Fricktal
«Voll im Trend»: Die Schützen haben wieder Nachwuchs

Die Vereine im Bezirk Rheinfelden verzeichnen vermehrt jungen Zulauf – das weckt Hoffnungen. Die angehenden Schützen fasziniert neben dem Umgang mit dem Gewehr und der Konzentration beim Wettkampf vor allem der Zusammenhalt in der Gruppe – und der Ehrgeiz.

Nadine Böni
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Das Sturmgewehr im Griff: Jonas Walther, Ronja Schmidlin, Alida Wirthlin und Svenja Tota (v.l.) besuchen den Jungschützen-Kurs bei Pascal Meier.

Das Sturmgewehr im Griff: Jonas Walther, Ronja Schmidlin, Alida Wirthlin und Svenja Tota (v.l.) besuchen den Jungschützen-Kurs bei Pascal Meier.

Nadine Böni

Sie ziehen die Blicke der Leute auf sich, wenn sie mit dem Velo durch das Dorf fahren – das Sturmgewehr über der Schulter. Die vier Teenager lachen, als sie davon erzählen. Jonas Walther (18), Ronja Schmidlin (18), Svenja Tota (17) und Alida Wirthlin (19) sind Jungschützen in Möhlin. «Manche reagieren schon fast verstört, wenn sie uns mit der Waffe sehen», sagt Jonas. Mit ihrem Hobby liegen die vier Jugendlichen aber voll im Trend.

Mehr Kurs-Anmeldungen

Im vergangenen Jahr haben sie ihren ersten Jungschützen-Kurs absolviert, am Sonntag steht der Abschluss des zweiten Kurses an. Auf der Schiessanlage Röthi in Möhlin werden dann so viele Jungschützen antreten, wie schon seit Jahren nicht mehr. Knapp 100 junge Männer und Frauen aus dem Bezirk Rheinfelden haben in diesem Jahr an einem der Kurse teilgenommen. «Seit zwei Jahren verzeichnen wir wieder deutlich vermehrt Anmeldungen für die Kurse», sagt Bezirks-Jungschützenleiter Kilian Heimann.

Wieso die Zunahme? «Einerseits ist da sicher der Alterslimit», sagt Heimann. Der Bund hat diesen Anfang des Jahres von 17 auf 15 Jahre heruntergesetzt. «Es hilft, die Jugendlichen schon früher für den Sport begeistern zu können», so Heimann. Andererseits sei das Interesse einfach wieder gewachsen, sagt Pascal Meier, Jungschützenleiter bei der Schützengesellschaft Möhlin (SGM). Die SGM stellt mit 28 Jungschützen die meisten Kursteilnehmer.

Faszination Schiessen

Jonas, Ronja, Svenja und Alida sind vier von ihnen. Am Schiessen fasziniert sie
vieles – auch, dass «das halt schon ein eher atypisches Hobby ist», wie es Alida ausdrückt. Dann ist da das Sturmgewehr, seine Funktionsweise. Der Umgang mit den Wind- und Licht-Verhältnissen. Die Nervosität und Konzentration beim Wettkampf. Der Zusammenhalt in der Gruppe. Und der Ehrgeiz.

«Es ist einfach so: Wer einmal ein gutes Resultat geschossen hat, will weitermachen, um sich zu verbessern», sagt Svenja. Ausserdem, das erklären die vier Jungschützen unisono, bringe ihnen das Schiessen auch für den Alltag etwas.

Stichworte Konzentration und Nervosität. «Wenn ich schiesse, zählt nur der Moment. Alles andere muss ich ausblenden», sagt Alida. «Durch das Schiessen habe ich auch gelernt, mit Druck umzugehen und mich nicht entmutigen zu lassen, wenn etwas nicht im ersten Anlauf klappt», ergänzt Ronja.

Neue Herausforderung

Svenja und Alida sind inzwischen sogar Mitglied in der Schützengesellschaft. «Die Hoffnung besteht natürlich, dass von der Zunahme bei den Kursen auch die Vereine profitieren», sagt Jungschützenleiter Pascal Meier. Dass es so etwas wie ein «Selbstläufer» werde: mehr Jungschützen, mehr junge Mitglieder. «Es ist kein Geheimnis, dass die Gesellschaften unter mangelndem Zuwachs und Überalterung leiden.» Gleichzeitig weiss Meier, dass es schwierig ist, die Jugendlichen langfristig zu binden: «Job und Wohnort können wechseln – und natürlich auch die Interessen.»

Der Zuwachs bei den Jungschützen stellt die Gesellschaften derweil auch vor eine neue Herausforderung: Es fehlt an Jungschützenleitern. Aber auch hier hoffen Meier und Heimann. Darauf, dass sich der Nachwuchs davon überzeugen lässt, das Hobby dereinst weiterzugeben.

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