Geheuchelte Tränen in den Augen, Geldscheine fest im Blick und einen Koffer voller Bösartigkeiten für die jeweils anderen – so trifft die illustre Runde potenzieller Erben auf dem herrschaftlichen Anwesen Kübelstein ein. Sophie, hochbetagte Besitzerin des Anwesens, ist gestorben. Eine Dame, die in ihrem Leben kein Kind von Traurigkeit war und vier verblichene Ehemänner am Wegesrand zurückliess.

Der Theaterverein Spielleute Sisseln zeigt in diesem Jahr die Komödie «Miss Sophies Erbe» (von Andreas Wening, schweizerdeutsche Bearbeitung Peter Waber) unter der Regie von Nicole Grossmann. Das Stück ist die Fortsetzung des Fernsehklassikers «Dinner for One» und ein Leckerbissen für Freunde des tiefschwarzen Humors. Eine Komödie, die neben viel Unterhaltungswert durch schlagfertige Dialoge, bitterböse Beleidigungen punktgenau gesetzt, durch ausdrucksstarke Gestik und Mimik begeistert, manchmal auch ein wenig makaber. Volle Aufmerksamkeit des Publikums ist da gefragt.

Nicht auf den Mund gefallen

«In einem solch anspruchsvollen Stück den Spannungsbogen bis zum Ende zu halten, ist nicht einfach», meinte dazu Regisseurin Nicole Grossmann. In diesem Jahr haben die Spielleute bereits im Frühjahr mit den Proben begonnen.

Zum Stück: Die alternde, launisch arrogante Operetten-Diva Ludmilla (Rosmarie Weber), die ihre beste Zeit lange hinter sich hat, reist mit ihrer Assistentin Gundula (Mirjam Hekele) als mögliche Erbin an. Gundula, eine graue Maus im wahrsten Sinne des Wortes, ist zwar äusserlich das genaue Gegenteil von Ludmilla, aber keineswegs auf den Mund gefallen. Respekt füreinander ist zwischen den beiden Frauen nicht angesagt. Es wird gestichelt, wo es nur geht, sarkastisch und treffend kommentiert Gundula jedes Wort ihrer Arbeitgeberin.

Eine explosive Mischung

Empfangen werden die beiden von Erblassverwalter Harry Ross (Edgar Kuprecht), aber – wie Ludmilla hochnäsig bemerkt – nicht standesgemäss. Und sie erfährt, dass noch weitere Personen im Testament der Verstorbenen Sophie bedacht sind, die ebenfalls kommen.

Da ist der skurrile Modemacher Siegfried Roy Toby (Manuel Lustenberger), der mit unnachahmlich geschmeidigem Hüftschwung die Bühne des Geschehens betritt, schräg gekleidet, Adoptivsohn einer der Ehemänner von Sophie. Auch der Vater des Dandys Richard Pommeroy (Simon Suter) war mit Sophie liiert. Ebenso kann die nicht besonders intelligente, dafür jedoch krawallig-raffgierige Gilla (Michaela Meier), Pflegerin von Mister Winterbottom, verwandtschaftliche Linien vorzeigen.

Dunkle Familiengeheimnisse

Keineswegs einfach hat es der junge, ansehnliche, aber etwas verklemmte Butler Paul (Marco Swiatek), der sofort ins lüsterne Blickfeld von Siegfried und Ludmilla gerät. Köchin Marlies (Vreni Windisch) schwingt zwischen allen ziemlich vorlaut und frech ihren Kochlöffel. Bis zu diesem Treffen wussten diese extravaganten Protagonisten nichts voneinander. Klar, da gibt es jede Menge Sprengstoff und dunkle Familiengeheimnisse kommen ans Tageslicht. Ungeahnte Wendungen würzen die Handlung mit einem Ende, das herrlicher nicht sein könnte.

Der Theaterverein Spielleute Sisseln wurde im März 1995 gegründet. Ausser einmal wurde seither jedes Jahr ein Theater aufgeführt.

«Miss Sophies Erbe»: Samstag, 27. Oktober; Freitag, 2. November und Samstag, 3. November, Beginn jeweils 20 Uhr in der Turnhalle Sisseln.