Die römisch-katholische Pfarrei St. Peter und Paul feiert am Sonntag um 10.45 Uhr ihr Patrozinium. Gleichzeitig verabschiedet sie ihren Pfarrer. Thomas Sidler verlässt Frick nach elf Jahren. Er hat das Pensionsalter erreicht und «für mich war klar, dass ich künftig nicht mehr 100 Prozent arbeiten möchte», so Sidler. Ebenso klar war allerdings, dass er weiterhin als Seelsorger tätig sein möchte. Und so übernimmt Sidler ab dem kommenden Januar ein 50-Prozent-Pensum als mitarbeitender Priester im Pastoralraum Oberer Sempachersee.

Es ist eine Rückkehr zu seinen Wurzeln: in die Innerschweiz. «Für mich stellte sich die Frage, wo ich meine dritte Lebensphase verbringen will», erklärt Sidler. «In der Innerschweiz habe ich viele Verwandte und ein privates Beziehungsnetz.» Noch ein weiterer Grund sprach gegen einen Verbleib in Frick mit reduziertem Pensum: «Es wäre schwierig, hier eine neue Rolle auszuüben. Sowohl für mich selber als auch für die Gemeindemitglieder», so Sidler. Zudem empfehle auch das Bistum, nach der Pensionierung nicht am gleichen Ort zu bleiben.

Christ-Sein im Alltag fördern

In Kontakt bleiben mit der Pfarrei, in der er elf Jahre gewirkt hat, werde er aber sicher. «Ich hatte in Frick eine schöne Zeit. Die Fricker sind liebenswürdig, offen und haben mich gut aufgenommen.» Und: «Es gibt viele Engagierte in der Pfarrei, die daran interessiert waren, etwas mitzutragen, oder Ideen eingebracht haben, um etwas aufzubauen.» So seien etwa die Weihnachtsfeier für Alleinstehende oder die Kleinkinder-Feier entstanden. Und auch die Halb-7-Feiern und die Gottesdienste im Altersheim, die von einer Frauengruppe organisiert werden, seien gewachsen und hätten sich etabliert. Rückblickend auf seine elf Jahre in Frick sagt er: «Das Interesse an der Kirche ist in dieser Zeit sicher nicht stärker geworden.» Die Beteiligung der Aktiven dagegen sei aus seiner Sicht intensiver geworden.

«Mir war es stets wichtig, in meinen Predigten das Christ-Sein im Alltag anzusprechen», so Sidler. Das könne etwa heissen, sich am Arbeitsplatz für mehr Gerechtigkeit einzusetzen. Er habe nämlich das Gefühl, dass die Solidarität in der Gesellschaft abnehme. «Diese Tendenz ist alarmierend und gefährlich», so der scheidende Fricker Pfarrer. «Die christliche Botschaft bleibt deshalb sehr wichtig», ist er überzeugt. Die Stimme der Kirche könne dazu beitragen, «dass die Saat des christlichen Gedankenguts weiter gestreut wird». Dabei helfe die Glaubwürdigkeit und Popularität von Papst Franziskus.

Sprachaufenthalt und Reisen

Sidler ist überzeugt, dass sich die Kirche in den nächsten Jahren weiter wandeln wird. Als Beispiel führt er seinen neuen Wirkungsort an. «Der Pastoralraum wird von einer Frau geleitet, die einzelnen Pfarreien haben verheiratete Gemeindeleiter.» Solche Modelle werde es künftig wohl vermehrt geben, sagt er. Schon jetzt stelle sich die Frage, was die Kirche ohne den Einsatz all dieser ausgebildeten Theologinnen und Theologen wäre.

Bevor Sidler allerdings in die Innerschweiz zurückkehrt und im Pastoralraum Oberer Sempachersee seine neue Tätigkeit beginnt, hat er noch Pläne, die ihn weiter weg führen. In den kommenden Monaten wird er Mittelamerika bereisen und vorher auch einen Sprachkurs besuchen. Möglich, dass in dieser Zeit auch eine gewisse Wehmut aufkommt. «Ich war in den letzten Tagen noch so beschäftigt, dass ich gar keine Zeit hatte, meinen Gefühlen freien Lauf zu lassen», sagt Sidler. «Doch da ich in den elf Jahren in Frick viel Schönes erlebt habe, ist die Gefahr gross, dass ich Langezeit haben werde.»