Rheinfelden

«Soziale Gerechtigkeit ist nicht, wenn der Regen auf alle gleich runterregnet»

Auch Nationalrat Cédric Wermuth und Kandidatin Colette Basler (Bildmitte) haben am Demomarsch zum Inseli teilgenommen.

Auch Nationalrat Cédric Wermuth und Kandidatin Colette Basler (Bildmitte) haben am Demomarsch zum Inseli teilgenommen.

Wetterfeste Fricktaler nahmen gut gelaunt an der Feier zum 1. Mai teil. SP-Nationalratskandidatin Colette Basler, SP-Grossrat Kurt Emmenegger oder auch SP-Nationalrat Cédric Wermuth forderten die Weiterentwicklung der sozialen Gerechtigkeit.

Rund dreissig Kundgebungsteilnehmer trafen sich gestern trotz Regen in Rheinfelden zum Demomarsch der Fricktaler Feier zum 1. Mai. Gemeinsam gingen sie durch die Marktgasse und über die Brücke aufs Inseli. Die Stimmung liess man sich vom schlechten Wetter nicht verderben. «Die Gewerkschaftler sind ziemlich hart im Nehmen», schmunzelte Claudia Rohrer, Nationalratskandidatin und Parteipräsidentin der SP Rheinfelden. Anschliessend fand eine offizielle Feier mit Spaghettiessen statt.

Poesie für soziale Gerechtigkeit

Auf dem Inseli rezitierte Colette Basler, Nationalratskandidatin der SP Laufenburg, ein eigens geschriebenes Gedicht. «14 Franken Stundenlohn? Das ist doch wirklich Spott und Hohn», sagte sie darin. Vor allem kritisierte sie das Ausgrenzen und appellierte zum Hinschauen und Handeln. Gerechtigkeit im Sozialen solle nicht bloss eine Phrase vor den Wahlen sein.

Ebenfalls auf dem Inseli traf man die Kollegen aus Deutschland. Katrin Distler, Präsidentin vom Interregionalen Gewerkschaftsrat Dreiländereck, ermahnte, dass die Feier des 1. Mais keineswegs bloss ein Andenken an ein historisches, längst vergangenes Ereignis sei. Die Gerechtigkeit für Arbeitnehmer sei nach wie vor sehr aktuell. Das bestätigte auch Claudia Rohrer in ihrer Ansprache: «Schutz zu suchen, war wohl eines der ersten Bedürfnisse des Menschen. Soziale Gerechtigkeit ist nicht, wenn der Regen auf alle gleichermassen runterregnet. Das ist zwar gerecht, hat aber nichts mit Gesellschaft zu tun.»

Die Aktualität des Tages der Arbeiterbewegung betonte auch Kurt Emmenegger, Präsident des Aargauischen Gewerkschaftsbundes und SP-Grossrat. Man sei nach wie vor weit entfernt von sozialer Gerechtigkeit. «Es geht nicht nur um Bewahrung des Erreichten. Es geht um dessen Weiterentwicklung, unabhängig von der Herkunft und jenseits der nationalen Grenzen», erklärte er in seiner Rede an der offiziellen Feier. Weiter führte er aus: «Soziale Gerechtigkeit meint gute Löhne und Renten, gute Arbeitsbedingungen, sichere Arbeitsplätze und Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen. All das ist in der Schweiz wirtschaftlich möglich. Es ist eine Frage des Willens.»

Kampf um Reichtum für alle

An der offiziellen Feier hielt auch Cédric Wermuth, SP-Nationalrat, eine Rede. Darin nahm er Bezug auf die verschiedenen aktuellen Krisen in der Welt. «Unsere Gesellschaft ist heute an einem Punkt, an dem die Ohnmacht universell scheint: Flüchtlingskrise, Umweltkrise, Klimakrise, Krim-Krise, Wirtschaftskrise. Wer von uns ist am schieren Zustand dieses Planeten nicht schon mindestens einmal fast verzweifelt?», so Cédric Wermuth.

Dennoch lohne es sich, für den Traum einer Schweiz, in der alle statt nur wenigen am Reichtum teilhaben, zu kämpfen. Ein Kampf, der noch ausgefochten werden muss. «Das oberste Prozent verdient heute 40 Prozent mehr als noch vor 20 Jahren, der mittlere Lohn hat knapp einen Viertel davon zugelegt.» Er als Co-Präsident der SP Aargau träume täglich von «einer Schweiz, die ihre Sozialversicherungen als Errungenschaft betrachtet, nicht als Kostenfaktor.»

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