Möhlin

Sein geschmiedetes Hufeisen soll auch im neuen Jahr Glück bringen

So kennt man ihn weit herum: Hans Mahrer als Glücksschmied an Silvester.

So kennt man ihn weit herum: Hans Mahrer als Glücksschmied an Silvester.

Zum 63. Mal schmiedet Hans Mahrer in Möhlin an Silvester – auch andernorts gibt es traditionelle Weihnachts- und Neujahrsbräuche.

An Heiligabend um Punkt 23 Uhr erlöschen in der Rhein­felder Altstadt alle Lichter und zwölf dunkelgekleidete Männer, die Sebastiani-Brüder, machen sich auf den Weg durch die Gassen. Sie machen an sechs Brunnen Halt und singen dort das Weihnachtslied «Die Nacht, die ist so freudenreich».

Die Tradition geht zurück aufs 16. Jahrhundert: Im Jahre 1541 wurde die Sebastiani-Bruderschaft gemäss der Überlieferung anlässlich eines wiederholten Pestausbruchs gegründet.

Der heilige Sebastian wird gegen die Pest und als Schutzpatron der Brunnen angerufen, weshalb die Bruderschaft sich nach ihm benannt hat. Die Lieder sollen den Segen bringen, der vor weiteren Pestausbrüchen schützt.

Ein althergebrachtes Brauchtum

Eine Woche später, am ­Silvesterabend, gehen die Sebastiani-Brüder dann erneut auf ihren Rundgang durch die Altstadt. Dann sind sie bereits um 21 Uhr unterwegs und stimmen ihr Neujahrslied an. Die Tradition des Brunnensingens ist mittlerweile weit herum bekannt:

Sowohl Aargau Tourismus als auch Schweiz Tourismus werben auf ihren Portalen für das althergebrachte Brauchtum und auch auf der Website www.lebendige-traditionen.ch, die vom Bundesamt für Kultur, den kantonalen Kulturstellen und der Schweizer Unesco-Kommission geführt wird, fand das Brunnensingen Aufnahme.

Ebenfalls an Silvester steht jeweils Hans Mahrer, der Glückschmied von Möhlin seinen Einsatz. Was vor 63 Jahren begann, ist mittlerweile zu einer liebgewonnenen Tradition geworden. Und so wird Mahrer, der kürzlich seinen 80.Geburtstag feiern konnte, auch in diesem Jahr wieder zum schweren Schmiedehammer greifen. «Zum ersten Mal seit dem letzten Silvester», wie der Schmied lachend sagt. Aber für ihn sei das Schmieden von Hufeisen wie Velofahren. «Das verlernt man nicht.»

Brauch ist aus einer ­Feierlaune entstanden

Entstanden ist der Brauch am Silvester 1956, als Hans Mahrer mit Freunden in der Schmiede seines Vaters feierte und Güggeli über dem Feuer brieten. «Irgendwann kamen wir auf die Idee, noch etwas zu schmieden», erinnert sich Mahrer. Die Nachbarn hörten dies, kamen herbei «und fanden, ich solle dies künftig jedes Jahr machen».

Und so beginnt Hans Mahrer seither jedes Jahr um kurz vor Mitternacht auf der «Schmittebrücke» im Dorfzentrum mit dem Schmieden eines Hufeisens. Hilfe ­erhält er dabei seit fast 40 Jahren von seinem Sohn Adrian. «Ich fange immer im alten Jahr an und schmiede es im neuen Jahr zu Ende», so Mahrer. Danach hält er eine kurze Ansprache und dann wird auf das neue Jahr angestossen. «Anfänglich brachten wir selber Wein und Zopf mit», so Mahrer.

Bringt es wirklich Glück?

Mittlerweile ist dies nicht mehr nötig. Die Besucher – meist kommen über 300 Personen – organisieren sich selber und seit fast 40 Jahren offeriert das Schuhhaus Frank einen langen Zopf. Das Glückshufeisen übergibt Mahrer jeweils jemanden aus seiner Familie oder seinem Bekanntenkreis. Und bringt es denn auch wirklich Glück? «Klar, man muss einfach dran glauben», ist der Schmied überzeugt.

Im Mettauertaler Ortsteil Hottwil gibt es seit Jahrzehnten ebenfalls einen Silvesterbrauch: Der Weibel – beziehungsweise aktuell Weibelin Rosmarie Brunner – bläst ins Feuerwehrhorn und ruft in die Nacht hinaus «Glogge het zwölfi gschlage, s’alt Johr esch verbi, es het es neus Jahr agfange. I wönsche allne es gutes neus Johr».

Autor

Marc Fischer

Marc Fischer

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