Wahlen 2019

Tradition, sympathische Politik und Steuern: das wollen die Fricktaler im Nationalrat bewegen

Für welchen Themen wollen die 55 Fricktaler in den Nationalrat gewählt werden?

Für welchen Themen wollen die 55 Fricktaler in den Nationalrat gewählt werden?

Die 55 Fricktaler Nationalratskandidaten sind im Wahlkampf-Endspurt. Doch weshalb spurten sie? Die AZ hat nach ihren Themen gefragt.

Endspurt. In zweieinhalb Wochen steht fest, wer es in den Nationalrat schafft – und damit auch: wer nicht. 55 Kandidierende aus dem Fricktal wollen nach Bern; bei den meisten, vielleicht auch bei allen, wird es beim Wollen bleiben.

Endspurt. Dabei lassen die Kandierenden noch das eine oder andere PR-Bömbchen hochgehen. So hangeln CVP-Kandidaten, darunter auch Marion Pfister aus Stein, für die Aktion #OriginaleamKandelaber an Strassenlaternen herum.

Gaby Gerber (FDP) turnt derweil lieber auf den SocialMedia-Kanälen herum und Désirée Stutz (SVP) bleibt «gradlinig, auch bei Gegenwind».

Endspurt. Doch wozu überhaupt? Wofür wollen sich die Kandidierenden nach einem – mehr oder weniger – originellen Wahlkampf in Bern einsetzen? Die AZ hat bei den Fricktaler Kandidaten, die auf einer der Hauptlisten der grossen Parteien stehen, nachgefragt, welches ihre Hauptthemen in Bern sind – oder besser: wären.

Die Antwort von SVP-Nationalrat Maximilian Reimann lässt sich aus der Liste ableiten, für die er diesmal antritt: das Team65+. Auch die älteren Jahrgänge gehörten angemessen in den Parlamenten vertreten, findet er.

«Da sind die Ü65-Jährigen aber masslos untervertreten.» Der schleichenden Diskriminierung der älteren Generation müsse Einhalt geboten werden.

Désirée Stutz nennt als Hauptthemen viele SVP-Klassiker wie die Beziehungen zur EU, den Erhalt der direkten Demokratie oder die Selbstbestimmung. Weshalb diese Themen?

«Weil sie aktueller denn je sind und weil die Verkündungen aus Bern zeigen, dass offenbar noch nicht alle verstanden haben, welche Auswirkung die Unterzeichnung eines Rahmenabkommens auf unsere Tradition und unser bewährtes Politsystem hat.»

Die Bürger haben das letzte Wort

Ganz ähnlich tönt es bei ihrem Parteikollegen Christoph Riner. Er hat sich die Freiheit und die Unabhängigkeit der Schweiz auf die Wahlfahne geschrieben. Wir müssten Sorge tragen
zur direkten Demokratie mit ihren Mitbestimmungsrechten, mahnt der SVP-Politiker.

«In der Schweiz bestimmen die Bürgerinnen und Bürger selber, was sie wollen und was sie nicht wollen, nicht irgendein Präsident oder Politiker.»

Gaby Gerbers (FDP) Liste, die sie der AZ auf die Frage nach ihren Hauptthemen mailt, ist lang – und breit. Das Stichwort liberale Wirtschaftspolitik findet sich ebenso darauf wie Nachhaltigkeit und Umweltschutz, Digitalisierung oder Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Sie wisse aus eigener Erfahrung, was es brauche, Beruf und Familie zu vereinen, begründet Gerber, die bei Feldschlösschen in einer Kaderposition arbeitet. «Die Art der Familiengestaltung sollte jedem freigestellt sein», ist sie überzeugt.

«Aber wir müssen auch die Möglichkeiten schaffen, dass Frauen mit Kindern, die im Berufsleben bleiben möchten, dies tun können.» Sie ist überzeugt: «Die Wirtschaft braucht die Frauen.»

Ihr Parteikollege Bruno Tüscher bezeichnet neben der Sicherheitspolitik ebenfalls die Digitalisierung als ein zentrales Thema. «Die Bürger werden heute immer agiler – dies kann in den Verwaltungen nur mittels Digitalisierung und einer Verschlankung der Prozesse erreicht werden», ist er überzeugt.

Rolf Schmid (SP) beantwortet die Frage in Stichworten: «Integrations- und Migrationspolitik, Umweltthemen, Wirtschaft/Steuern und der technologische Wandel.» Seine Parteikollegin Carole Binder-Meury hat als Lehrerin eine besondere Affinität zu Bildungsthemen.

