Kaiseraugst

Trotz Schonzeit: Der Robotervogel fliegt bald wieder und vertreibt Krähen

Marcel Maurer, CEO der Firma Eagle Eye Multicopter Services GmbH, war mit dem Robotervogel «Robird» bereits letztes Jahr in der Kaiseraugster Liebrüti im Einsatz.

Marcel Maurer, CEO der Firma Eagle Eye Multicopter Services GmbH, war mit dem Robotervogel «Robird» bereits letztes Jahr in der Kaiseraugster Liebrüti im Einsatz.

Kaiseraugst setzt erneut auf den «Robird», um Krähen zu vergrämen. Der Kanton hat eine Ausnahmebewilligung erteilt.

Saatkrähen sorgen in der Kaiseraugster Liebrüti für Lärm und Verschmutzungen durch Kot. Deswegen sind sie vielen Anwohnern ein Dorn im Auge. Die Gemeinde hat reagiert und ein Drei-Säulen-Konzept mit Massnahmen zur Vergrämung, Dezimierung und zum Nahrungsentzug erstellt. Im Rahmen dieses Konzepts setzte man im letzten Sommer bereits einmal auf den Robotervogel «Robird» der Firma Eagle Eye Multicopter Services GmbH.

83-mal war der Roboterfalke im vergangenen August in der Luft. Dabei sorgte er für eine merkliche Reduktion der Krähen. Vor dem Einsatz habe der Bestand rund 250 Krähen umfasst, schrieb die Gemeinde damals in ihrem Fazit. Nach den «Robird»-Flügen und Abschüssen durch die Jagdgesellschaft zählte man noch rund 120 Exemplare und im Herbst stagnierte die Population bei rund 150 Krähen.

Ziel: Nestbau ausserhalb der Wohnsiedlung

Nun gibt es in der Liebrüti allerdings wieder mehr Saatkrähen. «Die Krähenpopulation hat sich seit dem Oktober 2019 wieder erholt und der Bestand ist auf ungefähr 200 Exemplare angewachsen», sagt der zuständige Gemeinderat Jean Frey. Die Lärmklagen der Bevölkerung bewegten sich denn auch «auf dem gewohnten Niveau». Deshalb kommt der Roboterfalke ab dem kommenden Dienstag erneut zum Einsatz.

Er soll täglich mehrmals in die Lüfte steigen und die Krähen vergrämen. Und dies, obwohl seit dem letzten Wochenende die Schonzeit für die Saatkrähen läuft. Denn: Die Gemeinde Kaiseraugst hat vom Kanton eine Ausnahmebewilligung für Flüge zu Beginn der Schonzeit erhalten. Der Einsatz ist für vier Wochen oder längstens bis die Krähen ihre Eier in die Nester gelegt haben geplant, wie Jean Frey sagt.

Lärmbelastung übersteigt das verträgliche Mass

Die Saatkrähen-Population habe sich in Kaiseraugst «innert kurzer Zeit etabliert und ist rasch gewachsen», sagt Erwin Osterwalder, Fachspezialist bei der kantonalen Sektion Jagd und Fischerei. Die Krähen brüteten mitten in der Wohnsiedlung Liebrüti. «Die damit verbundene Lärmbelastung und die flächendeckenden Kotverunreinigungen übersteigen dort das verträgliche Mass», begründet Osterwalder die Ausnahmebewilligung. Jetzt beginne dann der Nestbau der Krähen, so Osterwalder weiter.

«Mit der Vergrämung durch den ‹Robird› sollen die Saatkrähen dazu bewegt werden, ihre Nester auf Bäumen ausserhalb der Wohnsiedlung zu bauen.» Am Violenbach und Richtung Autobahn habe es geeignete Bäume und dort sei das Störungspotenzial viel kleiner. Die Massnahme sei «zumindest kurzfristig erfolgversprechend», ist Osterwalder überzeugt.

Matthias Betsche, Präsident von Pro Natura Aargau, sagt zur Ausnahmebewilligung: «Die Schonzeit ist da, um die Vögel zu schützen.» Um sich darüber mit Ausnahmebewilligungen hinwegzusetzen, brauche es «einen gewichtigen Grund». Der Kanton sei offensichtlich der Meinung, dass dieser gegeben ist. «Wichtiger jedoch: Die Saatkrähen sind leichte Beute der seltenen Wanderfalken.» Mit einem geeigneten Brutplatz in der Nähe für den Wanderfalken könnte die Saatkrähenkolonie wohl ohne jährlich wiederkehrende Kosten von ihrem exponierten Standort in eine besser geschützte Baumgruppe abgedrängt werden, so Betsche.

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Autor

Marc Fischer

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