Rheinfelden
Geschafft: Die SP ist nach vier Jahren zurück in der Stadtregierung – Claudia Rohrer ist klar gewählt

Nach vier Jahren Unterbruch zieht die SP mit Grossrätin Claudia Rohrer wieder in die Stadtregierung ein. Die vier Bisherigen, die nochmals antraten, wurden alle klar im Amt bestätigt. Ebenso klar nicht gereicht hat es Michael Derrer, dessen Knatsch mit der GLP im Vorfeld der Wahlen für einiges Aufsehen sorgte.

Thomas Wehrli
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Die vier Bisherigen wurden klar wiedergewählt (v.l.): Stadtammann Franco Mazzi (FDP), Susanna Schlittler (FDP), Vizeammann Walter Jucker (SVP) und Dominik Burkhardt (GLP). Hans Gloor (parteilos; Zweiter von rechts) trat nicht mehr an.

Die vier Bisherigen wurden klar wiedergewählt (v.l.): Stadtammann Franco Mazzi (FDP), Susanna Schlittler (FDP), Vizeammann Walter Jucker (SVP) und Dominik Burkhardt (GLP). Hans Gloor (parteilos; Zweiter von rechts) trat nicht mehr an.

zvg

Die Stadtratswahlen in Rheinfelden waren so spannend wie lange nicht mehr. Drei Fragen stellten sich im Vorfeld: Kann die SP ihre Schmach von 2017 ausmerzen und in die Regierung zurückkehren? Braucht es bei acht Kandidierenden einen zweiten Wahlgang? Und: Hat der Knatsch zwischen Michael Derrer und der GLP Auswirkungen auf das Wahlergebnis? Die Antworten in Kurzform: Ja – nein – nein.

Für die SP, in Rheinfelden traditionell stark, war es vor vier Jahren eine herbe Schlappe, dass sie nach dem Rücktritt von Vizeammann Brigitte Rüedin den Sitz nicht verteidigen konnte. Bereits vier Jahre vorher musste die Partei ihren zweiten Sitz räumen.

Entsprechend kämpferisch traten die Sozialdemokraten diesmal an – und taten es gleich mit zwei Personen: Grossrätin Claudia Rohrer und Thomas Steiner.

Rohrer zieht mit 1817 Stimmen in den Stadtrat ein

Gewählt: Claudia Rohrer (SP) mit 1817 Stimmen.

Gewählt: Claudia Rohrer (SP) mit 1817 Stimmen.

Zvg / Aargauer Zeitung

Für Rohrer hat es gereicht, für Steiner nicht. Mit 1817 Stimmen übersprang die Rechtsanwältin das absolute Mehr von 1551 Stimmen klar. «Ich freue mich sehr über meine Wahl», sagt Rohrer und fügt hinzu: «Auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass die SP zwei Sitze holt.»

Nicht gewählt: Thomas Steiner (SP) mit 1632 Stimmen.

Nicht gewählt: Thomas Steiner (SP) mit 1632 Stimmen.

Zvg / Aargauer Zeitung

Dieses Ziel, das weiss auch Steiner, war sehr ambitioniert. Er findet es ebenfalls «toll, dass die SP wieder im Stadtrat vertreten ist» und windet Rohrer sogleich ein Kränzchen: Mit ihr ziehe eine ebenso kompetente wie erfahrene Politikerin in die Stadtregierung ein.

Gut findet es der Sozialdemokrat auch, dass mit Rohrer künftig neben Susanna Schlitter (FDP) eine zweite Frau im Stadtrat sitzt. Schlittler schaffte die Wiederwahl souverän und erzielte mit 2293 Stimmen hinter Stadtammann Franco Mazzi (2411 Stimmen) das zweitbeste Ergebnis. Natürlich, räumt Steiner ein, sei er etwas traurig, dass es ihm nicht gereicht habe. Er kam auf 1632 Stimmen. «Ich hätte das Amt gerne gemacht.»

Gewählt: Susanna Schlittler (FDP) mit 2293 Stimmen.

Gewählt: Susanna Schlittler (FDP) mit 2293 Stimmen.

zvg

Rohrer erachtet die Rückkehr der SP in die Stadtregierung als «sehr wichtig». Nur so habe man die Möglichkeit, direkt mitzugestalten. Ihr Anliegen ist es, dass die Menschen in Rheinfelden auch jenseits der klassischen Parteistrukturen am politischen Leben teilnehmen können. Wie Dominik Burkhardt (GLP), der die Wiederwahl mit 2195 Stimmen ebenfalls glanzvoll schaffte, sieht sie eine Möglichkeit darin, neue Gefässe zu schaffen.

