Vor gut zwei Jahren startete Stevens Senn mit seiner Pure Production AG in Zeiningen als Kleinbetrieb die Produktion von legalem CBD-Hanf. Hanf also, dessen THC-Gehalt so tief ist, dass er nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Mittlerweile ist eine Holding-Struktur gewachsen. Die Pure Holding AG ist weltweit tätig und nach eigenen Angaben der grösste Hersteller von CBD-Cannabis in Europa.

Neben Zeiningen wird auch in Fischbach-Göslikon produziert, dazu kommen Vertriebszentren in Luxemburg und neu auch in Murg auf badischer Rheinseite. «Mittlerweile gehen rund 80 Prozent unserer Produktion in den europa- und weltweiten Export», sagt Geschäftsführer Stevens Senn.

Daneben setzt Senn aber auch auf die Forschung – und hat dafür mit der Pure Cannabis Research AG eine weitere Tochtergesellschaft gegründet. Das Ziel ist es, das Erbgut von Hanfpflanzen weiter zu entschlüsseln und danach massgeschneiderte Pflanzen zu züchten. Anhand des Erbguts könne man mit moderner Technologie schnell erkennen, welche Inhaltsstoffe und Eigenschaften die Pflanzen haben.

«Wir kennen dann etwa ihre Wachstumsgeschwindigkeit oder ihre Resistenzen», erklärt der leitende Forscher Yannik Schlup. «So kann die Züchtung von gewünschten Eigenschaften beschleunigt werden.» Produzenten, Wissenschafter und Pharmakonzerne aus der ganzen Welt könnten dereinst mit ihren Wünschen auf die Pure Cannabis Research AG zukommen «und wir erschaffen ihnen die gewünschten Pflanzen in 12 bis 24 Monaten», so Senn. Schlup und Senn legen dabei Wert darauf, dass die DNA-Entschlüsselung nur das Vorwissen sei, das die Züchtungen beschleunige. «Es sind keine gentechnisch veränderten Pflanzen.»

Drei Standorte im Blick

Derzeit hat das Unternehmen ein provisorisches Labor in Zeiningen eingerichtet und ist daran, Partnerschaften mit Universitäten auf der ganzen Welt einzugehen. So gibt es beispielsweise Kontakte nach Kanada und Australien und eine Zusammenarbeit mit der ETH Zürich. Auch mit der Universität Stellenbosch in Südafrika läuft die gemeinsame Forschung bereits. «Dort können wir erforschen, wie sich Züchtungen in anderen Klimazonen verhalten», erklärt Senn. Unter einem Dach zusammengeführt werden soll die gesamte Forschungsarbeit in einem Forschungszentrum im Fricktal. Das Fricktal sei als Standort strategisch ideal, da viele Firmen aus dem Life-Science-Sektor ansässig seien, erklärt Schlup. «Der Pool an Wissenschaftlern und Fachleuten ist hier fast einmalig.» Man habe derzeit drei mögliche Standorte im Blick, so Senn, aber noch kein Grundstück gekauft.

Nun gelte es noch zu fixieren, wie viel Platz das Zentrum letztlich wirklich brauche. «Dies ist wiederum von den internationalen Kooperationen abhängig», so Senn. Man müsse erst genau wissen, welche Teile der Forschung weltweit ausgelagert werden können. Nichtsdestotrotz ist geplant, das Fricktaler Cannabis-Forschungszentrum noch in diesem Jahr in Betrieb zu nehmen.