Herr Meier bezahlte seinen Wocheneinkauf in Badisch-Rheinfelden teuer. Regelmässig geht er ennet der Grenze einkaufen. Doch diese Woche wurde er im Parkhaus eines Einkaufsmarktes Opfer eines Trickdiebstahls. Der Täter entwendete ihm mit einem Griff ins Portemonnaie 900 Euro. «Ein Mann sprach mich an und fragte, ob ich ihm zwei Euro wechseln könnte», sagt das Diebstahl-Opfer, das eigentlich nicht Meier heisst, aber anonym bleiben möchte, gegenüber der AZ. Der Mann habe gebrochen Deutsch gesprochen, aber «einen ordentlichen Eindruck» gemacht. Sonst, so Meier, hätten vielleicht die Alarmglocken geläutet.

«Ich hatte zwar zwei Euromünzen, doch der Mann sagte, er brauche es noch kleiner», schildert Meier weiter. «Ich hatte das Portemonnaie immer in meinen Händen, doch der Mann griff kurz ins Münzfach.» Dabei habe er ihm unauffällig alle Euro-Noten entwendet. Der Mann verschwand dann rasch. «Als ich im Auto sass, hatte ich plötzlich ein schlechtes Gefühl», so Meier – ein Gefühl, das ihn nicht trog, wie ein Blick ins Portemonnaie bewies. Dass der Täter ihn bewusst als Opfer ausgewählt hat, weil er wusste, dass er 900 Euro im Portemonnaie hatte, glaubt Meier allerdings nicht. «Ich war alleine an der Kasse und man hat die Geldscheine nicht gesehen.»

Raffinierte Täterschaft

Meier ärgert sich. «Ich hätte nicht gedacht, dass mir das passieren könnte. Ich nerve mich, dass ich auf diese Masche hereingefallen bin.» Er habe sich nicht nur bei der Polizei gemeldet, sondern auch mit dem Einkaufsladen telefoniert. «Der Chef hat mir gesagt, dass das mehrmals pro Woche vorkomme», so Meier. Beim zuständigen Polizeipräsidium Freiburg sagt es Pressesprecher Dietmar Ernst so: «Beim Tatort handelt es sich um keinen Hotspot. Gleichwohl war es dort nicht der erste Vorfall.» Der sogenannte «Wechselfallenschwindel» sei ein bekanntes Kriminalitätsphänomen. «Es kam in diesem Jahr des Öfteren vor, insbesondere auf Grossparkplätzen grenznaher Einkaufszentren», so Ernst.

Die Täter suchten sich in aller Regel Senioren als Opfer aus, so Ernst weiter. «Es handelt sich um Profis, die entsprechend raffiniert agieren und denen nur schwer beizukommen ist.» Er gehöre in diese Alterskategorie, sagt der bestohlene 62-Jährige. «Wir wurden aber auch dazu erzogen, dass man hilfsbereit ist.» Nun sei genau diese Hilfsbereitschaft zum Handicap geworden. Durch den Diebstahl sei er nun «ein gebranntes Kind», sagt Meier. Er werde das nächste Mal sicher vorsichtiger reagieren.

Auch 60 Fälle im Aargau

Und noch etwas hat er sich für die Zukunft fest vorgenommen. «Ich nehme nur noch so viel Geld mit, wie ich für den Einkauf brauche», sagt er. Damit hält er sich künftig an den Tipp, den die Aargauer Kantonspolizei bei ihren Präventionshinweisen gegen Trickdiebstahl (siehe Box oben) an erster Stelle aufführt.

Denn nicht nur im grenznahen deutschen Raum sind derartige Trickdiebstähle bekannt. Auch die Aargauer Kantonspolizei stellt immer wieder solche Delikte fest, wie Sprecher Roland Pfister sagt. Die Zahlen seien aber in den letzten Jahren rückläufig. «Dieses Jahr wurden zirka 60 Fälle gemeldet», so Pfister. Besonders oft trete die Täterschaft bei Einkaufszentren oder an Bahnhöfen und Bushaltestellen in Aktion.

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