Landwirtschaft

Tödliche Gefahr für Kühe: Fricktaler Bauern fordern höhere Littering-Bussen und Dosenpfand

Alle zwei Monate ist der Behälter voll: Landwirt Patrick Gasser sammelt regelmässige den Müll auf seiner Weide ein.

Die Landwirte werden selber aktiv und sammeln den Müll ein, um zu verhindern, dass die Kühe erkranken. Die Bevölkerung müsse mehr sensibilisiert werden, ist ihre Meinung.

Auf dem Eichhof in Herznach von Familie Gasser sorgt das rücksichtslose Verhalten so manch eines Autofahrers für Unmut. Immer wieder landen Glasflaschen, Plastikmüll und Aludosen, die achtlos aus dem Fenster geworfen werden, auf der Wiese entlang der Strasse. «Das ist eine Katastrophe», sagt Landwirt Werner Gasser.

Gerade Aludosen von Bier- oder Energy-Getränken können für Kühe einen tödlichen Ausgang haben: Diese würden von den Erntemaschinen erfasst, zerschnitten und landeten im konservierten Futter wie Heu oder der Grassilage, sagt Werner Gasser. «Werden diese messerscharfen Teile vom Rindvieh zusammen mit dem Futter verschlungen, kann das zu schlimmen Verletzungen im Verdauungstrakt der Tiere führen und im schlimmsten Falle zu deren Tod.»

Neben dem Leid des Tieres geht mit der Verendung auch ein immenser wirtschaftlicher Schaden einher. «Eine Kuh hat einen Wert von zwischen 4500 und 7000 Franken. Müssen wir sie vorzeitig zum Schlachter bringen, bekommen wir im besten Fall noch 1000 Franken», sagt Werner Gasser.

Mehrere Fricktaler an Aktion von Bauernverband beteiligt

Um auf diese Problematik aufmerksam zu machen, hat der Aargauer Bauernverband 50 «Mahnmale» an viel befahrenen Strassen, welche die Bevölkerung zu mehr Disziplin und Ordnung aufrufen sollen, aufgestellt. Es handelt sich um ein Sammelgitter, versehen mit zwei Littering-Plakaten. Diese zeigen eine Kuh mit der Aussage «Abfall macht mich krank».

Die mitwirkenden Landwirte füllen die Gitter nach und nach mit dem auf ihren Feldern gesammelten Müll. Dazu gehört auch Patrick Gasser, der den Eichhof leitet. «Es geht rund zwei Monate, bis das rund 300 Liter fassende Sammelgitter voll ist», sagt er.

An der Aktion beteiligt sich auch Landwirt Bruno Wirth, der auf dem «Buurehof» in Olsberg Wasserbüffel züchtet. «Gerade, wenn ich am Mähen bin, halte ich die Augen offen, um zu verhindern, das Fremdstoffe in das Futter kommen», sagt er.

Dies koste zwar Zeit, sei aber notwendig, um für das Wohl der Wasserbüffel Sorge zu tragen. «Neben Dosen und Plastikmüll finde ich auch ab und an Hundespielzeug auf der Wiese», so Wirth.

Auch Patrick Gasser sammelt, bevor er anfängt, die Weide zu mähen, rund 30 Minuten den Abfall ein. «Man findet dort alles – vor allem McDonald’s-Verpackungsmüll und Aludosen.» Seit die Mahnmale stehen, habe sich die Situation nur in der Nähe des Stop-Littering-Schildes ein wenig verbessert.

Viele ignorierten die Aufforderung jedoch und würden ihren Müll in einem unbeobachteten Moment nach dem Motto «aus den Augen aus dem Sinn» aus ihrem Fenster werfen, so Patrick Gasser.

Deswegen fordert er eine drastische Erhöhung der Bussen für Littering, das derzeit im oberen Fricktal mit 100 Franken geahndet wird. «Eine Busse von 500 oder 1000 Franken hätte eine wesentlich abschreckendere Wirkung», sagt er.

Mahnmale sollen Bevölkerung sensibilisieren

Wirth hofft, dass die Kuh-Littering-Plakate die Bevölkerung für dieses Problem sensibilisieren. «Manch einer ist sich sicher noch nicht bewusst, was eine aus dem Fenster geworfene Dose bei einem Tier anrichten kann.»

An der Stop-Littering-Aktion hat sich auch Roland Steinacher vom Sinzematthof aus Gansingen beteiligt. «Das Mahnmal hat nichts gebracht», sagt er. Die Personen hätten ihren Abfall nach wie vor aus dem Fenster geworfen. Um dies einzudämmen, müsse man finanzielle Anreize setzen. «Wenn man etwa ein Dosenpfand einführen würde, dann würden auch weniger Dosen achtlos weggeworfen werden», sagt Roland Steinacher.

Befürworter eines Dosenpfandes ist auch der Schupfarter Vizeammann und Landwirt Andy Steinacher. «Leider wehrt sich unsere Wegwerfgesellschaft noch dagegen.» Zu der Littering-Situation im Dorf sagt er, dass diese sich seit einigen Jahren aufgrund der Aktion «Sauberes Schupfart», bei der im Frühling im Kollektiv der Müll entlang der Strassen gesammelt wird, verbessert habe. «Solche Aktionen haben einen erzieherischen Effekt. Gerade, wenn man sieht, wie viel da an einem Tag zusammenkommt», so Andy Steinacher.

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