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Umfrage zeigt: E-Zigaretten-Nutzer lassen Todesfälle kalt

Zwischen 30 und 40 Prozent der Kunden, die Pascal Erdinger und Edda Fuhrmann in der «E-Garette» bedienen, sind aus dem Fricktal. Bild: dka

Zwischen 30 und 40 Prozent der Kunden, die Pascal Erdinger und Edda Fuhrmann in der «E-Garette» bedienen, sind aus dem Fricktal. Bild: dka

Fricktaler E-Zigaretten-Konsumenten dampfen nach den US-Todesfällen bedenkenlos weiter – potenzielle Neukunden sind abgeschreckt.

Die US-Gesundheitsbehörden schlagen Alarm: In den vergangenen Wochen mussten Hunderte Nutzer von E-Zigaretten mit Lungenerkrankungen ins Spital gebracht werden – einige von ihnen sind gestorben. Diese Nachricht sorgt auch unter Fricktaler E-Zigaretten-Konsumenten für Gesprächsstoff.

Davon weiss Edda Fuhrmann zu berichten. Die Mumpferin verkauft im «E-Garette» in Bad Säckingen alles rund um die E-Zigarette. Weil es im Fricktal kein Fachgeschäft für E-Zigaretten gibt, kommen viele «Dampfer» von Herznach bis nach Möhlin über die Grenze in den kleinen Laden nach Bad Säckingen, um sich einzudecken. «Das sind zwischen 30 und 40 Prozent unserer Kunden», sagt sie.

Weniger Neukunden aufgrund Verunsicherung

Konkret liessen sich die Auswirkungen der Schlagzeilen über die Todesfälle an der Zahl der Neukunden festmachen. Sind es für gewöhnlich zehn pro Woche – «meistens Raucher, die aus gesundheitlichen Gründen auf die E-Zigarette umsteigen» – sind es nach den Vorfällen in den USA nur noch fünf pro Woche gewesen. «Raucher, die umsteigen wollen, sind verunsichert, weil sie nicht einordnen können, ob es sich um ein generelles Problem der E-Zigaretten-Industrie handelt», so Fuhrmann.

Anders sehe es bei den Stammkunden aus, die das alles unbeeindruckt lasse. «Klar, einige sprechen das Thema an», so Fuhrmann, «die meisten wüssten jedoch, dass die Geschädigten dabei ein verunreinigtes Öl konsumiert haben, das sich in einem Liquid befand, das über den Schwarzmarkt erhältlich war», schiebt Geschäftsführer Pascal Erdinger nach.

Bei Liquid handelt es sich um die zu verdampfende Flüssigkeit, die mit oder ohne Nikotin erhältlich ist und mit Aromen versetzt wird. «Wir lassen uns von den Lieferanten den Nachweis erbringen, dass sie sich mit ihren Liquids an die vorgegebenen Richtlinien halten», so Erdinger.

Keinen einzigen Fall an Lungenerkrankung im letzten Jahr

Auf Anfrage beim Gesundheitszentrum Fricktal heisst es, dass die Pneumologie in den letzten Jahren keinen einzigen Fall einer Lungenerkrankung diagnostizieren konnte, deren Entstehung in einem (vermuteten) Zusammenhang mit dem Gebrauch einer E-Zigarette steht. Jedoch sagt GZF-Sprecherin Miriam Crespo, dass «aufgrund der fehlenden Langzeitstudien noch keine gesicherten Aussagen» zu den Auswirkungen von E-Zigaretten auf das Atemwegsystem möglich sind. Für Fuhrmann, die selbst E-Zigaretten-Nutzerin ist, ist jedoch klar, dass «das Dampfen die weitaus weniger schädliche Alternative zum Rauchen ist». Dementsprechend sind auch die Rückmeldungen von ehemaligen Rauchern, nachdem sie auf die E-Zigarette umgestiegen sind. «So manch einer berichtet uns, dass es ihm besser gehe», sagt Fuhrmann.

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«Mir ist das Herz in die Hose gerutscht»

Einer dieser Kunden ist der 30-jährige Julian Müller aus Frick. Der ehemalige Raucher ist seit zwei Jahren passionierter E-Zigaretten-Nutzer. «Als ich zum ersten Mal von den Todesfällen hörte, ist mir das Herz in die Hose gerutscht», sagt er. Doch dann sei er erleichtert gewesen, als er erfuhr, dass dahinter «kein generelles Problem steckt», das auch ihn beträfe. Seit der Umstellung auf die E-Zigarette habe er eine bessere Kondition und könne besser schmecken und riechen. Deswegen mache er sich auch über allfällige Langzeit-Folgen keine Gedanken. Aufhören mit dem E-Zigaretten-Konsum könne er momentan nicht, «weil ich irgendetwas brauche.»

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