Fricktal

Unbesetzte Lehrstellen: warum sich für den Detailhandel nur schwer Lehrlinge finden

Im Fricktal werden noch 21 angehende Fachmänner und 13 Assistenten im Detailhandel gesucht.

Im Fricktal werden noch 21 angehende Fachmänner und 13 Assistenten im Detailhandel gesucht.

Lehrstellen sind im Fricktal oftmals über mehrere Monate hinweg ausgeschrieben – momentan sind 152 noch nicht besetzt. Davon 34 im Detailhandel.

Für viele junge Menschen beginnt im August mit dem Lehrbeginn der Ernst des Lebens. Ein Blick auf den kantonalen Lehrstellennachweis zeigt: 152 Lehrstellen im Fricktal sind derzeit noch nicht vergeben.

Zwar ist es möglich, dass noch nicht alle Unternehmen ihre besetzten Stellen aktualisiert haben, dennoch bieten sich für junge Menschen, die noch nicht fündig geworden sind, immer noch viele Möglichkeiten, eine Lehrstelle zu ergattern. Die AZ liefert einen Überblick, in welchen Branchen die besten Chancen auf einen Lehrlingsvertrag bestehen.

Die meisten noch unbesetzten Lehrstellen gibt es im Detailhandel (siehe Tabelle). Hier werden 21 angehende Fachmänner und 13 Assistenten gesucht. Für Martin Ziltener, Mitglied der Geschäftsleitung des Berufsberatungsdienstes ask, ist dies keine Überraschung. «Besonders bei Grossverteilen verbinden die Jugendlichen mit dem Beruf, dass man vornehmlich das Gemüse in Kisten füllen muss.»

Ein Grund, weshalb diese Lehrstellen oftmals über mehrere Monate hinweg ausgeschrieben werden, sind die unsicheren Perspektiven. «Gerade in einer Zeit, in der an den Kassen das Bezahlen automatisiert wird, stellt sich einigen die Frage, ob der Beruf als Verkäufer in einem Supermarkt Zukunft hat», so Ziltener.

Im Gegensatz zur Lebensmittelindustrie werden die Ausbildungsstellen im Detailhandelsbereich in den Branchen Konsum-Elektronik, Mode und Sportartikel um einiges schneller vergeben. «Wenn man aufgrund seiner Hobbys oder seines privaten Umfeldes ein Interesse für eine gewisse Branche hegt, ist man bereit, auch mal längere Arbeitszeiten in Kauf zu nehmen», so Ziltener.

infogram: Lehrstellen im Fricktal

Sprachliche Schwierigkeiten

Unter den ersten drei der unbesetzten Ausbildungsplätze liegt auch der Beruf des Bürokaufmanns. Beliebt sei dieser zwar aufgrund der geregelten Arbeitszeiten, jedoch hat die Aussicht darauf, dass viele klassische Büroberufe in der Zukunft verschwinden werden und der gestiegene Akademisierungsgrad dazu geführt, dass die Attraktivität des Kaufmannberufs nachgelassen hat, erklärt Ziltener.

Stark gesucht sind angehenden Fachmänner im Betriebsunterhalt. Hier sind momentan noch sechs Lehrstellen, unter anderem auch im Wohn- und Pflegezentrum Stadelbach in Möhlin, zu vergeben.

«Einige der Bewerber haben schulische Defizite und Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache», sagt Ulrike Stoye-Lingg, Leitung der Hotellerie. Neben handwerklichem Geschick, körperlicher Belastbarkeit und Interesse an der Natur, sei jedoch gerade die Sprache eine wichtige Voraussetzung, weil die Arbeit «nicht im stillen Kämmerchen stattfindet, sondern man auch oftmals in Kontakt mit den Bewohnern der Institution steht».

Mangelndes Interesse besteht in erster Linie deswegen, weil viel junge Menschen denken, dass sie in diesem Berufsfeld keine Entwicklungschancen haben. Laut Lingg stimmt dies nicht:

«Fachleute im Betriebsunterhalt haben einige Weiterbildungsmöglichkeiten. Beispielsweise zum Hauswart und zum Leiter im Facility-Management.» Das Wohn- und Pflegezentrum Stadelbach nimmt noch bis Juni Bewerbungen entgegen.

Bauarbeiter mit Image-Problem

Die Fricktaler Bauunternehmungen suchen noch je fünf angehende Maurer und Strassenbauer. Bereits alle Lehrlingsstellen konnte die Erne AG Bauunternehmung in Laufenburg besetzten.

«Die Anzahl an Bewerben hat wie in den letzten Jahren gerade so für alle Stellen ausgereicht», sagt Yvonne Gredig, Leiterin der Unternehmensentwicklung & Marketing/Kommunikation.

«Leider ist es so, dass die Bauberufe oft mit einem negativen Image behaftet sind, obwohl sie höchst attraktiv sind und Weiterbildungsmöglichkeiten zum Bauführer oder Polier bieten.» Gerade deswegen versucht das Unternehmen mit Auftritten an Berufsschauen, junge Menschen von den Bauberufen zu überzeugen.

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