Fricktal

Volles Engagement: Junioren-Trainer nehmen für das Ehrenamt einiges auf sich

Es wird immer schwieriger, Begeisterte zu finden, die für Sportvereine ehrenamtlich tätig sein wollen. Trainer im Jugendbereich investieren für ihre Schützlinge mehrere Stunden pro Woche.

Es wird immer schwieriger, Begeisterte zu finden, die für Sportvereine ehrenamtlich tätig sein wollen. Trainer im Jugendbereich investieren für ihre Schützlinge mehrere Stunden pro Woche.

Das Ehrenamt hat es schwer. In einer Zeit mit einem rasanten Lebenstempo sind immer weniger Leute gewillt, sich freiwillig zu engagieren. Darunter leiden die Sportvereine.

Dies zeigt eine Studie des Observatoriums Sport und Bewegung. Wie die «SonntagsZeitung» berichtete, stellt die Freiwilligenarbeit für 40 Prozent der Vereine ein «grosses Problem» dar. Doch wie sieht es im Fricktal aus? Wie leicht finden sich Trainer, die unentgeltlich am Spielfeldrand stehen und Freiwillige, welche die Nachwuchs-Sportler zu den Auswärtspartien bringen? Die AZ hat bei drei Sportvereinen nachgefragt.

Der EHC Rheinfelden hat sechs Mannschaften im Nachwuchs-Bereich und ist derzeit in einer «recht glücklichen Situation». «Unsere Jugend-Trainer sind oftmals ehemalige Spieler, die eine Mannschaft betreuen, wenn beispielsweise der eigene Nachwuchs zum Eishockey-Stock greift», erklärt der Nachwuchs-Sportchef René Kim. Er kann jedoch nicht verhehlen, dass man vor ein bis zwei Jahren aktiv auf Suche nach Trainerpersonal im Jugendbereich gehen musste.

Mit der Jugend bis ins Tessin

Kim bricht eine Lanze für alle Trainer im Jugendbereich, weil er weiss, wie zeitintensiv dieses Engagement ist. So kann es zu Auswärtspartien schon mal mit dem Autocar ins Tessin gehen. Eine weitere Herausforderung für die Trainer-Tätigkeit ist die begrenzte Verfügbarkeit der Eishalle, weshalb die Trainingszeiten einiger Nachwuchsmannschaften mit den gewöhnlichen Bürozeiten kollidieren. «Einige Nachwuchstrainer organisieren ihre Arbeitszeiten so um, dass sie am späten Nachmittag für das Training rechtzeitig auf dem Eis stehen.»

Zwar stehen viele Eltern am Spielfeldrand des FC Laufenburg-Kaisten, wenn der Junior seine Kickschuhe schnürt, doch für eine Tätigkeit als Trainer will sich kaum einer einspannen lassen: «Ein bis zwei Mal unter der Woche das Training leiten und am Samstag bei einem Match am Spielfeldrand stehen – das ist für die meisten zu viel», sagt Junioren-Obmann Mathias Welti. Schon einige Male mussten deswegen «Notlösungen» her, indem ein Elternteil kurz vor dem Saisonstart einspringen musste. Weiter erschwerend für die Tätigkeit des Jugendtrainers sei, dass einige Eltern es dem Trainer in die Schuhe schieben, wenn der eigene Sohn bei einem Match nicht zum Einsatz kommt. «Es gab schon Eltern, die ihr Kind deswegen aus dem Verein abgemeldet haben», sagt Welti.

Die Bereitschaft vieler Vereinsmitglieder, sich neben dem Spielbetrieb für den Verein zu engagieren, sei eher mau. So plante der FC, den Güggelistand an der Laufenburger Herbstmesse mithilfe seiner Nachwuchs-Kicker und deren Eltern zu betreiben. Weil sich aber hierfür kaum jemand bereit erklärt hat, stehen nun die Spieler der 1. und 2. Herrenmannschaft am Güggeli-Grill. «Für viele ist der geringe Mitglieder-Beitrag, den sie zahlen, eine Rechtfertigung dafür, gar nichts mehr machen zu müssen. So funktioniert eine Gemeinschaft jedoch nicht», enerviert sich Welti.

Der TV Möhlin hat zehn Handball-Mannschaften im Nachwuchs-Bereich. «Mit der Trainer-Besetzung haben wir keine Probleme», sagt Vorstands-Mitglied Mahrer. Auffällig für ihn ist, dass es einige wenige Eltern gibt, welche die Nachwuchsspieler einer Mannschaft fast immer zu den Auswärtspartien fahren und eine Mehrheit, die das nie tut. «Klar, das ist nicht optimal, wenn manche es als selbstverständlich ansehen, dass das eigene Kind schon irgendwie zum Auswärtsmatch gefahren wird», sagt er.

Wichtig für den TV Möhlin ist auch, dass die Jugendlichen selbst durch freiwillige Arbeit für das Funktionieren des Vereins Sorge tragen. Hier hat gemäss Mahrer der jeweilige Nachwuchs-Trainer eine zentrale Vorbildfunktion: «Wie ernst die Trainer diese Funktion nehmen, sieht man unter anderem daran, ob die Jugendlichen bei der Bewirtung an einem Heimspiel der Erwachsenen mithelfen», sagt Mahrer.

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