Magden

Schweizerin in einem improvisierten Schulzimmer auf 4000 Metern Höhe: «Der Schulbesuch ist ein Privileg»

Sonngard Trindler ist schon beinah ihr Leben lang mit der tibetischen Kultur vertraut.

Sonngard Trindler ist schon beinah ihr Leben lang mit der tibetischen Kultur vertraut.

Sonngard Trindler aus Magden ist Präsidentin des Schulvereins Lo-Manthang. Sie berichtet über die Schwierigkeiten der Kinder, die zu Hause arbeiten müssen und deswegen keine Schule besuchen können und über ein Zelt, das derzeit als Schulzimmer dient.

«Für die Menschen im Dolpo bedeutet Glück nicht Selbstverwirklichung wie bei uns, sondern das Wohl der Familie», sagt die Magdenerin Sonngard Trindler, die jüngst aus Nepal zurückgekehrt ist. Sieben Tage zu Pferd benötigt Trindler, um nach der Ankunft am Flugplatz im Lower Dolpo die Schule und die Krankenstation in Namdo zu besuchen.

«Das Gebiet des Dolpo ist eine arme, abgeschiedene Region nördlich der Himalayakette. Es gehört zu Nepal, ist ethnisch jedoch tibetisch. Dort gibt es keine Strassen. Die Siedlungen des Upper Dolpo zählen zu den höchst gelegenen permanent bewohnten der Welt», erklärt die 74-Jährige. «Bis 1993 wurde das Gebiet auf Druck Chinas wegen der tibetischen Flüchtlingswelle vollkommen abgesperrt. Erst seit rund 25 Jahren sind das Dolpo und Mustang für Touristen überhaupt frei zugänglich.»

Sensibilisierung der Bevölkerung

Die Faszination für die tibetische Kultur entwickelte Sonngard Trindler schon als kleines Mädchen. «Mein Vater, ein leidenschaftlicher Alpinist, hat mir als Kind die Bergwelt näher gebracht und viel von Tibet erzählt.» Nach ihrer Trekkingtour 1998 im Gebiet Mustang gründete sie mit anderen Magdenerinnen und Magdenern den Schulverein «Lo-Manthang» (www.lo-manthang.ch), um dortige Schulen zu unterstützen.

Vor zehn Jahren hat der Schulverein die Schule in Namdo im Upper Dolpo übernommen. 116 Kinder besuchen heute die Schule. Die Health Station bietet die medizinische

Grundversorgung der Region.

«Nepal hat ein funktionierendes Schulsystem, führt jedoch keine Schule in diesem entlegenen Gebiet. Nur drei der acht Lehrer werden vom Staat bezahlt», beschreibt Trindler die Situation. «Für das Dolpo und Mustang ist es sehr wichtig, dass die tibetisch sprechenden Kinder in der nepalesischen Landessprache unterrichtet werden.»

Nicht alle Kinder dürfen in die Schule, viele müssen zu Hause arbeiten. Grundsätzlich beschreibt Sonngard Trindler das Interesse der Eltern und der lokalen Behörden als gross. «Es geht nicht nur um Schreiben, Lesen und Rechnen, sondern auch um die Sensibilisierung der Bevölkerung für einen gesunden und umweltbewussten Lebensstil. Zu viele Kinder in der Region haben Mangelerscheinungen. Es gibt keine Krankenversicherung und die Effizienz der Naturheilärzte ist trotz wertvoller Kenntnisse begrenzt.»

Seit 2012 zahlt der Schulverein zwei ausgebildete Krankenschwestern, sogenannte «Health Assistants for Remote Areas». Die Krankenschwestern hätten einen guten Kontakt zur Bevölkerung und beraten in Zusammenarbeit mit der Schule in puncto Hygiene, Gesundheit und Familienplanung.

In Zelten auf 4000 Metern über Meer unterrichtet

Im nächsten Jahr soll eine neue Schule für die Kinder in Namdo gebaut werden.

Im nächsten Jahr soll eine neue Schule für die Kinder in Namdo gebaut werden.

Die neusten Fotos, die Sonngard Trindler aus Namdo mitbrachte, zeigen das eingestürzte Schulhaus in Namdo. «Der Schulbau hätte schon länger renoviert werden sollen», erklärt sie. «Die Klimaerwärmung provoziert seit zwei Jahren häufigere und stärkere Regengüsse und Schneefälle. Im Winter steht die Schule während vier Monate leer. Durch heftigen Regen und Schneefälle sind Schule und Health Station letztes Jahr so sehr beschädigt worden, dass eine Reparatur nicht möglich ist und ein Neubau angeordnet wurde.»

Das neue Schulhaus und die neue Krankenstation sollten erdbebensicher und wetterfest sein und mit gut isolierten Räumen hohe Temperaturschwankungen aushalten. «Zur Zeit werden die Kinder in Zelten auf 4000 Metern über Meer unterrichtet. Solch ein Schulhausneubau ist eine riesige Herausforderung für einen kleinen Verein, sodass wir um jede Spende dankbar sind», sagt Trindler.

Wie sich trotz Armut die vielen fröhlichen Kindergesichter erklären lassen? «Einerseits ist für die Kinder der Schulbesuch ein Privileg. Andererseits freuen sich Kinder wie auch Eltern an einfachen Dingen und nehmen sich selber nicht immer so wichtig. Bei jeder Gelegenheit wird viel gemeinsam gesungen und getanzt.»

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