Eheschliessungen im Fricktal
Trotz Corona stieg die Zahl der Hochzeiten: Und die Pandemie machte obendrein erfinderisch

In Laufenburg und Rheinfelden sagten im letzten Jahr 698 Personen Ja zueinander. Die Pandemie machte dabei erfinderisch.

Thomas Wehrli
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Sie sagten Ja: Selina und Mathias aus Kaisten mit Zeremonienleiterin Simone Gori.

Sie sagten Ja: Selina und Mathias aus Kaisten mit Zeremonienleiterin Simone Gori.

Sandra Ardizzone Photography (20. Mai 2017

698 wagten es 2020 und sagten: Ja. Die beiden Zivilstandsämter in Laufenburg und Rheinfelden stifteten im letzten Jahr insgesamt 344 Ehen. 5 Paare liessen zudem ihre Partnerschaft eintragen. Damit trauten sich im Coronajahr sogar elf Paare mehr als 2019, den Bund fürs Leben zu schliessen.

«Erstaunlicherweise gab es einige Paare, die gerade wegen Corona geheiratet haben», sagt Martina Wirthlin, Leiterin des Regionalen Zivilstandsamt Laufenburg. Ein Grund dafür war, dass sich die Paare gegenseitig absichern wollten. «Es gab auch Paare, die sagten, dass ihnen die Situation eigentlich ganz gut passe, da sie die ‹grosse Show› gar nicht wollten und das Ganze für sie so viel kostengünstiger ist.»

Weniger Hochzeiten an den Mai-Schnapszahl-Daten

Dem meisten aber machte ­Corona einen Strich durch die Festrechnung. Etliche verschoben ihre Hochzeit deshalb von Frühling in den Spätsommer oder Herbst – in der Hoffnung, dass dann vielleicht das grosse Fest doch möglich ist. An den sonst beliebten Schnapszahl-Daten, im letzten Jahr waren das im Frühjahr der 15.05.2020 und der 20.05.2020, blieb es in Rheinfelden mit je vier Trauungen ruhiger als erwartet.

Zwischenzeitlich gab es dann in der Tat ein gewisses Aufatmen: Waren während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 nur das Paar sowie die Trauzeugen zugelassen, konnte die Regelung im Sommer gelockert werden und es durften wieder 25 Personen an der Trauung teilnehmen. Inzwischen gilt aber die Vierer-Regel wieder.

Die meisten Ehen wurden in Laufenburg denn auch im Ju- li, August und September geschlossen. In Rheinfelden stellten sich der 28. August, der 4. September und der 2. Oktober mit je sieben Hochzeiten.

Plexiglasscheibe und ­Masken bei der Trauung

«Seit Beginn der zweiten Welle sind beim Betreten des Rathaussaales alle Personen angewiesen, Masken zu tragen», erklärt Romina De Nardo, stellvertretende Leiterin des Regionalen Zivilstandsamt in Rheinfelden, das aktuelle Prozedere. Das Brautpaar und die Zivilstandsbeamten sind während der Trauung durch eine Plexiglasscheibe getrennt. Das Brautpaar, die Trauzeugen sowie gegebenenfalls der Dolmetscher müssen seit dem 18. Januar während der ganzen Trauung die Masken anbehalten. «Das Brautpaar darf nur noch für die Identifizierung und für das Ja-Wort die Maske abnehmen», so De Nardo. Die Zivilstandsbeamten dagegen dürfen während der Dauer der Zeremonie die Maske abnehmen. Die Trauungen sind auf 15 Minuten beschränkt. Der Rathaussaal, wo die Trauungen stattfinden, wird zudem nach jeder Trauung desinfiziert.

Die meisten Paare sind verständnisvoll

Wie gehen die Paare mit dem Heiraten unter Coronaregime um? «Die meisten Brautpaare waren sehr verständnisvoll, da es ja um den Schutz von uns allen ging», sagt Wirthlin. Es habe aber auch einige wenige Paare gegeben, die etwas ungehalten und mit weniger Verständnis reagierten – «und einige, die ganz einfach enttäuscht waren, dass ihr ‹grosser Tag› nun so ganz anders als geplant verlief, wofür wir auch absolut Verständnis hatten.» Man habe aber jederzeit versucht, die Zeremonie für die Paare so angenehm wie möglich zu gestalten, so Wirthlin.

Auch De Nardo hat beobachtet, dass Corona zu Unsicherheiten bei den Brautpaaren führte, die bereits einen Termin reserviert hatten oder reservieren wollten. «In welchem Rahmen die Trauung stattfinden konnte, war auch für uns auf längere Sicht schwer voraus zu sagen», so De Nardo. Wer die Hochzeit nicht verschob, war «aber sehr verständnisvoll und hielt sich an die Regeln».

Trauungen wurden über das Handy übertragen

«Natürlich ist jede Trauung besonders», sagte De Nardo auf besondere Erinnerungen im ­Co- ronajahr angesprochen. «Doch Corona hat uns gelehrt, dass wir nicht alles als selbstverständlich nehmen dürfen.» Daher seien für sie die Trauungen im ersten Lockdown, ohne Gäste, eine spezielle Erfahrung gewesen. Die Paare hätten kurzfristig sehr flexibel sein müssen.

«Dieser grosse Tag möchte doch immer mit allen geteilt werden und dann war es plötzlich nicht mehr möglich, dass selbst die ganze Familie daran teilhaben kann», so De Nardo. Das habe die Paare zum Teil sehr emotional gemacht, aber auch kreativ. «So wurden dieses Jahr sehr viele Trauungen über das Handy, Laptop etc. übertragen.»