Eigentlich sei er dafür, dass der Gemeinderat den Stimmberechtigten ein klares Projekt zur Abstimmung vorlege und nicht mehrere Varianten, sagte der Sissler Gemeindeammann Rainer Schaub an der Gemeindeversammlung. Trotzdem habe man sich nun für einmal anders entschieden. «Es kommt also zu einer Premiere», so Schaub. Der Gemeinderat legte nämlich den Kreditantrag über 970'000 Franken für die Erneuerung der Bodenacker- und Winkelackerstrasse inklusive der Erneuerung der 60 Jahre alten Wasserleitung in zwei Varianten vor. Einerseits mit einer Begegnungszone, in der in der Bodenackerstrasse Tempo 20 gilt, andererseits mit einer Tempo-30-Zone.

Bussen für Besucher?

«An den Informationsveranstaltungen zeigte sich, dass in der Bevölkerung keine eindeutige Meinung herrscht», sagte Schaub. «Der Sanierungsbedarf ist unbestritten. Weil wir nicht mehrere Runden drehen wollen, stellen wir nun die beiden Anträge einander gegenüber.» Die anfallenden Kosten seien in etwa identisch. Der Gemeinderat selber favorisierte die Begegnungszone. 2010 sei diese bereits einmal beschlossen worden, führte Gemeinderat Jean-Marc Rechsteiner aus. «Es wurden damals Markierungen angebracht», sagte er. Die baulichen Gegebenheiten habe man allerdings noch nicht angepasst. Der Gemeinderat sehe zudem mit Tempo 20 eine geringere Unfallgefahr.

Die Stimmen aus der Versammlung – meist Anwohner – unterstützten dagegen eher die Tempo-30-Variante. Ein Votant befürchtete, dass eine Begegnungszone in der Bodenackerstrasse nur der Anfang sein könnte und plötzlich auf allen Quartierstrassen Tempo 20 gelten könnte. Überdies befürchtete er, dass für auswärtige Automobilisten Tempo 20 ungewohnt sei. «Hallenbadbesucher sind dann in diesem Abschnitt bussengefährdet», sagt er und forderte die Anwesenden auf: «Stimmen Sie für eine einheitliche Tempo-30-Lösung.» Ein anderer Einwohner sah die Kinder auch in einer Begegnungszone in Gefahr. «Sie wissen nicht, wie sie sich in einer Begegnungszone verhalten müssen.»

Was sich in den Voten angedeutet hatte, manifestierte sich in den Abstimmungen. In der Gegenüberstellung der beiden Varianten setzte sich die Tempo-30-Lösung deutlich mit 81:18 durch. In der Schlussabstimmung erhielt sie gar 92 Ja-Stimmen. Obwohl der Souverän nicht die vom Gemeinderat favorisierte Lösung wählte, sagte Schaub nach der Abstimmung: «Ich bin froh, liegt jetzt ein Entscheid vor. Nun können wir das Projekt endlich umsetzen.»

Ja zu Landkauf und Budget

Kaum zu Wortmeldungen Anlass gaben die übrigen Traktanden der Gemeindeversammlung. Die Stimmberechtigten sagten mit grossem Mehr Ja zum Kauf der 3574 Quadratmeter grossen Bauland-Parzelle im Gebiet Rüti für gut 1,3 Millionen Franken. Es sei immer eine Gratwanderung, wo eine Gemeinde eingreifen und wo sie Landverkäufe dem freien Markt überlassen solle, sagte Schaub. «Hier sind wir der Meinung, dass es sinnvoll ist einzugreifen.» So könne man Einfluss auf die Entwicklung des Baugebiets nehmen, das in einer nächsten Etappe erschlossen werden soll. «Dann kommen pro Quadratmeter nochmals 50 bis 60 Franken Erschliessungskosten auf uns zu», führte Schaub aus.

Das Budget für das Jahr 2019 sieht bei gleichbleibendem Steuerfuss von 80 Prozent einen Aufwandüberschuss von knapp 130'000 Franken vor. Dies sei kein Anlass zur Sorge, sagte Schaub. «Wir haben schon öfter einen Verlust budgetiert, nur einmal wies die Rechnung dann wirklich einen Verlust aus.» Ausserdem sei die Gemeindeinfrastruktur à jour und es gebe keinerlei Anzeichen für eine Steuererhöhung. Der Souverän genehmigte das Budget dann auch mit grossem Mehr.