Fricktal

Stabile Quote: Sozialhilfefälle ziehen in die Zentren

Die Fricktaler Sozialämter betreuten 2018 insgesamt 1648 Personen. (Symbolbild)

Die Fricktaler Sozialämter betreuten 2018 insgesamt 1648 Personen. (Symbolbild)

Die Sozialhilfequote blieb 2018 in den Fricktaler Bezirken stabil. Die höchsten hatten Laufenburg und Rheinfelden.

Die Sozialhilfequote im Aargau ist im letzten Jahr erstmals seit mehreren Jahren nicht gestiegen. Dies zeigt die Sozialhilfestatistik, die am Montag publiziert wurde. Während die Quote kantonsweit um 0,1 auf 2,2 Prozentpunkte sank, blieb sie im Fricktal zumindest stabil.

Traditionellerweise hat der Bezirk Rheinfelden mit den beiden urbanen Zentren Rheinfelden und Möhlin dabei eine höhere Quote; sie lag 2018 bei 2,3 Prozentpunkten, im oberen Fricktal bei 1,8. Insgesamt bezogen im Bezirk Laufenburg 571 Personen Sozialhilfe, im unteren Fricktal waren es 1077. Hinzu kommen die Personen aus jenen fünf Gemeinden, die wegen zu geringen Fallzahlen aus Datenschutzgründen nicht ausgewiesen sind.

Die höchste Sozialhilfequote im Fricktal hatte 2018 Laufenburg; hier stieg sie gegenüber 2017 sogar um 0,4 auf 3,9 Prozentpunkte. Die Quote sei aufgrund von Zuzügern gestiegen, erklärt Stadtschreiber Marco Waser, weist aber zugleich darauf hin, dass die Fallzahlen im Verlauf dieses Jahres «massiv reduziert» werden konnten.

Nach den Gründen für die vergleichsweise hohe Quote nennt Waser die Zentrumsfunktion und die Grenznähe zu Deutschland, aber auch das Angebot an günstigem Wohnraum und günstigen möblierten Zimmern, «welche die Fallzahlen in den letzten Jahren überproportional steigen liessen».

Die Stadt hat auf die Entwicklung reagiert und mit Liegenschaftsbesitzern Gespräche geführt. «Diese Gespräche haben bereits Früchte getragen», so Waser. Sprich: Liegenschaften werden saniert und aufgewertet. Gleichzeitig erwarb die Gemeinde im Rahmen des Investitionskonzepts zwei Liegenschaften in der Altstadt, die saniert werden. Eine dritte sanierungsbedürftige Liegenschaft in Sulz wurde ebenfalls bereits gekauft.

Ausbezahlt hat sich auch der Zusammenschluss der Sozialämter von Stein, Laufenburg und Gansingen, was laut Waser zu einer Professionalisierung geführt hat. «Gerade für die Handhabung der immer komplexer werdenden Fälle bringt diese Professionalisierung klare Vorteile mit sich.» So konnten zahlreiche Klienten dank einer engen Begleitung in den Arbeitsmarkt reintegriert werden.

Leicht, um 0,1 Prozentpunkte, ist die Sozialhilfequote in Rheinfelden gestiegen. Das Zähringerstädtchen hat damit die zweithöchste Sozialhilfequote im Fricktal. Die vergleichsweise hohe Quote führt Stadtschreiber Roger Erdin unter anderem auf die Gemeindegrösse zurück.

Die urbane Struktur mit der Nähe zu Basel und damit verbunden eine gewisse Anonymität begünstigen laut Erdin, dass mit 507 Personen verhältnismässig viele Sozialhilfeempfänger in Rheinfelden leben. Das Angebot an günstigem Wohnraum habe dabei ebenfalls einen wesentlichen Einfluss. «In unserem Falle betrifft dies aber weniger ein konkretes Quartier als vielmehr vereinzelte Mehrfamilienhäuser in verschiedenen Quartieren, die günstigen Wohnraum anbieten», so Erdin.

Als zentrale Massnahme, mit der eine Gemeinde einen gewissen Einfluss auf die Zahl der Sozialhilfebezüger nehmen kann, sieht der Stadtschreiber die Integration von Sozialhilfebeziehenden in den Arbeitsmarkt. «Die Stadt Rheinfelden investiert deshalb sehr viele Mittel in Arbeitsintegrationsprogramme», so Erdin.

Hierfür arbeitet die Stadt mit verschiedenen Institutionen zusammen. «Dabei werden die Teilnehmenden individuell gefördert und trainieren wichtige Kompetenzen und Fähigkeiten für den Arbeitsmarkt.»

Netzwerk zu Arbeitgebern hilft bei der Vermittlung

In Frick, der Fricktaler Gemeinde mit der dritthöchsten Sozialhilfequote, stieg die Quote um 0,2 auf 3,2 Prozentpunkte. Wie schon Erdin sagt auch der Fricker Gemeindeschreiber Michael Widmer, dass sich konkrete Gründe für Schwankungen in diesem Bereich nicht benennen lassen.

Für zentral, um die Zahl der Sozialhilfebezüger zu senken, hält auch Widmer die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt. «Unsere Abteilung Soziales engagiert sich nach wie vor stark bei der Vermittlung von Sozialhilfeempfangenden in Arbeitsprogramme oder – wo dies möglich ist – direkt in den ersten Arbeitsmarkt», sagt der Gemeindeschreiber. «Dazu pflegt sie ihr Netzwerk zu Arbeitgebern und versucht, dieses nach Möglichkeit noch zu erweitern.»

Die Sozialhilfequoten der Aargauer Gemeinden im Vergleich

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Grafik: Dominic Kobelt.Fullscreen-Modus

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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