Er fährt gerne schnell. Deshalb zieht es Daniel, einen Fricktaler, der seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen will, mindestens einmal pro Woche in den Schwarzwald. Mit seiner Hayabusa, einem Sporttöff mit 1300 ccm, flitzt er dann durch die grenznahe Region.

Eine seiner Lieblingstouren führt dabei über Laufenburg, St. Blasien zum Schluchsee; von hier aus geht es weiter über Bernau, Todtmoos, Wehr, Rickenbach nach Bad Säckingen. «Eine herrliche Strecke», schwärmt er. Kurvig, hügelig – «genau wie ich es mag». Dass er sich dabei stets an die Geschwindigkeitsbegrenzung – in Deutschland gilt ausserorts 100 km/h – hält, «würde ich nicht behaupten».

Kurvenkönig, ein Töff-Tourenplaner im Internet, empfiehlt die Strecke auch. Vier Stunden rechnet der Tourenplaner für die 160 Kilometer lange Strecke. «Ich bin deutlich schneller», gibt Daniel unumwunden dazu. Wie viel schneller, will er nicht sagen.

Natürlich hat es auch Daniel schon «das eine oder andere Mal» geblitzt. «Aber die Bussen in Deutschland sind bezahlbar», sagt er. Bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 10 km/h sind es innerorts 15 und ausserorts 10 Euro. Bei 30 km/h zu viel auf dem Tacho sind es 100 und 80 Euro.

Dass ihre Schnellfahrt den Schweizer Behörden gemeldet wird, müssen die Töfffahrer dabei nur befürchten, wenn sie viel zu viel auf dem Tacho hatten. «Eine Meldung an die Schweizer Behörden gibt es bei zwei Konstellationen», erklärt Jörg Kiefer vom Polizeipräsidium Freiburg. «Bei Verstössen, die vonseiten der deutschen Bussgeldbehörde ein Fahrverbot nach sich ziehen.» Also innerorts ab 31, ausserorts ab 41 km/h zu schnell. «Oder bei Geschwindigkeitsüberschreitungen, die in der Schweiz den Tatbestand ‹Raser› erfüllen.»
Da viele Motorradfahrer aus der Schweiz und Deutschland den Schwarzwald als Töffstrecke lieben und manche, wie Daniel, gerne auch mal «etwas schneller» unterwegs sind, ist die Überwachung des Motorradverkehrs «ein verkehrspolizeiliches Schwerpunktthema» im Schwarzwald und wird «intensiv betrieben», wie Kiefer sagt. Zur Anzahl der Kontrollen macht er keine Angaben.

Nicht immer gehen die Töfffahrten indes glimpflich aus. In diesem Jahr haben sich auf dem Gebiet des Polizeipräsidiums Freiburg 271 Verkehrsunfälle ereignet, an denen Motorräder beteiligt waren. 141 davon im Schwarzwald. In 32 Unfälle waren Schweizer Motorräder involviert, 27 davon ereigneten sich im Schwarzwald.

Insgesamt acht Motorradfahrer kamen in diesem Jahr im Einzugsgebiet der Freiburger Polizei ums Leben, darunter auch ein Schweizer. Die Unfälle forderten insgesamt 239 Verletzte; fast jeder siebte davon war ein Schweizer. 15 wurden dabei schwer, 17 leicht verletzt.

Nichtangepasste Geschwindigkeit war insgesamt die häufigste Unfallursache (bei 95 aller Unfällen), gefolgt von Nichtbeachten der Vorfahrt(35) und Überholen (25).

Verletzte werden in die nächste Klinik gebracht

Wird ein Schweizer Motorradfahrer bei einem Unfall verletzt, wird er wie einheimische Verunfallte meist in die nächstgelegene Klinik gebracht. «Bei schweren Verkehrsunfällen, insbesondere im grenznahen Gebiet, werden Verunglückte, ebenfalls unabhängig von der Nationalität, oft in Schweizer Kliniken nach Basel oder Zürich verbracht», erklärt Kiefer. Die Entscheidung hierüber liege beim Rettungsdienst, «gegebenenfalls in Absprache mit dem Verletzten», so Kiefer.

Daniel überrascht die hohe Zahl der Verletzten aus der Schweiz «schon etwas». Er will in Zukunft «etwas vorsichtiger» fahren, gerade auch, weil vielfach – besonders beim Nichtbeachten des Vortritts, der Unfallursache Nummer zwei – nicht der Motorradfahrer schuld ist.