Das Fricktal wächst stark – und wird immer älter. Dies zeigt ein statistischer Vergleich der AZ für die Jahre 1972 und 2017. Danach lebten in den beiden Fricktaler Bezirken vor 47 Jahren 44 513 Personen, Ende 2017 waren es schon 79 833. Das entspricht einem Wachstum von gut 79 Prozent. Das untere Fricktal wuchs dabei effektiv wie prozentual stärker, nämlich um 22 463 oder gut 89 Prozent. Das stärker ländliche obere Fricktal zählte Ende 2017 12 857 Einwohner mehr. Das entspricht einer Zunahme von knapp 67 Prozent.

Die erstaunlichste Zahl ist aber eine andere: Die Zahl der unter 20-Jährigen hat im Vergleich der beiden Jahre nicht nur prozentual abgenommen, was aufgrund der längeren Lebenszeiten zu erwarten war. Sie ist auch effektiv zurückgegangen – trotz grossem Bevölkerungswachstum. Vor 47 Jahren lebten im Fricktal 16 055 Kinder und junge Erwachsene unter 20 Jahren, 2017 waren es nur mehr 15 911. Das sind 144 weniger als vor 47 Jahren.

Ganz unterschiedlich haben sich dabei die Bezirke entwickelt: Im oberen Fricktal ging die Zahl der unter 20-Jährigen um 739 zurück, im unteren dagegen stieg ihre Zahl um 595 an. Verantwortlich für diese Dynamik nach oben ist im Bezirk Rheinfelden insbesondere eine Gemeinde: Kaiseraugst. Lebten hier 1972 erst 431 unter 20-Jährige, waren es Ende 2017 deren 1108.

Eine Erklärung für das stattliche Plus von 677 jungen Menschen – das entspricht einem Plus von 157 Prozent – bietet eine andere Zahl, jene der Einwohner. Sie lag 1972 bei 1229 Personen, schnellte bis Ende 2017 auf 5576 Personen hoch. Damit war Kaiseraugst 1972 nur die zwölftgrösste Gemeinde im Fricktal, Ende 2017 lag sie dann einwohnermässig hinter Rheinfelden und Möhlin auf Rang 3 – noch vor Frick, der einwohnerstärksten Gemeinde im oberen Fricktal.

Die Gemeinde hat ihre Einwohnerzahl in dieser Zeit somit um satte 354 Prozent gesteigert. Gründe für diese Dynamik gibt es mehrere. Einer ist die Nähe zu Basel und die gute Erreichbarkeit der Stadt; dies sorgte für viele Zuzüger. Ein zweiter ist der Bedeutungsgewinn der Pharmaindustrie. Mit den Arbeitsplätzen kamen auch die Einwohner.

Ein derartiges Wachstum wie Kaiseraugst verzeichnete sonst keine andere Gemeinde. Auf Rang 2 in der Wachstumsdynamik liegt Sisseln mit einem Plus von 249 Prozent, auf Rang 3 folgt – etwas überraschend – Ueken mit einem Plus von 186 Prozent. Das niedrigste Wachstum in diesem Vergleich hat Laufenburg mit einem Plus von knapp 23 Prozent. Bei allen Fusionsgemeinden – Laufenburg, Kaisten und Mettauertal – wurden die heutigen Ortsteile, also beispielsweise Laufenburg und Sulz, für das Jahr 1972 zusammengerechnet, damit die Zahlen vergleichbar sind.

Ebenfalls wenig gewachsen ist Mettauertal mit einem Plus von knapp 24 Prozent sowie Oberhof mit einem Plus von knapp 30 Prozent.

Vergleicht man nun den Anteil der unter 20-Jährigen am Anteil der Gesamtbevölkerung, so nahm dieser in allen 32 Fricktaler Gemeinden im zweistelligen Bereich ab. Am kleinsten war der Rückgang in Schwaderloch mit einem Minus von 11,38 Prozent, am höchsten in Schupfart mit einem Minus von 21,28 Prozent.

Die Babyboomer-Jahre

Die Erklärung für diese Negativdynamik ist schnell gefunden: 1972 liegt mitten in den sogenannten Babyboomer-Jahren. Dies wird dazu führen, dass der Schweiz in den nächsten 20 Jahren eine grosse Pensionierungswelle bevorsteht.

Den höchsten Anteil der unter 20-Jährigen, gemessen an der Gesamtbevölkerung, hatte Ende 2017 Oberhof mit 25,4 Prozent, gefolgt von Herznach, Ueken und Wölflinswil (siehe Tabelle). Auffallend: Auf den vorderen Rängen liegen vor allem kleinere, ländliche Gemeinden. 1972 führte diese Rangliste Herznach an, gefolgt und Oberhof und Kaisten – allerdings kamen damals alle drei Gemeinde auf Werte von über 41 Prozent. Den niedrigsten Anteil an der Gesamtbevölkerung machen die unter 20-Jährigen heute in Olsberg, Mettauertal und Mumpf aus; vor 47 Jahren lautete die Reihenfolge Schwaderloch, Olsberg und Rheinfelden mit Werten um die 30 Prozent.

Der Anteil der Kleinkinder unter 5 Jahren liegt heute im Fricktal zwischen 4 und 7 Prozent; 1972 lag er zwischen 5 und 12 Prozent. Auch hier zeigt sich: Der Anteil der Kleinkinder an der Gesamtbevölkerung ging in allen Gemeinden zurück – am wenigsten in Oberhof mit einem Minus von 0,49 Prozent, am stärksten in Mumpf mit minus 6,43 Prozent.

In den effektiven Zahlen zeigt sich, je nach Entwicklung der Gemeinde, ein ganz unterschiedliches Bild. In Laufenburg lebten Ende 2017 67 Kleinkinder weniger als 1972, in Kaiseraugst 207 mehr. Insgesamt lebten Ende 2017 im Bezirk Laufenburg 1609 Kinder unter 5 Jahren. Das sind 174 weniger als 1972. Im Bezirk Rheinfelden dagegen stieg die Zahl der Kleinkinder von 2213 auf 2365. Fast eine Punktlandung gab es in Münchwilen und Eiken: In beiden Gemeinden lebte 2017 je ein Kleinkind mehr als 1972, in Eiken waren es 114, in Münchwilen 47.

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