Wichtig sind ihr aber auch ein bezahlbares Gesundheitswesen und «faire Arbeitsbedingungen und Perspektiven für alle in jedem Lebensabschnitt».

Politik wieder sympathischer machen

Die CVP hat als einzige der grossen Parteien drei Fricktaler auf der Hauptliste. Unternehmer Alfons P. Kaufmann erachtet KMU-Themen als wichtig, aber auch die Bildung, Familienthemen, das Gesundheitswesen und die Sozialwerke.

Letztere weil sie «in den nächsten Jahren enorm wichtig und entscheidend sind für unser Land, unsere Gesellschaft und vor allem für unsere nächste Generation».

Parteikollege Werner Müller sieht in den Rahmenbedingungen für die Wirtschaft, im Erhalt von Arbeitsplätzen, in der Stärkung des dualen Bildungssystems, in einer sicheren und nachhaltigen Energieversorgung und einem haushälterischen Umgang mit den Staatsfinanzen «Themen, die für eine erfolgreiche Schweiz sehr wichtig sind».

Ein sympathisches Anliegen verfolgt die dritte CVP-Kandidatin im Bunde, Marion Pfister. «Eines meiner Hauptthemen ist, Politik wieder sympathischer zu machen», sagt sie. Ihr fehle das Vertrauen der Menschen in die Politik und «mich erschreckt, wie wenig Respekt und Achtung Politikern entgegengebracht wird».

Es gebe so viele Menschen, die sich engagieren ohne irgendeine (finanzielle) Gegenleistung. «Die Parteien leisten zudem einen grossen Anteil an politischer Bildung und besetzen zu grossen Teilen die Ämter in Gemeinden und im Kanton», so Pfister.

Gleichzeitig seien die Erwartungen an die Politik immens. «Man hat das Gefühl, die Menschen erwarten, dass die Politik alleine die Probleme lösen kann, und sehen kaum, dass die Gesellschaft als Ganzes auch eine gewisse Verantwortung hat und die Politik letztlich auch umsetzt, was die Gesellschaft bereit ist anzunehmen.»

Gertrud Häseli (Grüne) beantwortet die Frage nach den Hauptthemen wahlkämpferisch prägnant: «Klima und CO2, Bio-Landwirtschaft, Frauen/Gleichberechtigung, Kritik am ungebremsten Wirtschaftswachstum.» Sie ist überzeugt: «Weniger ist mehr und macht alle zufriedener.»

Der zweite grüne Fricktaler auf der Hauptliste, Andreas Fischer, setzt auf ein «Zauberwort»: zukunftsfähig. «Die Befriedigung unserer heutigen Bedürfnisse darf die Ressourcen kommender Generationen nicht schmälern», mahnt er.

Innerhalb dieses «grossen Themenkomplexes» hat er sich drei Schwerpunkte gesetzt: «Energiewende jetzt», «in Köpfe investieren», womit er sich gegen einen Abbau bei Bildungs- und Kulturausgaben ausspricht, sowie «Gleichberechtigung».

KMU und Arbeitende steuerlich entlasten

Michael Derrer (GLP) will primär die Wirtschaft aktiv gestalten. «Wir müssen die Marktwirtschaft beim Wort nehmen und auf deren Durchsetzung zum Wohle der ganzen Gesellschaft pochen.»

Das heisst für ihn: «Kein Systemwechsel und auch kein Weitermachen wie bisher, sondern das Gute in unserem System hervorheben und das Schlechte zurückdrängen.»

Dazu gehört für ihn, dass keine Gewinne auf Kosten der Umwelt und der Gesellschaft gemacht werden, dass KMU und arbeitende Menschen steuerlich entlastet werden – «das fördert Fleiss und Innovation» – und dass politische Akteure ihre Interessen und Verflechtungen vorbehaltlos offenlegen.

Seine Parteikollegin Béa Bieber benennt Klima- und Umweltpolitik, gekoppelt an die Wirtschaftspolitik, als eines ihrer Hauptthemen.

«Klima- und Umweltpolitik ist mir bei meinen ehrenamtlichen Engagements seit langem nahe», sagt sie. Zentral sind für sie zudem Familien- und Gesundheitsthemen.
Themen haben die Fricktaler Kandidaten also zuhauf. Na dann: guten Endspurt.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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