Rheinfelden
FDP fordert eine Tagesschule – und rennt damit offene Türen ein

Die FDP Rheinfelden fordert den Stadtrat in einer Mitteilung auf, die Schaffung einer Tagesschule als Teil der Volksschule zu prüfen. Die anderen Ortsparteien stellen sich hinter die Idee – und auch die Stadt zeigt sich durchaus offen dafür.

Nadine Böni
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Das Gebäude der Heilpädagogischen Schule in Rheinfelden könnte schon bald eine Tagesschule beherbergen.

Das Gebäude der Heilpädagogischen Schule in Rheinfelden könnte schon bald eine Tagesschule beherbergen.

zvg

Die Stadt Rheinfelden bietet mit dem Mittagstisch bereits heute ein Betreuungsangebot in Form einer Tagesstruktur für Schülerinnen und Schüler ab Stufe Primarschule an. Dazu gehört auch eine Nachmittags- sowie Ferien-Ganztagesbetreuung. Die FDP-Ortspartei denkt nun aber laut über ein weiteres Angebot nach. In einer Mitteilung fordert sie den Stadtrat auf, die Schaffung einer Tagesschule als Teil der Volksschule zu prüfen.

Auch bei anderen Parteien auf der Agenda

Mit der Einführung einer Tagesschule könne die Volksschule – neben anderen Akteuren wie etwa den Arbeitgebern – einen wichtigen Beitrag leisten, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu stärken. FDP-Präsident Christoph von Büren:

«Eltern können weiterhin am Erwerbsleben teilnehmen, was auch dem Mangel an Fachkräften entgegenwirkt, welcher aufgrund der demografischen Entwicklung noch zunehmen wird.»

Bei den anderen Ortsparteien rennt die FDP damit offene Türen ein – oder findet diese zumindest nicht abgeschlossen vor. «Ich sehe das sehr positiv», sagt etwa Grünen-Präsidentin Kathrin Frey. Wie SP-Präsidentin Claudia Rohrer und GLP-Präsidentin Béa Bieber betont auch sie, dass die Idee einer Tagesschule in Rheinfelden keineswegs neu sei, sondern bereits seit längerem auf der Agenda ihrer jeweiligen Parteien stehe. «Wir weisen seit Jahren auf die Bedeutung einer Tagesschule für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hin», sagt Rohrer. Und Béa Bieber ergänzt:

«Wir finden es schön, dass die FDP jetzt auch auf den Zug aufspringt.»

Nisrine Seutin von der Ortspartei «Die Mitte», vormals CVP, betont, dass das die Partei «grundsätzlich für einen Ausbau des Angebots im Bereich der Tagesbetreuung» sei. Und Dimitrios Papadopoulos, Präsident der SVP-Ortspartei, sagt: «Es gilt, gründliche Abklärungen zu Bedarf und Kosten zu tätigen. Sollte sich ein Bedürfnis zeigen, müssen wir mit der Zeit gehen.»

Möglicher Standort bereits gefunden?

Die FDP bringt in ihrer Mitteilung auch gleich einen möglichen Standort für die neue Tagesschule ins Spiel. Es ist das im Sommer frei werdende Gebäude der Heilpädagogischen Schule (HPS) an der Dr.-Max-Wüthrich-Strasse. Die HPS zieht auf das kommende Schuljahr nach Mumpf. Die Umnutzung des Gebäudes erachtet die FDP als «erfolgsversprechendes Projekt, das prioritär geprüft werden soll.»

Auch damit stösst sie bei den Ortsparteien auf viel Goodwill. Allerdings müsse angesichts der peripheren Lage des Gebäudes allenfalls neue Möglichkeiten zur Erschliessung geprüft werden. Ausserdem werden weitere mögliche Standorte ins Spiel gebracht – etwa das einstige Gasthaus Drei Könige, das zuletzt von der International School genutzt wurde, oder das ehemalige Altersheim Kloos.

Stadtrat zeigt sich offen

Der Rheinfelder Stadtrat zeigt sich durchaus offen für das Anliegen der Ortsparteien. Stadtschreiber Roger Erdin:

«Eine öffentliche Tagesschule könnte eine wertvolle Ergänzung der bereits bestehenden Angebot der familienergänzenden Tagesstrukturen sein.»

Der Stadtrat könne sich demnach eine Tagesschule vorstellen «und hat dazu bereits erste Überlegungen gemacht, wozu auch eine Verwendung des heutigen HPS-Schulhauses gehört». Als Muster diene die öffentliche Tagesschule der Stadt Baden.

Projekt scheiterte vor 20 Jahren

Die FDP bringt mit ihrer Forderung ein Thema auf den Tisch, das Rheinfelden bereits in der Vergangenheit beschäftigte. Vor knapp 20 Jahren, im Dezember 2001, stimmte die Gemeindeversammlung einem Konzept des Stadtrats zur Einführung einer Tagesschule zu. Das Angebot kam damals jedoch nicht zustande, weil nur gerade sieben Kinder für den Besuch der Tagesschule mit ganztägigem Betreuungsangebot und Mittagsverpflegung angemeldet wurden.

«Seither wurde das Angebot an familienergänzenden Betreuungsstrukturen in Rheinfelden kontinuierlich auf- und ausgebaut», sagt Roger Erdin. Neben den Blockzeiten in den Rheinfelder Schulen bestehe eine breite Palette an verschiedenen schul- oder familienergänzenden Betreuungsformen, die den Zweck der Vereinbarkeit von Familie und Arbeit oder Ausbildung erfüllen, so etwa der Mittagstisch. Auch mehrere Kindertagesstätten bieten massgeschneiderte Lösungen an. Schliesslich besteht in Rheinfelden auch die private bilinguale Tagesschule der ipso International School.

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