Gewählt: Dominik Burkhardt (GLP) mit 2195 Stimmen.

Gewählt: Dominik Burkhardt (GLP) mit 2195 Stimmen.

Zvg

Als einziger Stadtrat nicht mehr zu den Wahlen angetreten war Hans Gloor (parteilos). Er hatte das Ressort Planung und Bau unter sich. Rohrer kann sich gut vorstellen, dieses Ressort zu übernehmen – Erfahrungen bringt sie aus der Baukommission mit.

Auch Franco Mazzi begrüsst es, dass die SP als grosse Partei wieder im Stadtrat sitzt. Mit seinem Topergebnis ist er, wenig verwunderlich, «sehr zufrieden». Ihn freut auch, dass alle Bisherigen klar wiedergewählt wurden. «Das bestätigt unseren Kurs.»

Hohe Wahlbeteiligung von 47,9 Prozent

Dass schon im ersten Wahlgang alle fünf Sitze besetzt werden konnten, ist für ihn ein Zeichen, dass es viele valable Kandidaten hatte. Dazu beigetragen, dass es keinen zweiten Wahlgang geben wird, hat auch die hohe Wahlbeteiligung von 47,9 Prozent.

Gewählt: Franco Mazzi (FDP) mit 2411 Stimmen.

Gewählt: Franco Mazzi (FDP) mit 2411 Stimmen.

Britta Gut

Damit wäre auch die zweite eingangs gestellte Frage beantwortet. Bleibt noch die dritte, jene nach den Knatsch-Folgen für die GLP. Sie blieben aus. Dominik Burkhardt wurde mit einem ausgezeichneten Ergebnis wiedergewählt, Michael Derrer hatte keine Chance und erzielte mit 1452 Stimmen das schlechteste Ergebnis aller Kandidaten.

Burkhardt ist entsprechend zufrieden. Vor vier Jahren schaffte er als Fünftplatzierter den Einzug in den Stadtrat eher knapp, nun landete er mit seinen 2195 Stimmen auf dem Podest noch vor Vizeammann Walter Jucker (SVP) mit 1964 Stimmen. Der Knatsch mit Derrer habe sicher nicht geholfen, glaubt Burkhardt. «Aber er hat zum Glück nicht so geschadet, dass meine Wiederwahl gefährdet gewesen wäre.»

Gewählt: Walter Jucker mit 1964 Stimmen.

Gewählt: Walter Jucker mit 1964 Stimmen.

zvg

Derrer will aktiv bleiben

Derrer dagegen ist nicht zufrieden. Er hat zwar damit gerechnet, dass es für den Stadtrat nicht reicht – der Stimmenunterschied war aber doch noch etwas grösser, als er erwartet hat. «Als Unabhängiger ist es schwierig, denn es fehlt die Partei als Wahlmotor.»

Nicht gewählt: Michael Derrer (parteilos) mit 1452 Stimmen.

Nicht gewählt: Michael Derrer (parteilos) mit 1452 Stimmen.

zvg

Bis vor fünf Wochen gehörte Derrer selber einer Partei, der GLP, an, wurde aber dann ausgeschlossen, als er sich entschloss, zu den Wahlen anzutreten. Denn die GLP hatte Stadtrat Dominik Burkhardt im Februar als bisherigen und zugleich einzigen Kandidaten nominiert. Da Derrer der Aufforderung von Parteipräsidentin Béa Bieber, aus der Partei auszutreten, nicht nachkommen wollte, wurde er ausgeschlossen.

Er würde es nochmals gleich machen, sagt Derrer im Rückblick. «Die GLP unter der aktuellen lokalen Parteileitung und ich hätten keine Zukunft gehabt.» Aus seinen Worten hört man das tief sitzende Zerwürfnis. Derrer selber will politisch aktiv bleiben. In den letzten Wochen habe er viele wertvolle Begegnungen gehabt. Mit dem Verein Mehr Farbe für Rheinfelden will er sich für ergebnisoffene Diskussionen einsetzen, mehr Menschen eine Stimme geben und die Stadt positiv beleben.

Nicht gewählt: Claus Pfisterer (parteilos) mit 1570 Stimmen.

Nicht gewählt: Claus Pfisterer (parteilos) mit 1570 Stimmen.

zvg

Ebenfalls nicht gereicht hat es dem zweiten Parteilosen, Claus Pfisterer. Er sei zufrieden mit dem Ergebnis, sagt er. «Ich bin froh, dass ich es gewagt habe. Es war eine spannende Erfahrung.»