Gansingen

Tödlicher Unfall wegen fehlender Sicht? LKW-Fahrer hatte kaum Chancen, Kollision zu verhindern

83-Jähriger stirbt bei Autounfall in Gansingen

83-Jähriger stirbt bei Autounfall in Gansingen: Der Beitrag von "Tele M1".

Fassungslos sei er gewesen, als er am Freitagnachmittag vom Tod eines Gansingers erfuhr. «Das ist tragisch. Die ganze Gemeinde ist tief bestürzt», sagt Gemeindeammann Mario Hüsler.

Der 83-Jährige wollte am Freitag, kurz vor 17 Uhr, mit seinem Auto von der Waldstrasse nach links in Richtung Remingen auf die Bürersteigstrasse abbiegen, als ein Lastwagen, der auf der Bürersteigstrasse nach Gansingen herunterfuhr, sein Auto rammte. Durch den Aufprall wurde das Auto von der Fahrbahn auf eine abfallende Wiese geschleudert. Der 83-jährige Fahrer verstarb noch an der Unfallstelle.

Hüsler sagt über den Verunfallten, dass mit ihm auch ein Stück Wissen über die Historie des Dorfes verloren ginge. «Er wusste viele Geschichten von damals zu erzählen», sagt Hüsler. Praktisch alle der Dorfbewohner jenseits der 50 hätten den Verunfallten gekannt. «Er war im Chor, hat im Theater gespielt und die Stromzähler in den Haushalten abgelesen.» Auch erinnert sich Hüsler daran, wie der Verunfallte früher als Dorfpolizist in den Beizen dafür gesorgt hat, dass die Sperrstunden eingehalten wurden.

Vom Waldweg wollte der Verunfallte auf die Bürersteigstrasse abbiegen.

   

«Alles wie im Film abgelaufen»

Dominik Zumsteg, Oberleutnant der Feuerwehr Mettauertal-Gansingen, war als einer der ersten Einsatzkräfte am Unfallort und leitete den Einsatz. «Der ehemalige Feuerwehrkommandant ist mit dem Verunfallten verwandt gewesen», sagt er. Deshalb seien ihm bei der Bergung schon mal Gedanken durch den Kopf gegangen, was man zu den Angehörigen sagen solle und wie diese es auffassen. Trotzdem, so Zumsteg, sei die Bergung «wie in einem Film abgelaufen».

Für Polizeisprecher Bernhard Graser ist klar, dass der Lastwagenchauffeur auf der Kantonsstrasse, auf der eine Tempolimite von 80 gilt, «kaum mehr eine Chance hatte», zu bremsen oder auszuweichen und damit die Kollision zu verhindern. «Durch eine Rechtskurve und eine Waldböschung war die Sicht des Lastwagenchauffeurs auf die einmündende Waldstrasse beeinträchtigt», sagt Graser.

Laut Daniel Schwerzmann, Leiter beim Verkehrsmanagement des Kantons, nehme man diesen Vorfall sehr ernst. Massnahmen, um die Verkehrssicherheit an der Einmündung zu erhöhen, werde man vorerst nicht ergreifen. So handle es sich erstens bei der Waldstrasse um eine Nebenverkehrsfläche, die mit einem Fahrverbot belegt ist und für die andere Sichtvorgaben gelten als für eine öffentliche Strasse. Zweitens würde man mit der Kantonspolizei im Austausch stehen und Massnahmen dann einleiten, wenn die Ermittlungsergebnisse der Polizei dazu Anlass gäben.

«Nicht in Hysterie verfallen»

Gemäss Hüsler werde die Waldstrasse hin und wieder von Personen befahren, die dort Wald besitzen und damit auch eine Berechtigung dazu haben – auch der Verunfallte besass dort Wald. «Zu vergleichbaren Unfällen ist es bisher an dieser Einmündung nicht gekommen», sagt Hüsler. Zwar sei der Vorfall tragisch, man dürfe deswegen «nicht in Hysterie verfallen». Unglücklich ist für Hüsler auch die Tatsache, dass der Verunfallte mit einem Auto unterwegs war, dessen Höchstgeschwindigkeit auf 45 Kilometer in der Stunde begrenzt war.

Förster Alfred Bühler bezeichnet die Sichtverhältnisse an der Einmündung als schlecht. «Gerade, wenn man mit dem Traktor oder mit einem Anhänger voller Holz auf die Bürersteigstrasse abbiegt, muss man gut aufpassen.» Massnahmen hält er aber für kaum umsetzbar. «Dann müsste man die Böschung abtragen. Das wäre jedoch unverhältnismässig.»

Graser sagt, dass man nach diesem tragischen Unfall keine zu schnellen Schlüsse hinsichtlich einer Reduzierung des Tempolimits auf der Bürersteigstrasse ziehen dürfe. «Solche Waldwege, die ausserorts in Kantonsstrassen einmüden, gibt es zu Hauf. Ein ähnlicher Unfall hätte sich genauso gut irgendwo im Freiamt oder im Murgenthal abspielen können», so Graser.

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Autor

Dennis Kalt

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