe Büro brauchen wir dann nicht mehr», so Müller. Zudem habe man im letzten Jahr bei Buchhaltung und Administration 130 Stellenprozente zur Unterstützung der Beistände geschaffen. Und: «Neu hat der Verband einen Geschäftsführer, dies wird die Situation vor Ort weiter entlasten.» Bis Ende Juni übernimmt Adrian Brogle diese Funktion interimistisch in einem 30-Prozent-Pensum.

Kritik an Sicherheitsvorkehrungen

Im Brief an die Redaktion wird noch ein weiteres Problemfeld erwähnt. Der Verfasser bemängelt die Sicherheitsvorkehrungen im Zentrum Hinterer Wasen, das der Gemeindeverband Mitte Dezember bezogen hat. «Es wurde wohl auch aus Spargründen nirgends Sicherheitsglas verwendet und auch keine Überwachungskameras oder sonstige Notfalldienste wurden eingerichtet», moniert der Schreiber. «Darf es wirklich sein, dass aus Kostengründen Mitarbeiter der Gefahr von renitenten Klienten ausgesetzt sind und die Betreuung der vielen zum Teil stark psychisch erkrankten Menschen nicht mehr gewährleistet werden kann?»

Werner Müller bestätigt, dass es keine Videoüberwachung gebe. «Wir haben keinen Hochsicherheitstrakt. Aber wer das Zentrum besucht, kann nur das Entree betreten. Für die weiterführenden Türen braucht es einen Badge.» Die Sicherheitssituation sei damit im Vergleich zu den vorherigen Standorten der Dienste «massiv verbessert», so Müller. «Beim Verband hat sich bislang auch niemand mit Sicherheitsbedenken gemeldet.»

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