Rheinfelden
Kantinen und Mensas stecken in der Krise – kommen nun lokale Gastronomieanbieter zum Zug?

Homeoffice und Fernunterricht sorgen dafür, dass massiv weniger Gäste in Betriebskantinen und Schulmensas essen. Die Betreiber bringt das in Schwierigkeiten – im Rheinfelder Schulhaus Engerfeld könnte das nun zu einem Wechsel führen.

Nadine Böni
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Die Mensa im Schulhaus Engerfeld in Rheinfelden wurde im Frühjahr 2019 eröffnet.

Die Mensa im Schulhaus Engerfeld in Rheinfelden wurde im Frühjahr 2019 eröffnet.

Zvg/Aargauer Zeitung

Während die Restaurantterrassen seit Montag wieder offen sind und Gäste empfangen, herrscht in vielen Kantinen und Mensas noch immer Flaute. «Die Pandemie und die damit verbundenen Massnahmen wie Homeoffice und Fernunterricht treffen uns hart», sagt etwa Salome Ramseier, Mediensprecherin der SV Group, die auch im Fricktal mehrere grosse Kantinen betreibt. Der Rückgang der Gästezahlen sei massiv.

Das bestätigt auch Anna-Katharina Schäfers, Sprecherin beim Pharmaunternehmen Novartis mit grossem Personalrestaurant etwa am Standort Stein: «Da die Büromitarbeitenden von Novartis und unseren Partnerfirmen in Stein das Gros der Besucher stellen, sind mit der Einführung der Homeoffice-Pflicht die Besucherzahlen unseres Restaurants stark zurückgegangen.»

Im April 2020 hat das Personalrestaurant deshalb auf Kurzarbeit umgestellt, wobei es dennoch werktags täglich offen hat und je ein Menu mit und ohne Fleisch offeriert.

Lokale Gastrounternehmen statt Grossanbieter

Als Folge der Pandemie stehe der Branche ein Wandel bevor. Das zumindest glaubt Adrian Zaugg, Partner bei der HP Misteli, einem Anbieter von Gastro- und Hotelkonzepten. Der Markt der grossen Anbieter in der Gemeinschaftsverpflegung sei «förmlich zusammengebrochen», sagt er. Und weiter:

«Ein Paradigmenwechsel zu vermehrt lokalen Gastrounternehmen und Anbietern, die solche Betriebe übernehmen, ist durchaus denkbar.»

Ein Beispiel für einen solchen Wechsel könnte sich in Rheinfelden ergeben. HP Misteli nämlich sucht im Auftrag der Stadt einen neuen «Gastgeber» für die Mensa im Schulhaus Engerfeld. Das geht aus einer entsprechenden Ausschreibung hervor. Stadtschreiber Roger Erdin sagt:

«Die bisherige Betreiberin der Mensa hat den Cateringvertrag auf den
31. Juli gekündigt, weshalb dieser neu ausgeschrieben wurde.»

Möglich scheint gleichwohl, dass die Betreiberin, die SV Group, die Mensa – dann unter neuen vertraglichen Konditionen – weiter betreibt. Aber ebenso, dass die Stadt einen neuen Partner verpflichtet. Die Bewerbungsfrist für Interessenten läuft noch bis zum 30. April.

Thema Nachhaltigkeit spielt eine Rolle

Zum Anforderungsprofil soll laut Ausschreibung die «Freude am Umgang mit jungen Menschen» gehören. Über 1000 Lernende, unter anderem der Kreisschule Unteres Fricktal und des Berufsbildungszentrums Fricktal, besuchen das Engerfeld. Gerade in Schul- oder Universitätsmensas handle es sich bei den Gästen um eine junge Generation, sagt Zaugg. Und:

«Es ist eine Generation, die sehr sensibilisiert ist für die Themen wie Nachhaltigkeit, Gesundheitsbewusstsein und Digitalisierung.»
Schnitzel und Pommes werden nicht verschwinden – aber «es braucht mehr als das», sagt Gastro-Experte Adrian Zaugg.

Schnitzel und Pommes werden nicht verschwinden – aber «es braucht mehr als das», sagt Gastro-Experte Adrian Zaugg.

Michel Ecklin/BLZ

Entsprechend wichtig seien der regionale und lokale Bezug, das saisonale Angebot, die Transparenz bei Produktion und Inhaltsstoffen sowie das Thema Foodwaste. «Wir legen grossen Wert darauf, dass Gastronomen, die mit diesen jungen Leuten arbeiten, ihnen zuhören und auf ihre Bedürfnisse eingehen. Das gilt auch für Rheinfelden», so Zaugg.

Vegetarische Menus und Rücksicht auf Allergien

Wobei: Auch bei den grossen Anbietern in der Gemeinschaftsverpflegung sind diese Bedürfnisse und Anforderungen längst bekannt. Allergien und Intoleranzen würden etwa von Ernährungswissenschaftern bei der Rezeptentwicklung berücksichtigt. Und: «Wir legen seit unseren Anfängen vor über 100 Jahren grossen Wert auf ausgewogene Ernährung, aber auch auf klimafreundliche Ernährung», sagt Salome Ramseier von der SV Group. Dazu gehört, dass die Hälfte der angebotenen Menus heute bereits vegetarisch ist und – so Ramseier – die attraktivsten.

«So möchten wir unsere Gäste animieren, klimafreundlich zu essen. Schliesslich gilt: je weniger Fleisch, desto weniger CO2-Ausstoss.»